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Wegen Corona-Krise: Insolvenzverwalter erwartet viele Pleiten | BR24

© BR / dpa-Bildfunk, Oliver Berg

Fachleute rechnen mit bis zu 1,4 Millionen Pleiten, darunter auch viele gesunde Unternehmen.

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    Wegen Corona-Krise: Insolvenzverwalter erwartet viele Pleiten

    Insolvenzverwalter Lucas Flöther erwartet eine Welle von Firmenpleiten in Deutschland. "Die Bugwelle baut sich gerade auf" sagt Föther, der auch für Air Berlin zuständig ist. Sehr gefährdet seien Autozulieferer, Gastronomie, Kinos und Einzelhandel.

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    Von
    • Peter Althammer

    Den Fluggesellschaften zum Beispiel seien jetzt die Einnahmen weggebrochen, aber sie dürften es auch nach der Corona-Krise weiterhin sehr schwer haben.

    "Ich glaube nicht, dass man noch für 23 Euro nach Mallorca fliegt. Keiner fliegt mehr für ein zweistündiges Meeting von Berlin nach München" Lucas Flöther, Insolvenzverwalter

    Der Sprecher des "Gravenbrucher Kreises", der führenden Insolvenzverwalter, ist auch Sachwalter des angeschlagenen Ferienfliegers Condor.

    Autozulieferer, Einzelhändler, Gastgewerbe und Kinos sehr gefährdet

    Viele Insolvenzen erwartet er auch bei Autozulieferern, Einzelhändlern, im Gastgewerbe oder auch bei Kinos. Gefährdete Unternehmen sollten möglichst früh ein Schutzschirmverfahren beantragen, sagte Flöther - also ein Insolvenzverfahren, bei dem der Vorstand unter Kontrolle eines Sachwalters weiterarbeitet. Die Löhne würden drei Monate lang von der Agentur für Arbeit bezahlt. Die Unternehmen könnten sich dann mit einem Schuldenschnitt, Stellenabbau und der Kündigung langfristiger Verträge sanieren.

    Rat: Insolvenzanträge nicht hinauszögern

    Die Bundesregierung hat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei drohender Zahlungsunfähigkeit bis Ende September ausgesetzt. Für viele Firmen sei das "aber nur eine Beruhigungspille", sagte Flöther. "Die Gefahr des Hinauszögerns besteht auf jeden Fall." Danach komme dann das böse Erwachen.

    Online-Plattform rechnet mit bis zu 1,4 Millionen Pleiten

    Das Unternehmen "Deutsche Unternehmerbörse" DUB startet ab Mitte Mai 2020 eine Online-Plattform für Insolvenzen. "Wir rechnen in den nächsten Monaten mit bis zu 1,4 Millionen Pleiten", sagt Nicolas Rädecke, DUB-Geschäftsführer. Die Plattform ist spezialisiert auf Unternehmensnachfolgen im Mittelstand.

    "Die Corona-Pandemie wird die Zahl der Insolvenzen dramatisch erhöhen", Nicolas Rädecke. Deutsche Unternehmerbörse.

    Betroffen seien auch Unternehmen, die mit einem eigentlich gesunden Geschäftsmodell operieren und nur durch die verordneten Schließungen und deren Folgen in eine Schieflagen geraten.