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Joe Kaeser im BR-Interview: Auf Siemens-Stärken besinnen | BR24

© BR/Margit Siller

Siemens hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Schlussspurt abgeschlossen und damit der schwächelnden Weltkonjunktur getrotzt.

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Joe Kaeser im BR-Interview: Auf Siemens-Stärken besinnen

Siemens hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Schlussspurt abgeschlossen und damit der schwächelnden Weltkonjunktur getrotzt. Beim Ausblick bleibt Konzernchef Joe Kaeser vorsichtig und reagiert leicht genervt auf Fragen zu seiner eigenen Zukunft.

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Konzentration auf das industrielle Kerngeschäft

"Wir haben geliefert, was wir versprochen haben". Damit meinte Konzern-Chef Joe Kaeser, dass Siemens bei wichtigen Kennzahlen die Jahresprognosen erfüllt hat. Außerdem passiert genau das, wofür der Vorstand selbst seit sechs Jahren die Weichen stellt: Das Technologie-Unternehmen konzentriert sich auf seinen industriellen Kern mit der Automatisierung und dem Infrastruktur-Geschäft. Wer den Wandel in Branchen und Märkten erkenne, der müsse rechtzeitig gegensteuern. Er erinnerte an das unrühmliche Ende von BenQ und sprach von Managementversagen, damals in der Siemens-Chefetage:

"Deshalb ist es wichtig, dass wir mutig jetzt vorangehen, die Signale von Geräuschen trennen und uns auf unsere Stärken besinnen, auch wenn es emotional oft gar nicht so einfach ist, auch da loszulassen." Joe Kaeser, Siemens-Konzernchef

Siemens Energy wird abgespalten

Die Abspaltung des Energiegeschäfts und die geplante Börsennotierung seien eine riesige Chance. Siemens Energy soll sich international als Komplettanbieter positionieren, eingeschlossen das schwierige Turbinengeschäft und die Windkraft. Der Zeitplan bis zum Herbst sei ambitioniert, aber man sei auf Kurs. Über den Firmensitz ist noch nicht entschieden.

Risiken steigen, Konjunktur schwächelt

Im Schlussquartal gelang es dem Konzern noch erfolgreich, die konjunkturelle Delle auszugleichen. Für das neue Geschäftsjahr zeigt sich der Vorstand vorsichtiger, zu groß seien die Risiken. Auf die Frage, ob die Prognose nicht zu verhalten sei, antwortete Joe Kaeser:

"Von verhaltenem Ausblick kann man nur sprechen, wenn man eben Boomzeiten vergleicht, aber die Realität in der Welt ist momentan etwas anders. Wir wollen stärker wachsen als der Markt, wir wollen Marktanteile gewinnen, wir wollen den Gewinn steigern und werden das Unternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähiger machen durch die Fokussierung auf Industrie, auf Gesundheitstechnik und jetzt auch auf die Energie." Joe Kaeser, Siemens-Konzernchef

Ziel für 2020: Sechs Euro Dreißig bis Sieben Euro je Aktie

Beim Ergebnis je Aktie, auf das vor allem die Analysten schauen, will Siemens im Jahr 2020 ein Zielband zwischen 6 Euro 30 und sieben Euro erreichen. Aber einfach wird das nicht:

"Wir sagen, dass die Fabrik-Automatisierung schwierig sein wird im Weltmarkt, aber wir sagen auch, dass wir Marktanteile gewinnen wollen. Wir sagen, dass unser Software-Geschäft acht Prozent wachsen wird. Damit kompensieren wir, wenn Sie wollen, die alten Technologien, weil wir auch frühzeitig auf diesen Wandel gesetzt und ihn antizipiert haben." Joe Kaeser, Siemens Konzernchef

Plan für Nachfolge steht

Nachdem in der Management-Presse schon seit Wochen darüber spekuliert wird, wann Joe Kaeser den Chefsessel verlassen wird, oder ob sein Vertrag womöglich doch verlängert wird, stellte er klar, dass es dieses Mal einen geordneten Nachfolgeplan gebe, zum ersten Mal seit 15 Jahren. Mit Roland Busch als Vize steht offiziell ein möglicher Nachfolger bereit, und der sei nicht auf Bewährung ernannt, betonte Kaeser:

"Ich sage es nochmal für alle, die Zweifel haben: Der Vorschlag, auch diese Führungsplanung so zu machen, die kam vom amtierenden Vorstandsvorsitzenden und sonst von keinem und ich freue mich darüber. Wer vierzig Jahre bei der Firma ist, der hat eine andere Beziehung als Leute, die jeden Tag etwas erfinden müssen, damit die Welt unterhalten wird." Joe Kaeser, Siemens-Konzernchef

Immer wieder hakten Journalisten nach in der Fragerunde und die launigen Sätze Kaesers zur eigenen Zukunft lassen sich durchaus so interpretieren, dass er wohl in die Verlängerung gehen würde, sollte der Aufsichtsrat ihn in einigen Monaten darum bitten.