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Kein Besuch in Rom: Corona bremst Pilgerreisen aus | BR24

© BR/Johannes Reichart

Die Stadt Rom und der Vatikan gehören zu den ganz großen Reisezielen Europas. Dort zieht es aber nicht nur touristische Reisende hin – viele Gäste sind auch Pilger. Die Corona-Pandemie schreckt aber auch diese von einem Besuch ab.

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Kein Besuch in Rom: Corona bremst Pilgerreisen aus

Die Stadt Rom und der Vatikan gehören zu den ganz großen Reisezielen Europas. Dort zieht es aber nicht nur touristische Reisende hin – viele Gäste sind auch Pilger. Die Corona-Pandemie schreckt aber auch diese von einem Besuch ab.

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Große Gästehäuser und kleine Pilgerhotels: sie alle stehen derzeit leer. Die Corona-Krise hat die Straßen Roms praktisch leergefegt. Neben den Hotels und Restaurants leiden auch viele kirchliche Häuser unter den Auswirkungen der Pandemie – Rom, das Zentrum der katholischen Weltkirche muss derzeit auf religiöse Kundschaft verzichten. Für die einen ist es eine außergewöhnliche Chance, die Sehenswürdigkeiten fast für sich allein zu haben, für Pilgerführer, Museen und Gläubige eine schmerzliche Erfahrung.

430 leerstehende Betten für Pilger

Guiseppe Lo Piccolo zeigt eine der zwei Kapellen seines Hotels "Casa Tra Noi" in Rom, wo sonst jede Woche Pilgergruppen zum Gebet zusammenkommen:

"Unser Hotel liegt sehr nah zum Vatikan, die Pilger gehen also zur Audienz des Papstes. Danach kommen sie zu uns. Wir haben hier sieben Bus-Parkplätze, und sie bleiben dann 2-3 Tage in Rom." Guiseppe Lo Piccolo, Hotelmanager

Der Hotelmanager führt durch die leeren Räume: Der Hotelkomplex ist vollständig auf katholische Pilger ausgerichtet: 200 Zimmer mit 430 Betten, dazu vier Gruppensäle und zwei Haus-Kapellen, die die Gruppen vorab reservieren können. Sogar ein eigenes Auditorium für Glaubenskonferenzen ist im Keller. Normalerweise kommen jede Woche mehrere Gruppen, aus Deutschland, Frankreich und den USA - seit dem 6. März aber war keine einzige Gruppe mehr da.

"Es ist hier sonst wie ein kleines Dorf, überall sind Pilger zugegen. Dann ist eine richtige gute Stimmung da. Die Situation jetzt ist wie ein Schock für uns." Guiseppe Lo Piccolo, Hotelmanager

Ersparnisse und Kurzarbeit retten das Hotel noch

Seit einem Monat tröpfeln wieder vereinzelt Gäste rein. Vergangenes Jahr waren es pro Monat aber mehr als 8.000 Besucher. Restaurant und Bar sind nach wie vor geschlossen. Das Hotel hält sich dank Ersparnissen und Kurzarbeiter-Geld für die Angestellten über Wasser.

Auch Ordenshäuser müssen schließen

Andere Gästehäuser nicht: Mehr als 350 Pilger-Herbergen in Italien haben laut dem Verband von religiösen Unterkünften "Ospitalita religiosa" zugemacht, rund zehn Prozent aller kirchlichen Gästehäuser. Auch in Rom konnten manche kleine, katholische Orden ihr angeschlossenes Gästehaus nicht mehr über Wasser halten, sagt Pfarrer Werner Demmel, Leiter des Deutschen Pilgerzentrums in Rom. Die Gemeinschaften seien großenteils überaltert – hätten keinen Nachwuchs. Diese Häuser seien eine gute Hilfe, ihren Unterhalt zu gewährleisten. Aber irgendwann sei dann auch für diese Gemeinschaften Schluss, so dass sie schließen müssten.

Große Pilgergruppen aus Mexiko, den Philippinen oder USA bleiben wegen der Corona-Krise aus, Ministranten-Wallfahrten oder Kranken-Pilgerreisen vom Malteser-Orden – alle wurden verschoben.

Gemeinschaftserfahrungen der Gläubigen gehen verloren

Neben den enormen finanziellen Verlusten gehen auch die Erfahrungen von Gemeinschaft und Weltkirche verloren, so der deutsche Pilger-Pfarrer:

"Gerade die Papstgottesdienste, die großen Basiliken erleben diese weltumspannende Katholizität im Moment kaum noch." Werner Demmel, Leiter des Deutschen Pilgerzentrums in Rom

Die wenigen Besucher haben Rom fast für sich allein

Ein Besuch in den Vatikanischen Museen: keine Schlange entlang der Außenmauer, auch drinnen ist die weltberühmte Einrichtung wie ausgestorben. Derzeit kommen nur 2.000 statt 20.000 Gäste. Für den Besucher die einmalige Chance auf ungestörte Momente in den Loggien Raffaels und der Sixtinischen Kappelle – für die päpstlichen Kunstsammlungen ein deutlicher Einschnitt, sagt die Direktorin der Vatikanischen Museen Barbara Jatta. Es sei eine komplizierte Situation. Man gehe durch unruhige Zeiten, die aber auch andere Museen treffe.

"Wir haben hier über 1.000 Mitarbeiter, die ihre Familien ernähren müssen. Aber da Papst Franziskus den Willen ausgedrückt hat, dass es keine Entlassungen gebe, handhaben wir das in seinem Sinn." Barbara Jatta, Direktorin der Vatikanischen Museen

Der Besuch sei völlig bedenkenlos, wirbt die Museumschefin: Fieber-Scangeräte an mehreren Stellen, Desinfektionsmittel und Maskenpflicht garantierten sichere Stunden in den Galerien. Für Rom-Liebhaber ist es ein guter Zeitpunkt, für die 4.000 kirchliche Gästehäuser in Italien eine verlustreiche Phase mit ungewissem Ausgang.

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