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Kaeser überrascht zum Siemens-Abschied mit guter Bilanz | BR24

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Weniger Gewinn, aber mehr als erwartet: Siemens hat sich in der Corona-Krise bisher wacker geschlagen. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Münchner Konzern einen Milliardengewinn verbucht. Allerdings gibt es weniger Dividende.

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Kaeser überrascht zum Siemens-Abschied mit guter Bilanz

Weniger Gewinn, aber mehr als erwartet: Siemens hat sich in der Corona-Krise bisher wacker geschlagen. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Münchner Konzern einen Milliardengewinn verbucht. Allerdings gibt es weniger Dividende.

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Von
  • Stephan Lina
  • Ralf Schmidberger

Siemens hat im Schlussspurt des Geschäftsjahres einen großen Teil der Einbußen aus der Corona-Krise wieder aufgeholt. Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft lag 2019/20 mit 7,6 Milliarden Euro nur um drei Prozent unter dem Vorjahresniveau, wie der Technologiekonzern mitteilte. Damit übertraf der Münchner Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich. Der Nettogewinn sank um ein Viertel auf 4,2 Milliarden Euro. Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Joe Kaeser vor sieben Jahren sinkt allerdings die Dividende: von 3,90 auf 3,50 Euro je Aktie.

Aus eins mach drei

Das früher riesige Konglomerat Siemens verwandelte sich in den mehr als sieben Jahren unter Joe Kaeser in drei Einzel-Konzerne. So stand zuletzt im September der milliardenschwere Börsengang der Energiesparte auf dem Programm. Mit dieser Neuausrichtung wollte Kaeser das Geschäft schlanker, schneller und übersichtlicher machen. Eine Strategie, die er bei einer virtuellen Pressekonferenz noch einmal verteidigte:

"Siemens Healthineers, Siemens Energy und die neue Siemens AG – wenn Sie so wollen – sind hervorragend positioniert, um erfolgreich und gestärkt aus der Pandemie herauszukommen, aber auch die Zukunft in ihren jeweiligen Branchen aktiv zu gestalten." Joe Kaeser, scheidender Siemens-Vorstandsvorsitzender

Siemens will Digitalisierungs-Meister sein

Offiziell ist Joe Kaeser noch bis zur Hauptversammlung Anfang Februar im Amt. Sein Nachfolger Roland Busch führt allerdings schon seit Oktober operativ die Firma, die sich künftig vor allem auf das Geschäft mit Digitalisierung konzentrieren will. Dort sei Siemens dank einer frühzeitigen Neuausrichtung heute so gut aufgestellt wie keiner der Wettbewerber, betonten Busch und Kaeser unisono. Und das sei für die Zukunft entscheidend. Denn die Corona-Krise habe in der Wirtschaft den Trend zu mehr Vernetzung und Automatisierung derart beschleunigt, wie es selbst Fachleute kaum erwartet hätten. Mit Folgen für nahezu alle Firmen:

"Diese Zeiten, die wir heute erleben, werden die Zukunft von Branchen und Unternehmen bestimmen. Sie werden bisher intakte Sektoren in strukturell gefährdete Unternehmen verwandeln. Sie werden neue Branchen schneller entwickeln und die digitale Transformation in allen Bereichen der Wirtschaft beschleunigen. Und es wird die Unternehmen belohnen, die die Krise gut meistern, die aus ihren Erfahrungen lernen und sich schon jetzt auf die Zeit nach der Pandemie vorbereiten." Joe Kaeser, scheidender Siemens-Vorstandsvorsitzender

Drei Standbeine

Die verbliebene Siemens AG steht künftig auf drei Standbeinen: Digitale Industrie, smarte Infrastrukturen und Mobilität. Gerade die Mobilitätssparte hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Ertragsperle gemausert, nachdem ein geplanter Zusammenschluss mit der französischen Alstom am Veto der EU-Kommission gescheitert war.

Siemens Mobility soll nun aus eigener Kraft wachsen. Allerdings wird die Sparte zunächst verkleinert. Das Geschäft mit städtischen Verkehrssystemen wie Ampeln soll im laufenden Geschäftsjahr ausgegliedert werden. Damit wird Siemens Mobility zu einem Spezialisten für den Schienenverkehr. Eine Bilanz seiner Amtszeit wollte Joe Kaeser nicht ziehen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die drei heutigen Konzerne, die den Namen Siemens tragen, gut aufgestellt sind. Alle drei sind für sich genommen immer noch Großkonzerne: Siemens ist bereits im DAX, Siemens Healthineers und Siemens Energy könnten mittelfristig folgen.

"Mit der Gründung von drei starken Unternehmen haben wir den Grundstein dafür gelegt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen." Joe Kaeser, scheidender Siemens-Vorstandsvorsitzender

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