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Immer mehr Eigenbedarfskündigungen in Bayern | BR24

© Stephan Jansen/dpa-Bildfunk

Kündigung wegen Eigenbedarfs (Symbolbild)

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Immer mehr Eigenbedarfskündigungen in Bayern

Mietervereine stellen fest: Immer mehr Vermieter in Bayern kündigen aus Eigenbedarf, weil sie die Wohnung für sich selbst oder Familienangehörige benötigen. Der knappe Wohnraum in Großstädten stellt betroffene Mieter dabei vor große Probleme.

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Seit zwölf Jahren lebt Florian Falterer im Münchner Stadtteil Giesing, betreibt hier eine Bar und ein Café. Hier ist er verwurzelt. Doch im Mai letzten Jahres kündigt ihm sein Vermieter wegen Eigenbedarfs - er möchte selbst einziehen.

Wie Florian Falterer geht es mittlerweile immer mehr Mietern in Bayerns Großstädten. Die Mietervereine in München, Augsburg, Würzburg und Regensburg berichten von einer steigenden Tendenz der Beratungsfälle wegen Eigenbedarfskündigungen.

Alleine in München hat sich laut Mieterverein die Zahl der Beratungen wegen Eigenbedarfskündigungen im vergangenen Jahr fast verdoppelt – auf 880 Fälle. Die stellvertretende Geschäftsführerin Angela Lutz-Plank geht davon aus, dass die Anzahl dieser Beratungen im laufenden Jahr weiter steigt.

Falterer kämpft gegen seine Kündigung

In Florian Falterers Wohnhaus wurde nach einem Eigentümerwechsel den Mietern dreier Wohnungen gekündigt. Die anderen beiden Mietparteien sind bereits ausgezogen. Darunter auch die Familie seines Freundes und Geschäftspartners Timothy Hanghofer. Die beiden erzählen von einer "bilderbuchartigen Hausgemeinschaft":

"Die Türen im Haus standen immer offen, die Kinder sind wie Geschwister aufgewachsen." Florian Falterer, Mieter

Im Wohnhaus in der Watzmannstraße wurden regelmäßig gemeinsame Abendessen veranstaltet und sogar Geschäftsideen geboren. Zum Beispiel für das Café Crönlein – ein umgebautes, ehemaliges Pissoir am Nockherberg. Obwohl dieses Idyll mittlerweile schon Geschichte ist, möchte Florian Falterer noch nicht aufgeben und rechtlich gegen den Vermieter vorgehen.

Auch die Münchnerin Sabine hat gegen die Eigenbedarfskündigung ihres Vermieters Widerspruch eingelegt. Der Grund: Sie bezweifelt, dass tatsächlich dessen Tochter dort einziehen soll.

Eigenbedarf nur vorgetäuscht?

Stattdessen vermutet die gelernte Hauswirtschaftlerin, der Eigenbedarf sei nur vorgetäuscht, ein Vorwand, um die Mieter des Hauses auf einfachem Weg aus dem Haus zu bekommen, damit der Vermieter die Wohnungen stattdessen gewinnbringender an Monteure vermieten könne.

Bei anderen Mietobjekten des Vermieters habe sie Inserate im Internet gefunden, die sich gezielt an Monteure richten. Sabines Lage ist prekär, sie kann sich keine teure Wohnung leisten.

"Ich habe auch sehr große Angst, weil ich nicht weiß, was passiert. Ich weiß nicht, wo ich hin soll. Ich habe Angst, auf der Straße zu sitzen." Sabine, Mieterin

Mehr "soziale Verantwortung" der Vermieter gewünscht

Nicht nur der Mieterverein, auch der Haus- und Grundbesitzerverein München bestätigt eine Zunahme der Fälle von Eigenbedarfskündigungen. Der Vorsitzende Rudolf Stürzer erklärt sich dies jedoch durch die angespannte Situation des Mietmarktes:

"Auch die Angehörigen unserer Mitglieder, der Hauseigentümer, die Kinder, die Enkel, die Neffen und Nichten, tun sich seit geraumer Zeit immer schwerer, hier in München eine Wohnung zu finden und klopfen dann eben immer häufiger beim Papa, beim Opa oder beim Onkel an und bitten diesen, ja doch eine Wohnung freizumachen." Rudolf Stürzer, Haus- und Grundbesitzerverein

Florian Falterer und Timothy Hanghofer suchen sich regelmäßig Hilfe beim Münchner Mieterstammtisch - eine Plattform, in der sich Mieter gegenseitig beraten und unterstützen. Ihre Forderung: Vermieter sollten mehr "soziale Verantwortung" übernehmen – insbesondere, wenn es sich um Familien handelt. Wohnraum dürfe nicht zum Spekulationsobjekt werden.

So leicht will Florian Falterer deshalb nicht aufgeben:

"Wenn meine neuen Herrschaften im Haus gerne hätten, dass ich ausziehe, dann sollen sie mir was suchen: zu vergleichbaren Bedingungen, im gleichen Viertel. Dann ziehe ich natürlich sehr gerne aus. Aber sonst ist es keine Option.“ Florian Falterer, Mieter