Der Rohbau eines Einfamilienhauses steht in einem verschneiten Baugebiet.
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Was es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat, sehen Immobilienmakler jetzt: Sinkende Kaufpreise in den südbayerischen Ballungsräumen.

    Immobilienpreise sinken in südbayerischen Städten

    Erste Signale zu sinkenden Immobilienpreisen kamen im vergangenen Jahr aus München. Mittlerweile sei die "Immobilien-Trendwende" auch in Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim angekommen, so der Immobilienverband IVD Süd.

    Die drei Städte Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim im Umkreis von München sind bei Pendlern sehr beliebt und die Preise für Wohnungen nur etwa halb so hoch wie in der Landeshauptstadt. Dennoch zeigt sich auch hier eine Trendwende bei den Kaufpreisen für Immobilien.

    Spielraum für Preisverhandlungen wird größer

    Makler haben immer mehr Probleme, Wohnimmobilien zu verkaufen - auch in den begehrten Städten München, Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim, wo die Bevölkerung wächst und Wohnungen knapp sind.

    Mittlerweile sinken die Preise und es dauert viel länger, bis Interessenten zugreifen, wenn überhaupt. Vor allem die vergleichsweise hohen Zinsen seien der Grund für die Zurückhaltung der Kaufinteressenten, so der Immobilienverband IVD Süd. Wegen der gesunkenen Nachfrage gebe es sehr viel mehr Spielraum für Preisverhandlungen und ein deutlich höheres Angebot.

    Trendwende breitet sich aus

    Über Jahre waren Immobilieneigentümer verwöhnt. Die Preise stiegen und Käufer konnten dank günstiger Zinsen leicht finanzieren. Bis Frühjahr 2022 habe es laut IVD Süd auch in Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim einen deutlich ausgeprägten Nachfrageüberhang gegeben. Hohes Kaufinteresse stieß auf vergleichsweise wenige attraktive Objekte.

    Doch im vergangenen Jahr kam die Trendwende. Vor allem, weil die Zinsen und damit die Finanzierungskosten deutlich gestiegen sind. Für einen Großteil der Kaufinteressenten sei damit der Eigenheimerwerb viel schwieriger geworden. Unsicherheit liege seitdem über dem Markt: Auch Bauträger würden weniger oder zur Zeit auch gar nicht mehr bauen und Kaufinteressenten lieber Wohnungen und Häuser mieten.

    Preisgefälle zu München bleibt

    Was sich nicht geändert hat, ist das hohe Preisgefälle zwischen München und anderen bayerischen Städten. So sind in Ingolstadt und Augsburg etwa die Kaufpreise für Wohnungen im Schnitt weniger als halb so hoch wie in der Landeshauptstadt. Mit über 10.000 Pendlern täglich sei Augsburg Pendlerstadt Nummer Eins, so der IVD Süd. Viele Kaufinteressenten waren in den vergangenen Jahren von München auch nach Rosenheim oder Ingolstadt ausgewichen, um zu pendeln. Doch trotz deutlich niedrigerer Immobilienpreise sei mittlerweile auch hier die Nachfrage zurückgegangen.

    Einen Trend zum verstärkten Pendeln oder zum Immobilienkauf in Pendlerstädten konnte der IVD Süd also nicht feststellen. Die Kaufzurückhaltung hat sich vielmehr von der Landeshauptstadt ausgehend auf weitere attraktive Städte ausgeweitet.

    Trend zu steigenden Mieten wegen Kaufzurückhaltung

    Auffallend ist, dass die Kaufzurückhaltung momentan zu einer höheren Nachfrage nach Mietwohnungen führt. Viele Wohnungssuchende mieten lieber statt zu kaufen. Deshalb sei mit einem Anstieg des Mietpreisniveaus zu rechnen. Vor allem auch, weil zu wenig gebaut wird. Wegen der schwächelnden Wohnungsproduktion bei gleichzeitig steigenden Einwohnerzahlen "könnten bestehende Engpässe noch weiter verschärft" werden, so der IVD Süd. Bauträger würden neue Projekte zur Zeit nur sehr vorsichtig angehen. Überzogene Kaufpreise für Grundstücke würden nicht akzeptiert. Gleichzeitig lassen sich auch viele Verkäufer Zeit und wollen oft noch keine niedrigeren Preise akzeptieren.

    Der Immobilienverband IVD rechnet zudem damit, dass weiterhin viele bereits genehmigte Vorhaben wegen höherer Finanzierungs- und Baukosten gestoppt oder aufgeschoben werden könnten.

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