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Kaum noch Hamsterkäufe in Supermärkten, andere Branchen leiden | BR24

© dpa-Bildfunk/Bernd Thissen

"Einbruch Zwecklos! Kein Toilettenpapier vorhanden" steht auf einem Zettel.

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    Kaum noch Hamsterkäufe in Supermärkten, andere Branchen leiden

    Die Verbraucher kaufen wieder weitestgehend "normal" ein – zumindest die alltäglichen Konsumgüter. Der Run auf Toilettenpapier, Nudeln und Hefe scheint vorbei. Das Interesse an anderen Gütern bleibt erstmal mau.

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    Die Zeit der Hamsterkäufe ist vorbei, die Verbraucher verhalten sich wieder weitgehend wie vor der Corona-Pandemie -zumindest im Supermarkt. Das hat das Statistische Bundesamt festgestellt. Das gilt für die Güter des täglichen Bedarfs. Bei größeren Anschaffungen wie Autos bleiben die Verbraucher wegen der Krise zurückhaltend.

    Toilettenpapier, Nudeln und passierte Tomaten, die zu Beginn der Corona-Krise oft ausverkauft waren, füllen wieder die Regale im Supermarkt. Bis auf Seife, Desinfektionsmittel und einige Hygiene-Produkte gibt es inzwischen kaum noch Abweichungen vom Vorkrisenniveau.

    Einkauf im Supermarkt fast wie vor Coronakrise

    Das Statistische Bundesamt berichtet von einer erhöhten Nachfrage für alle Produkte, die zur Einhaltung der Hygiene-Vorschriften wichtig sind. Dazu gehören etwa Atemschutzmasken.

    Der tägliche Einkauf läuft damit fast schon wieder wie vor der Krise ab. Viele andere Branchen melden aber eine große Kaufzurückhaltung, wie das Gastgewerbe, der Tourismus oder die Automobilindustrie. Das Statistische Bundesamt hat bei Hotels und Gaststätten im März einen Umsatzrückgang um 45 Prozent festgestellt. Mit den Lockerungen könnten die Umsätze ab Mai aber wieder steigen.

    Einzelhandel hofft auf langsame Erholung ab Mai

    Viele Einzelhändler litten unter den zwischenzeitlichen Ausgangs- und Kontaktsperren. Den stärksten Einbruch gab es in den Geschäften mit Textil und Bekleidung, die schon im März nur noch gut die Hälfte ihrer sonst üblichen Umsätze machten.

    Zweistellig zulegen konnte dagegen der Internethandel. Und auch die Apotheken machten deutlich bessere Geschäfte. Der Modehandel blieb wegen Corona zunächst auf vielen Waren sitzen, die nun veraltet sein können. Die einzige Chance für die Händler sind häufig Preisaktionen und Sonderangebote, um die Lager zu räumen.

    Fehlende Kaufbereitschaft könnte länger Thema bleiben

    Die Boston Consulting Group sieht im Einzelhandel eine bisher einzigartige Krise. Die Deutschen hätten ihre Einkäufe dramatisch eingeschränkt und wollten ihr Kaufverhalten auch nach dem Ende der Pandemie nicht so schnell wieder ändern, sagt Matthias Tauber, Deutschlandchef der Unternehmensberatung.

    Das trifft auch die Automobilindustrie. Dort werden bis Ende Mai weitere Produktionsausfälle befürchtet. Branchenexperten sehen vorerst noch nicht die nötige Kaufbereitschaft bei den Autokunden, um die Werke wieder richtig hochzufahren. Die arbeiteten meist nur in einer Schicht statt im durchgängigen Dreischichtbetrieb.

    Bei größeren Anschaffungen bleiben Verbraucher vorsichtig

    Das gilt selbst für Elektroautos wie den ID.3 von VW, von dem mit der Wiederaufnahme der Produktion zunächst nur 50 statt 150 Fahrzeuge am Tag gebaut wurden. Auch in den BMW-Werken in München, Regensburg und Leipzig ging es zunächst darum, das internationale Netzwerk mit den eigenen Lieferketten wieder zu versorgen. Das soll die Voraussetzung dafür schaffen, zu einem späteren Zeitpunkt dann die Produktion wieder voll hochzufahren.

    Den Zeitpunkt dafür kann noch niemand nennen. Schon Ende Mai werde sich der Rückstand der deutschen Automobilindustrie gegenüber der ursprünglichen Planung vom Anfang des Jahres auf 10,6 Prozent belaufen, sagte Andreas Radics, von Berylls Automotive in München der Zeitschrift auto motor und sport.

    Vorsichtige Kunden weltweit belasten deutsche Exporte

    Das entspreche rund 8,5 Millionen Fahrzeugen, die vorerst nicht gebaut werden. Nicht nur in Deutschland brechen die Zahlen der Neuzulassungen ein. Auch in China, dem entscheidenden Automarkt für die deutschen Hersteller, läuft seit der Corona-Krise nicht mehr so viel.

    Vorsichtige Kunden und zurückhaltende Verbraucher sind ein weltweites Phänomen, das die exportstarken deutschen Unternehmen besonders hart trifft. Für sie zählt weniger der Heimatmarkt als die Nachfrage im Ausland. Das sind in erster Linie die europäischen Nachbarländer und China sowie die USA. Gerade die Vereinigten Staaten als einer der wichtigsten Exportmärkte leiden besonders stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

    Verbraucher müssen keine Reisegutscheine mehr akzeptieren

    Weltweit betroffen sind vor allem Flugverkehr und Touristik, die für deutsche Verbraucher eine große Rolle spielen. Das Bundeskabinett ist jetzt den Vorgaben der EU gefolgt und hat hier den Weg für eine umfassende Erstattung von ausgefallenen Reisen und auch von Flügen freigemacht.

    Der Deutsche Reiseverband schätzt, dass den Reisekunden rund sechs Milliarden Euro zustehen, für die sie keine Gutscheine akzeptieren müssten. Allein bei Lufthansa schätzt man den Wert der stornierten Flugtickets auf rund zwei Milliarden Euro. Auch dieses Geld können Passagiere zurückverlangen, deren Flüge wegen Corona ausgefallen sind.

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