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Alternatives Rechenmodell: Besitz gegen Rente
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Autoren

Reinhard Weber
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Alternatives Rechenmodell: Besitz gegen Rente

Für eine bessere Rente haben Gudrun und Lutz Neumeier vor vier Jahren ihr Reihenhaus an die gemeinnützige Stiftung Liebenau abgetreten. Das Sozialunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg bietet ein alternatives Rentenmodell für Immobilien, die sogenannte Zustifterrente. Das Modell geht so: Die Eigentümer bleiben in ihrer Immobilie, verkaufen sie aber an die Stiftung. Ein Teilbetrag fließt dann in die Zusatzrente.

Immobilien-Rente für mehr Lebensqualität

Das Haus der Neumeiers wurde mit 300.000 Euro bewertet. 120.000 Euro wurden für das lebenslange Wohnrecht abgezogen - außerdem 45.000 Euro als Risikoabschlag für Langlebigkeit, 17.000 Euro für Gebühren und Steuern. Übrig waren am Ende 118.000 Euro, die dem Ehepaar jetzt in einer Laufzeit von zwölf Jahren als monatliche Rente von 820 Euro ausgezahlt werden - ein Geschäft, auf das sich die Neumeiers auch deshalb einließen, weil sie dafür das Haus nicht aufgeben mussten:

"Wir wollen gerne im Haus bleiben, weil wir erstens einmal Platz haben, das ist ein wichtiger Punkt. Und zum anderen, weil wir so wahnsinnig viel Geld in das Haus gesteckt haben und uns wirklich so wohl fühlen, dass was anderes für uns eigentlich nicht denkbar wäre." Gudrun Neumeier, Rentnerin

Bewusst entschieden sich Gudrun und Lutz Neumeier, 80 und 77 Jahre, bei der Auszahlung für eine begrenzte Laufzeit. Eine Rente bis zum Tod wäre auch möglich gewesen, aber geringer ausgefallen. Jetzt genießen sie ihr höheres Monatsbudget, mit Restaurant- und Opernbesuchen, die mit ihrer normalen Rente nicht möglich gewesen wären. Für den Ernstfall sei im Haus auch genügend Platz für eine Pflegekraft. Erst dann, so sei es vertraglich geregelt, wenn mit einer längerfristigen Hausnutzung von zumindest einem Jahr nicht mehr zu rechnen wäre, habe die Stiftung Zugriff auf das Haus. Es kommt also auch auf die vertraglichen Details an.

Welche Rentner kommen in Frage?

Das Modell ist an bestimmte Kriterien gebunden, erklärt Christoph Sedlmeier, Fachmann für Zustifterrenten in der Stiftung Libenau: Die Senioren müssen über 65 Jahre alt sein, der Wert ihrer Immobilie sollte möglichst höher als 200.000 Euro ausfallen und sie sollte sich zudem in einer guten Lage befinden. Verbraucherschützer geben zu bedenken, dass es sich bei diesen und ähnlichen Formen der sogenannten Immobilien-Leibrente generell um eine Wette auf ein langes Leben handelt. Man sollte aufmerksam bei der Vertragsgestaltung sein und darauf achten, dass der neue Eigentümer eventuelle Renovierungsarbeiten übernimmt.

"Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Immobilienrente mit hohen Kosten verbunden ist, das muss sich auch rechnerisch tragen. Da kann es sein, dass in vielen Fällen doch der Verkauf der Immobilie die bessere Wahl ist." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Alternativ-Modell: Nießbrauchrecht plus Einmalzahlung

Ein anderes Modell hat der 81-jährige Friedrich W. gewählt. Vor zwei Jahren hat er seine Vierzimmerwohnung in Unterschleißheim bei München an den Anbieter "HausplusRente" abgetreten. Sie wurde mit 200.000 Euro Verkehrswert taxiert. Davon bekam der Kunstliebhaber auf einen Schlag eine Einmalzahlung über 130.000 Euro und von der Differenz ein lebenslanges sogenanntes Nießbrauchrecht. Heißt: Er kann die Wohnung nicht nur uneingeschränkt nutzen, sondern bleibt auch ihr wirtschaftlicher Eigentümer. So kann er sie auch, sollte er doch vorzeitig ausziehen wollen, weitervermieten und die Einnahmen daraus behalten.

Momentan möchte Friedrich W. aber in der Wohnung bleiben. Von der Einmalzahlung konnte er Restschulden auf die Wohnung tilgen. Die stellten für seine ansonsten schmale Rente, die er als ehemaliger Übersetzer bekommt, eine zu hohe Belastung dar.

"Ich bin sehr zufrieden. Es ist vor allem eine Erleichterung, ich kann mich finanziell besser bewegen. Und ich kann mich auch anderen Sachen widmen, zum Beispiel meiner Malerei - anstatt nur ständig das Konto zu beobachten oder mit Schulden zu kämpfen." Friedrich W., Rentner

Verbraucherschützer warnt vor "Maximalschaden"

Mit dem Nießbrauchrecht an erster Stelle im Grundbuch und der erledigten Einmalzahlung ist der Verkäufer vor Insolvenz geschützt - sollte der Aufkäufer einmal pleite gehen. Bei einem Immobilien-Rentenmodell mit bloßem Wohnrecht, wie zum Beispiel von der Deutschen Leibrenten AG, würden bei Insolvenz die monatlichen Zahlungen ausfallen. Davon ist zwar nicht pauschal bei Anbietern auszugehen, auf Schutz vor Insolvenz sollte man trotzdem immer achten.

"Wenn der Aufkäufer insolvent wird, dann kann er nicht mehr die Renten zahlen. Das heißt, einem selbst fällt die Rente aus und das Eigentum ist weg. Das ist der Maximalschaden. Um dem vorzubeugen, sollte man in jedem Fall vertraglich eine Rückübertragungsklausel vereinbart haben, dass man sein Eigentum in diesen Fällen auch wieder zurück bekommt." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Es kann Sinn machen, die eigenen vier Wände in Geld umzuwandeln und damit die Rente aufzubessern: In jedem Fall sollte man aber auf die Vertragsmodalitäten achten.