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Karstadt Kaufhof: Sechs Standorte in Bayern auf Streichliste | BR24

© BR / Birgit Harprath

In Bayern sollen sechs Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen werden. Das hat der Bayerische Rundfunk von der Gewerkschaft Verdi in Bayern erfahren. Demnach sind München, Nürnberg und Ingolstadt betroffen.

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Karstadt Kaufhof: Sechs Standorte in Bayern auf Streichliste

In Bayern sollen sechs Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen werden. Das hat der Bayerische Rundfunk von der Gewerkschaft Verdi in Bayern erfahren. Demnach sind München, Nürnberg und Ingolstadt betroffen.

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  • Birgit Harprath

Kahlschlag bei Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern: Galeria Karstadt Kaufhof schließt mehr als ein Drittel seiner Filialen. Für zunächst 62 der insgesamt 172 Warenhäuser sei das Aus besiegelt, teilte der Konzern am Freitag mit: "Für sie besteht keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive."

Betroffen sind Häuser in allen Bundesländern außer in Thüringen. Die Jobs von rund 6.000 der insgesamt 28.000 Mitarbeiter in den Karstadt Warenhäusern (KWH) oder bei Galeria Kaufhof (GK) sind gefährdet.

Sechs Standorte in Bayern sollen schließen

Sechs Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof stehen in Bayern auf der Streichliste. Die Standorte sind demnach München mit drei Filialen (Stachus, Nordbad, OEZ - früher Karstadt), Ingolstadt und Nürnberg mit zwei Filialen (Karstadt an der Lorenzkirche und Karstadt Langwasser).

800 Beschäftigte betroffen

Direkt betroffen seien davon 800 Beschäftigte. Noch offen sei, so Verdi, wie es mit den Sports-Filialen und Karstadt Feinkost weitergeht. Auch über die Reisebüros wurde noch nicht entschieden. Die Gewerkschaft will in Bayern nun versuchen, gemeinsam mit Bürgermeistern um die Filialen zu kämpfen. Das größte Problem seien dabei die hohen Mietkosten. Hier soll der Kontakt zu den Immobilienbesitzern aufgenommen werden.

Erleichterung im Allgäu

Die beiden Allgäuer Häuser des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof in Kempten und Memmingen bleiben von der aktuellen Schließungswelle verschont. Das geht aus den vom Konzern veröffentlichten Listen hervor. Erleichterung nicht nur unter den Angestellten sowie in der Allgäuer Bezirksleitung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auch den Oberbürgermeistern der beiden Städte fällt ein großer Stein vom Herzen. Thomas Kiechle, OB in Kempten, erklärte soeben im BR-Interview, er sei froh und jede andere Entscheidung hätte er nicht nachvollziehen können. "Wenn Sie heute in das Haus kommen, sieht man auch, dass es weiterentwickelt wurde. Man fühlt sich wohl drin. Deshalb hatten wir immer das Gefühl, es ist ein gut gehendes Haus."

Er habe immer vermutet, dass es schlechtere Standorte gebe, als den in Kempten. Ähnlich reagierte Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder. Wäre das Haus geschlossen worden, wäre das ein herber Verlust für die Stadt gewesen. Für die Innenstadt sei das Kaufhaus ein wichtiger Impulsgeber, es kämen Kunden eigens wegen Karstadt nach Memmingen, wovon wiederum auch andere Händler im Zentrum profitierten.

"Eine der bittersten Stunden in der Geschichte des deutschen Einzelhandels"

"Dies ist eine der bittersten Stunden in der Geschichte des deutschen Einzelhandels", sagte der Verdi-Einzelhandelsexperte Orhan Akman: "Wir reden von mehr als 6.000 betroffenen Menschen". Die Mitarbeiter wurden am Nachmittag über die Pläne informiert. Für die Betroffenen solle es der Übereinkunft zufolge Abfindungen geben, zudem können sie für sechs Monate in einer Transfergesellschaft beschäftigt werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil forderte, der Konzern müsse auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Zukunftskonzepte für attraktive Innenstädte müssten nun auf den Tisch, forderte Norbert Portz, Experte des Städte- und Gemeindebundes. Von den Schließungen betroffen sind unter anderem Filialen in Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart.

Kämpfen ums Überleben in der Corona-Krise

Galeria Karstadt Kaufhof kämpft in der Corona-Krise ums Überleben, die Umsätze brechen weg. Zudem leidet der Konzern seit Jahren unter der erbitterten Konkurrenz von Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Der fusionierte Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren.

Der Konzern gehört ebenso wie zahlreiche seiner Warenhaus-Immobilien der Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko. Dieser hat bei Galeria Karstadt Kaufhof seit Juni 2019 das alleinige Sagen.

Insolvenzplan soll am 22. Juni vorgestellt werden

Kebekus und Geiwitz arbeiten nun unter hohem Zeitdruck den Sanierungsplan aus und setzen auch auf Zugeständnisse der Vermieter. Die Lage ist dabei dramatisch: "Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren", hieß es in einem Schreiben der Geschäftsleitung im Mai: "Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu eine Milliarde Euro erhöhen." Geiwitz und Kebekus wollen nun am 22. Juni den Gläubigern einen Insolvenzplan präsentieren.

© BR

Die Ära der großen Kaufhäuser ist wohl vorbei. Zuletzt gab's nur noch einen einzigen Konzern in Deutschland: Galeria Karstadt Kaufhof. Und der holt jetzt zum Kahlschlag aus.

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