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Katastrophenschützer bitten Bürger, sich besser für Krisenfälle wie Hochwasser und vor allem Stromausfälle zu rüsten.

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    Wie kann ich vorsorgen für den Katastrophenfall?

    Cyberangriffe, Blackouts oder Überschwemmungen: Der Katastrophenfall kommt überraschend. Eine gute Vorbereitung kann Leben retten. Viele Maßnahmen kann jeder von uns dabei zum Nulltarif umsetzen. BR24 mit den wichtigsten Tipps.

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    Von
    • Jürgen Seitz

    Anfang Januar 2021 kam es fast zu einem "schwarzen Freitag" an der Steckdose, denn Europa stand vor einem Blackout. Nach einer Störung in Südosteuropa mussten mehrere Länder von der Stromversorgung getrennt werden. In Deutschland blieben die Vorkommnisse allerdings weitgehend unbemerkt - auch weil die Vorkehrungen funktioniert haben. Doch das könnte beim nächsten Mal schon anders sein.

    "Eine erwartete Zunahme von Extremwetter-Ereignissen potenziert dieses Risiko. Auch Hacker oder Terroristen sind eine durchaus reale Gefahr für unsere Stromversorgung. Mit Mini-Blackouts müssen bayerische Unternehmen heute schon umgehen." Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern

    Der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Christoph Unger sagte bereits 2020 "nach 24 Stunden ohne Strom bereits katastrophale Verhältnisse" voraus. Prophetisch auch in Bezug auf sein eigenes Amt, denn wie schlecht Deutschland vorbereitet ist, zeigte das peinliche Versagen am bundesweiten "Warn-Tag" im September 2020. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps NINA und KATWARN erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Unger musste seinen Hut nehmen und die Debatte über notwendige Vorbereitungen nahm Fahrt auf. Im Nachbarland Österreich wird demgegenüber viel offensiver informiert und diskutiert. Das österreichische Bundesheer etwa schafft energieautarke Kasernen für den Notfall.

    So kann man Vorbereitungen treffen

    Dabei kann und sollte jeder Vorbereitungen treffen für den Katastrophenfall - etwa Überschwemmungen oder besonders Stromausfälle. Und das geht mit nur geringem Aufwand und ohne große Kosten.

    BR24 hat mit dem Chiemgauer Outoddo-Spezialisten und THW- Helfer Stefan Spiegelsperger eine To-Do-Liste zusammengestellt, die jeder nachmachen kann.

    1. Checkliste runterladen und Broschüre anfordern

    Auch und gerade im Notfall müssen Menschen essen, trinken, kommunizieren. Überlebenswichtig sind auch Wärme, Medikamente und Hygiene. Um sich darauf systematisch vorzubereiten hilft die Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katstrophenhilfe. Sie steht hier als Download bereit. Bis zu fünf Exemplare der umfassenden Broschüre "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" können zudem kostenfrei bestellt werden.

    2. Arzneimittel-Vorrat und Erste-Hilfe-Kurs

    Eine Notfallapotheke ist Pflicht. Basis kann der Erste-Hilfe-Kasten fürs Auto sein. (Der muss regelmäßig ausgetauscht werden). Denken Sie auch an Atemschutz-Masken.

    Und: Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen kann nie schaden. Unser Tipp: Fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob er kostenfreie oder bezuschusste Erste-Hilfe-Kurse anbietet.

    3. Stilles Wasser und an Badewanne als Notreservoir denken

    Neben einem Stromausfall ist besonders die Unterbrechung der Versorgung mit (sauberem) Wasser gefährlich. Wer drei Liter Wasser täglich pro Person vorhalten will, benötigt für einen Zeitraum von 10 Tagen immerhin 20 1,5-Liter-Flaschen. Einen entsprechenden Vorrat sollte man als "rollierendes System" nach Kaufdatum verbrauchen und wieder auffüllen. Wichtiger Tipp für Brauchwasser: Im Falle eines (länger andauernden) Blackouts sollten Sie umgehend die Badewanne (falls vorhanden) und weitere Gefäße mit Wasser füllen und als Reservoir nutzen.

