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Investition: Schaeffler baut Zentrallabor in Herzogenaurach | BR24

© Schaeffler

Am Firmensitz in Herzogenaurach entsteht ein neues Zentrallabor.

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    Investition: Schaeffler baut Zentrallabor in Herzogenaurach

    Die deutsche Autoindustrie steht unter Druck. Das geht auch an dem fränkischen Auto- und Industriezulieferer Schaeffler nicht spurlos vorbei. Um gestärkt aus der Krise hervorzugehen, rüstet sich das Unternehmen und investiert in ein Zentrallabor.

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    Von
    • Nicole Schmitt

    Dass gerade die Auto- und Industriezulieferer in diesen Zeiten zu kämpfen haben, ist kein Geheimnis. Um aus dieser Krise als Gewinner hervorzugehen, hat der fränkische Zulieferer Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach vergangenes Jahr ein umfassendes Reformprogramm angekündigt. Unter anderem will das Unternehmen seine Kompetenzen auf dem Forschungs- und Entwicklungssektor weiter ausbauen und setzt deshalb auf ein modernes Zentrallabor.

    Arbeiten und forschen im neuen Zentrallabor

    Ganz oben auf dem Dach der Schaeffler-Parkgarage hat man den besten Blick. Und zwar genau auf die Stelle, an der das Zentrallabor entstehen wird. Auf 15.000 Quadratmetern Fläche. Noch steht auf dem Gelände eine Villa mit roten Dachziegeln. Die soll allerdings Anfang nächsten Jahres weichen, um zwischen der Kantine und einem großen Bürogebäude Platz zu schaffen für den fünfstöckigen Neubau.

    Etwa 360 Menschen sollen in dem Laborkomplex künftig arbeiten und forschen. Der bündele vor allem die Kompetenzen im Bereich der Materialwissenschaft, der Werkstoffgestaltung und der Prüf- und Messtechnik, heißt es in einer Mitteilung. Im Interview verrät Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld: "Sie wissen, wir arbeiten mit Metall. Wir sind in der Lage Metall auf höchster Präzision zu verformen. Dann müssen Sie auch in der Lage sein, das nachzumessen. Das macht die Prüf- und Messtechnik. Da geht es um Bruchteile von Millimetern und dazu brauchen Sie natürlich auch ein entsprechendes Labor, dass das einfach kann."

    © BR-Studio Franken/Nicole Schmitt

    Hier soll das Zentrallabor entstehen.

    Zukunftsthemen sind Chance für das Zentrallabor

    Der Gebäudekomplex wird als sogenanntes "Green Buildung" realisiert und soll besonders nachhaltig sein. "Das wird ein hochmodernes Gebäude nach neuesten Nachhaltigkeitsstandards. Das macht natürlich auch noch einmal den Arbeitsplatz attraktiv. Das zeigt noch einmal die Kernkompetenz. Und Sie können natürlich auch durch die Ressourcenbündelung vielleicht das eine oder andere kosteneffizienter machen", erläutert Klaus Rosenfeld das Konzept.

    In 15 Laboreinheiten sollen zudem die Zukunftsthemen Wasserstoff und E-Mobilität weiter vorangetrieben werden. Dazu erklärt der Vorstand der Produktion Andreas Schick: "Im Zentrallabor bündeln wir Kompetenzen. Denken Sie an Elektromotoren. Die E-Motoren sind feinmechanische Systeme. Sie bestehen aus Stanzpaketen von vielen dünnen Blechen. Um die noch effizienter zu machen, müssen wir die weiterentwickeln und den Prozess optimieren. Das machen wir in dem Zentrallabor."

    Natürlich gehe es auch um Geschwindigkeit, so Schick weiter. Das sei die Chance dieses Zentrallabors, durch Synergien schneller zu werden. "Es ist für uns wichtig, die besten Technologien zu finden, aber diese auch schnellstmöglich umzusetzen. Und genau das werden wir bei Schaeffler tun. Wir entwickeln hier in Herzogenaurach die Grundlagen, die notwendig sind", so seine Vision.

    © BR-Studio Franken/Nicole Schmitt

    Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld und Vorstand der Produktion Andreas Schick vor der Visualisierung des neuen Schaeffler-Zentrallabors.

    Schaeffler reformiert sich

    80 Millionen Euro kostet das neue Zentrallabor am Firmensitz in Herzogenaurach. Es ist Teil eines Transformationsprozesses des Auto- und Industriezulieferers. Dieser wurde im vergangenen Jahr vorgestellt und beinhaltet auch die Schließung mehrerer Standorte und den Abbau von rund 4.400 Arbeitsplätzen weltweit. Erst vor Kurzem demonstrierten deswegen zahlreiche Beschäftigte an verschiedenen Schaeffler-Standorten – auch in Franken.

    Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite verliefen aktuell konstruktiv, so Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld. "Der Grundgedanke dieses Programms war immer Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit. Und dieser Leitgedanke ist der, von dem wir uns auch führen lassen sollten. Und der heißt eben nicht nur Arbeitsplätze zu reduzieren, zu bündeln, sondern eben auch dahin zu schauen, wo wir die Zukunft gestalten können. Das Zentrallabor ist genau auf dieser, ich nenne es mal offensiven Seite. Was können wir tun, um auch hier ganz bewusst am Standort Deutschland, um attraktive Arbeitsplätze zu schaffen." Mit dem Bau dieses Labors soll das nun gelingen, so Rosenfeld. Es sollen nicht nur Arbeitsplätze reduziert, sondern eben auch der Weg in die Zukunft vorbereitet werden.

    Firmenchef Rosenfeld lehnt Aufspaltung ab

    Schaeffler setze auf Vernetzung und auf die Stärke der eigenen Kompetenzen, heißt es aus dem Unternehmen. Auch wenn es im Augenblick bei anderen Unternehmen der Branche einen Trend der Aufspaltung gibt. Der Autokonzern Daimler beispielsweise will so bis Ende dieses Jahres die Lkw-Sparte an die Börse bringen. Für Schaeffler aber komme dieser Weg nicht in Frage, so Firmenchef Klaus Rosenfeld im BR-Interview. "Ich glaube, dass das bei uns, bei Schaeffler, ein Fehler wäre. Wir sind letztendlich kein Konglomerat im klassischen Sinne, sondern wir sind ein integrierter Technologiekonzern. Der mit dem was er kann, unterschiedliche Geschäfte, unterschiedliche Sparten, unterschiedliche Kunden bedient, weil er sich auf vier wesentliche Wettbewerbsvorteile stützen kann. Nämlich: Innovation, höchste Qualität, ein großes Systemverständnis, aber dann vor allen Dingen – Fertigungs-Exzellenz." Diese Kompetenzen nutze man eben nicht nur für Autos, sondern auch für die Industrie. "Diese Synergie, diese gemeinsame Kraft zu nutzen, das macht eigentlich Schaeffler aus. Deswegen würde ich es für einen schweren Fehler halten, Schaeffler in zwei Teile zu zerlegen."

    Das neue Zentrallabor von Schaeffler sei ein wichtiger Baustein, um das Unternehmen fit zu machen für die Zukunft. Außerdem steigere es zugleich die Attraktivität des Standorts Herzogenaurach. Davon ist Klaus Rosenfeld überzeugt. In drei Jahren, also Anfang 2024, soll das Zentrallabor bezugsfertig sein.

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