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Die Präsidenten der IHK Mittelfranken und Oberbayern und Bayerns Innenminister Herrmann

IHK-Präsident Armin Zitzmann (Mittelfranken), Innenminister Joachim Herrmann (Mitte) und IHK Präsident Klaus Josef Lutz (Oberbayern)

Bildrechte: IHK Nürnberg für Mittelfranken
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    Industrie- und Handelskammern bangen um Energieversorgung

    Die unsichere Energieversorgung macht den bayerischen Unternehmen Sorgen. Das wurde bei einem Treffen von IHK-Vertretern aus ganz Bayern mit Innenminister Joachim Herrmann deutlich. Einen Gas-Boykott gegen Russland lehnen die Unternehmen aber ab.

    Von
    Oliver TubenauerOliver Tubenauer
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    Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und der nach wie vor anhaltende Fachkräftemangel – über diese Themen haben Vertreter der bayerischen Industrie- und Handelskammern bei einem Treffen mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Nürnberg diskutiert. Aus wirtschaftlicher Sicht bedrücken die Unternehmen vor allem die hohen Energiepreise und die unsichere Versorgungslage.

    Klares Nein zu Gas-Boykott

    Dabei waren sich die Teilnehmer darüber einig, dass es jetzt keinen Sinn mache, von sich aus einseitig Gaslieferungen aus Russland zu boykottieren. Angesichts der hohen Energiepreise sei die Stimmung in vielen Unternehmen so schlecht wie nie zuvor, betonte der Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Armin Zitzmann.

    Herrmann setzt auf auch auf längere AKW-Laufzeiten

    Innenminister Herrmann, der den kurzfristig erkrankten Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vertrat, erklärte, dass man nun den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben müsse. Herrmann nannte als Beispiel großzügigere Ausnahmen von der in Bayern geltenden 10-H-Regel bei Windrädern. Allerdings müsse man auch darüber nachdenken, die Laufzeiten für einige Kernkraftwerke um einige Jahre zu verlängern. "Das heißt nicht, dass wir den Ausstieg aus der Kernenergie abblasen", sagte der Innenminister. Allerdings könnten Laufzeitverlängerungen zur Stromversorgung dazu führen, dass das knapper werdende Gas für andere Zwecke verwendet werden könnte.

    Zeitgewinn ist Gebot der Stunde

    Der Präsident der IHK für München und Oberbayern, Klaus Josef Lutz, räumte ein, dass es darum gehe, Zeit zu gewinnen. "Putin hat auch jederzeit die Möglichkeit, die Gaslieferungen zu stoppen. Wir werden jetzt dafür bestraft, dass wir eine komplette Abhängigkeit vom russischen Gas haben", erklärte Lutz. Ein sofortiger Ausstieg aus den Gasgeschäften mit Russland hätte fatale Konsequenzen – unter anderem auch für die Nahrungsmittelversorgung.

    Bis zu 700.000 fehlende Fachkräfte bis 2030

    Beim Dauerthema Fachkräftemangel geht Lutz, der im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der BayWa AG ist, davon aus, dass bis zum Jahr 2030 in Bayern mehr als 600.000 Fachkräfte fehlen werden. Dies sei allein durch Zuwanderung nicht zu bewältigen. Man müsse deswegen auch versuchen, Studienabbrecher aus den MINT-Fächern für Ausbildungsberufe zu gewinnen.

    Vage Chancen durch ukrainische Flüchtlinge

    Bei der Frage, ob Flüchtlinge aus der Ukraine zumindest einen Teil der Fachkräfte ersetzen könnten, waren sowohl die IHK-Vertreter als auch Innenminister Herrmann nur verhalten optimistisch. Es sei noch nicht abschätzbar, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickelt. "Aber den Menschen, die hier bleiben und sich qualifizieren wollen, werden wir helfen", versprach Lutz. Auch Innenminister Herrmann wagte keine Prognose. Allerdings sei es bereits ein Erfolg, dass man in nur wenigen Wochen über 20.000 Kinder und Jugendliche in bayerischen Schulen untergebracht habe.

    Herrmann bedankt sich bei Kammern für Unterstützung

    Herrmann lobte die Leistungen, die die Industrie- und Handelskammern während der Corona-Krise erbracht haben. In den vergangenen zwei Jahren seien in Bayern 12,5 Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln als Überbrückungshilfen ausgezahlt worden. Davon hätten die Kammern Anträge mit einem Volumen von 10,3 Milliarden Euro bearbeitet. "Das wäre von unserer Ministerialbürokratie alleine niemals zu bewältigen gewesen", bedankte sich der Minister.

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