Blick entlang zweier riesiger Pipelines, im Hintergrund ein Bauarbeiter und eine Baustelle.
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An mehreren Orten in Deutschland entstehen Terminals und Pipelines für Flüssiggas. Später sollen sie für andere Energieträger genutzt werden.

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Investitionen in LNG-Terminals: Wie lohnen sie sich langfristig?

Das erste deutsche Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshafen ist betriebsbereit. Weitere fünf dieser Anlagen werden geplant. Teure Investitionen – doch was passiert mit den Terminals, wenn Deutschland auf erneuerbare Energien umstellt?

Der erste LNG-Tanker aus Norwegen ist bereits unterwegs nach Wilhelmshaven und kommt voraussichtlich am kommenden Sonntagabend an. Anlanden wird der Tanker seine Fracht - 170.000 Kubikmeter verflüssigtes Erdgas, auf Englisch "liquefied natural gas" (LNG) - an einem Spezialschiff. Von dort führen ein Steg und Pipelines an Land, um das Gas ins Netz einzuspeisen. Diese Infrastruktur musste in den vergangenen Monaten neu gebaut werden. Ähnliche Einrichtungen werden auch im Gebiet der Nord- und Ostsee entstehen. Das kostet viel Geld - dabei will Deutschland in Zukunft wegkommen von fossilen Energien. Was passiert dann mit den neuen Terminals?

Bundesregierung will LNG-Terminals später anderweitig nutzen

Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein; dann ist eigentlich kein Platz mehr für importiertes Erdgas. Im Gesetz für fossiles LNG ist deshalb festgeschrieben: Die Terminals sollen nur bis Ende Dezember 2043 für LNG genutzt werden. Zukünftig will die Bundesregierung die entstehende Flüssiggas-Infrastruktur auch für den Import von grünem Wasserstoff nutzen - also für Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Der Bundesregierung zufolge soll neben dem Erdgas bereits ab 2025 klimaneutraler Wasserstoff aus Kanada über die Terminals importiert werden.

Umweltschützer gegen lange Laufzeiten für LNG-Terminals

Umweltschützer halten die Befristung für zwingend notwendig. "Die Terminals dürfen jetzt aber wirklich nicht länger als zehn oder maximal 15 Jahre betrieben werden", sagt Sascha Müller-Kränner von der deutschen Umwelthilfe und ergänzt: "Auch bei Erdgas aus Katar und anderen Quellen handelt es sich ja um fossilen Brennstoff - und den dürfen wir aus Klimaschutzgründen einfach nicht mehr so lange verwenden."

Auch andere Energieträger kommen per Schiff

Klar ist auf jeden Fall: In Zukunft will Deutschland grüne Energieträger importieren. Auch die könnten in flüssiger Form per Schiff anlanden. Wasserstoff zum Beispiel - oder auch Ammoniak, der dann vor Ort wieder in Wasserstoff umgewandelt wird. Überall dort, wo sich keine Pipeline bauen lässt - wie über weite Entfernungen in Ozeanen - wird es interessant, diese Energieträger mit Schiffen zu transportieren.

Fraunhofer Institut untersucht LNG-Terminals

Doch lassen sich die LNG-Terminals, die gerade entstehen, auch für diese Energieträger nutzen? Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer Institutes für System und Innovationsforschung (ISI) haben das in einer Machbarkeitsstudie untersucht. "Es ist nicht möglich, parallel verschiedene Energieträger in das gleiche Terminal zu importieren", erklärt Matia Riemervom Fraunhofer ISI. Sie und ihr Team haben sich bei den Terminals hauptsächlich die Infrastruktur an Land angeschaut, also Pipelines, die von den Anlandestellen kommen, und Tanks für die Zwischenlagerung.

Problem: Flüssiggas und Wasserstoff unterscheiden sich

Das Hauptproblem bei den Tanks liegt in den unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften der chemischen Stoffe. Flüssigerdgas wird bei etwa minus 160 Grad Celsius transportiert. Flüssiger Wasserstoff hingegen bei minus 250 Grad Celsius, nahe des absoluten Nullpunktes. Daher müsste unter anderem die Isolierung der Tanks nachgebessert werden, weil sonst höhere Energieverluste drohen.

Bei einer Nutzung mit Wasserstoff könnten zudem der in den LNG-Terminals verbaute Stahl spröde werden und Risse bekommen. Zudem ist Wasserstoff deutlich explosiver als Flüssiggas und macht daher andere Sicherheitsvorkehrungen erforderlich. "Das muss im gesamten Design des Terminals berücksichtigt werden - in der Planung“, bestätigt Björn Munko vom Verein des Gas- und Wasserfaches.

Auch für Ammoniak bräuchte man angepasste Terminals

Statt Wasserstoff könnte man auch größere Mengen Ammoniak importieren. Den benötigt bisher vor allem die Chemieindustrie als Ausgangsstoff. Die Kühlung ist bei Ammoniak kein Problem: Er kann bei minus 33 Grad Celsius transportiert werden. Aber: Ammoniak ist deutlich giftiger - und hat eine größere molekulare Dichte. Ammoniak-Tanks müssten deshalb auf stabileren Fundamenten stehen - oder sie könnten nicht komplett gefüllt werden.

Politischer Wille und technische Grenzen

Die Terminals zu einem späteren Zeitpunkt auf eine Nutzung mit Wasserstoff oder Ammoniak umzurüsten kostet Geld. Es könnte sich langfristig rechnen, sie gleich so zu planen und bauen, dass sie später leichter umgerüstet werden können. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt die Studie des Fraunhofer ISI "einen wichtigen Beitrag auf diesem Forschungsfeld". Allerdings gibt es aus dem Ministerium keine Vorgaben, ob und wie die Terminals umrüstbar gebaut werden. Der Bau und die Planung der Terminals sei, so das Ministerium, "Sache der Betreiber".

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