    4. Inspektion der Haushaltsgegenstände und Lichtquellen

    Besonders um im Fall der Unterbrechung der Energieversorgung vorbereitet zu sein, können Campingartikel (Schlafsack, Isomatten, Feldflaschen etc.) wertvolle Dienste leisten. Halten Sie sie für den Notfall griffbereit. Auch wichtig: Batterievorrat checken (gegebenenfalls anlegen). Werkzeuge und vorhandene Lichtquellen checken (nicht nur Taschenlampen, sondern auch Teelichter, Streichhölzer, Feuerzeuge etc.).

    Wichtig auch: Stolperfallen identifizieren und entfernen. Das kann bei einem Blackout wichtig werden. Außerdem sollten Sie einen Bargeldvorrat (in kleinen Scheinen und Münzen) anlegen. Eine Kartenzahlung kann bei einem größeren Stromausfall nicht möglich sein.

    Übrigens nicht nur für den Katastrophenfall gilt: Fahren Sie Ihren Tank nicht bis zum letzten Tropfen leer, bevor Sie tanken.

    5. Inspektion der vorhandenen Nahrungsmittel

    Beachten Sie: (Tief)gekühlte Lebensmittel in Kühlschrank und Gefrierschrank verderben am schnellsten. Überprüfen Sie Ihr Lebensmittelvorräte und stellen Sie gegebenenfalls eine Liste von Nahrungsmitteln für den Notfall zusammen. Dabei gilt: Nahrung ist wichtig, aber weniger wichtig als sauberes Wasser.

    6. Kommunikation sicherstellen

    Besonders die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender haben Vorkehrungen getroffen, um auch im Katastrophenfall weitersenden zu können. Sie sind also eine wichtige Informationsquelle im Fall der Fälle. Damit bekommt auch das batteriebetriebene Radio eine entscheidende Bedeutung. Der Bayerische Rundfunk zum Beispiel sendet in Katastrophenlagen nach Maßgabe des modularen Warnsystems des Bayerischen Innenministeriums auf den Hörfunkfrequenzen von Bayern 1, Bayern 3 und Bayern 5 sowie im BR Fernsehen mit Rundschau und Abendschau. Daher sollten Sie am besten in Ihren Radiogeräten (auch Autoradio) diese Frequenzen einprogrammieren.

    Auch wenn das Internet bei einem Blackout ausfallen kann, kann das Smartphone trotzdem zu einem nützlichen Helfer werden. Weil die satellitengestütztes Navigationssysteme weiterarbeiten dürften, bietet sich vorbereitend das Herunterladen spezieller Orientierungs-Apps an. Viele Smartphones bieten in der Basisausstattung bereits installierte Taschenlampenfunktion, Radio, Höhenmesser, Kompass etc. an. Checken Sie Ihr Smartphone darauf ab. Ein (geladener) externer Akku kann die Betriebsdauer Ihres Mobilfunkgeräts dabei entscheidend verlängern.

    Und natürlich sollten Sie die wichtigsten Telefonnummern und Adressen (auch vom örtlichen Polizeirevier, THW, Feuerwehr, Krankenversorgung etc.) speichern und aufgeschrieben in einem Notfallordner mit wichtigen Dokumenten ablegen.

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    Durchblick auch wenn es finster wird: THW-Helfer Stefan Spiegelsberger mit seinem zur Wärmebildkamera aufgerüsteten Smartphone

    All diese Tipps kosten nicht viel, sind aber Voraussetzung für die möglichst souveräne Bewältigung von Notlagen. Die meisten Katastrophenschutz-Szenarien gehen davon aus, dass jeder Bürger mindestens zehn Tage daheim auch ohne fremde Hilfe übersteht.

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