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Ist Milch von glücklichen Kühen besser? | BR24

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Milch-Check

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    Ist Milch von glücklichen Kühen besser?

    Milchpreise können sich stark voneinander unterscheiden. Ist teurere Milch besser in Qualität und Geschmack? Wie sind die Unterschiede bei der Tierhaltung und wie viel vom Milchpreis kommt beim Bauern an? Wir haben den Milch-Check gemacht.

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    Nicht jeder hat einen Hofladen um die Ecke - und muss sich die Milch im Supermarkt kaufen. Was taugt diese? Das wollen wir wissen und checken frische Vollmilch mit einem Fettgehalt von mindestens 3,5 Prozent, die länger haltbar ist.

    Aldi - hier wird der Milchpreis gemacht

    Ein Discounter gibt bei der Milch den Preis vor. Kaum überraschend: Aldi. Wenn Aldi erhöht oder senkt, zieht die Konkurrenz nach. Für einen Liter Vollmilch zahlen wir hier 69 Cent - die günstigste Milch in unserem Check. Für die beiden Klassiker, "Berchtesgadener Land" und "Weihenstephan", müssen wir deutlich über einen Euro hinlegen. In diesem Preissegment bekommen wir auch eine Biomilch, und zwar bei Lidl. Die zweitgünstigste Milch in unserem Test.

    Kaum Unterschiede bei Geschmack und Qualität

    Was wir checken: Geschmack, Qualität und Fairness gegenüber Bauern und Tieren. Los geht es mit dem Geschmack. Wir sind in Berlin bei Stiftung Warentest. Die Lebensmittelchemikerin Birgit Rehlender hat mit ihrem Team kürzlich frische Vollmilch aus ganz Deutschland getestet. Wie beurteilt sie den Geschmack unserer vier Milch-Marken?

    "Die Berchtesgadener Land hat sogar sehr gut abgeschnitten in Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Die anderen Produkte sind gut. Also durchaus Standardqualität, die sich sehen lassen kann." Birgit Rehlender, Stiftung Warentest

    Bio-Lidl-Milch mit zu viel Jod

    Beim Geschmack kann der Verbraucher also kaum falsch liegen. Und wie sieht es mit der Qualität aus? Da schneiden "Berchtesgadener Land", "Weihenstephan" und die Aldi-Milch mit Note "gut" ab. Nur ein "ausreichend" aber gibt die Stiftung Warentest 2017 der Bio-Milch von Lidl. Der Grund: ein stark überhöhter Jodgehalt. Und zu viel Jod ist genauso schädlich für den Körper wie zu wenig. Lidl hat inzwischen reagiert:

    "Lidl hat dieses Ergebnis zum Anlass genommen, selbst Nachforschungen anzustellen und wir haben vor ein paar Wochen die Nachricht bekommen, dass man die Ursache für diesen hohen Jodgehalt gefunden hat. Sie lag, wie wir es vermutet haben, im Kraftfutter. Man hat das Problem erkannt und ich denke, heute ist das kein Problem mehr bei dieser Milch." Birgit Rehlender, Stiftung Warentest

    Bio punktet bei Fairness und Tierwohl

    Bei der Fairness interessiert uns: Was erhalten die Bauern für ihre Milch? Aber auch: Welche Rolle spielt das Tierwohl? Für immer mehr Konsumenten ein Thema. Wir treffen Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern. Er soll die Fairness-Kriterien bei unseren Milchmarken beurteilen:

    "Seit einigen Jahren bekommen die Biomilch-Erzeuger den höchsten Milchpreis. Gleichbleibend etwa 48 bis 50 Cent. Egal ob Marke oder Handelsmarke vom Discounter."Hans-Jürgen Seufferlein, Verband der Milcherzeuger Bayern

    Die Biomilch von Lidl liegt hier also klar vorne. Auch die Genossenschaft "Berchtesgadener Land" zahlt gut:

    "Das ist auch der Sinn einer Genossenschaft, dass die Landwirte, wenn gut gewirtschaftet wird, als Anteilseigner das auch über den Milchpreis honoriert bekommen." Hans-Jürgen Seufferlein, Verband der Milcherzeuger Bayern

    Für "Weihenstephan" und Aldi-Milch werden 33 bis 34 Cent gezahlt. "Hier haben wir zwar im Laden für den Verbraucher sehr unterschiedliche Preise", so Seufferlein, während die Auszahlungspreise für die Bauern laut dem Experten die gleichen blieben. Und beim Tierwohl? Hier sieht das Ranking ähnlich aus. Auch hier, so der Experte, liegt Bio vorne, gefolgt von "Berchtesgadener Land".

    Unser Fazit

    Und somit zum Fazit unseres Milch-Checks: Vom Geschmack und von der Qualität her geben sich unsere vier Milch-Marken nicht viel. Auch die Billig-Milch vom Discounter kann da locker mithalten. Wer aber Wert auf faire Milchpreise und das Tierwohl legt, ist vor allem bei Bio-Produkten gut aufgehoben. (Autoren: Martina Schuster und Johannes Thürmer)