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Imker trotzt Corona: Onlinehandel sichert Arbeitsplätze | BR24

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Eigentlich wäre Imker Rainer Krüger aus dem Westallgäu jetzt auf der Grünen Woche in Berlin. Was macht ein Großimker im Winter, wenn die Bienen keinen Honig produzieren und corona-bedingt keine Messen und Märkte stattfinden?

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Imker trotzt Corona: Onlinehandel sichert Arbeitsplätze

Die Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche" findet nicht wie sonst statt. Auch andere Messen und Märkte fallen wegen Corona aus. Ein Großimker aus dem Allgäu hat dennoch viel zu tun – und auch seine Umsätze während Pandemie und Lockdown stabilisiert.

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Von
  • Katharina Reichart
  • Kilian Geiser

Eigentlich wäre Imker Rainer Krüger aus dem Westallgäu jetzt mit einem Verkaufstand auf der Grünen Woche in Berlin, doch die findet dieses Jahr fast nur virtuell statt. Auch sonst finden wegen Corona keine Messen und Kramermärkte statt. Krüger hat dennoch viel zu tun. Um seinen Honig weiter absetzen zu können, hat er in den Online-Handel investiert. 600 Bienenstöcke hat er im Allgäu, nochmal so viele auf Sardinien. Auch im Winter gilt es, sich um diese zu kümmern.

Tauwetter bringt Bienen in Gefahr

Der Imkermeister erwartet in den nächsten Tagen Temperaturen von zehn Grad und mehr. Seine Bienenvölker im Allgäu können dann einen sogenannten Reinigungsflug machen. "Das ist sehr wichtig, dass die abkoten können. Die konnten jetzt schon mehrere Monate nicht auf Toilette, meine Bienen", erklärt Krüger. Vorher muss der meterhohe Schnee um die Bienenstöcke entfernt werden: erst mit Traktor und Schneefräse und dann der Rest von Hand. Die Bienen drohen sonst bei Tauwetter zu ersticken, weil die Lufthöhle unter dem Schnee zusammenbricht und das Flugloch verstopft.

Bienenfan und Manager reist regelmäßig nach Sardinien

"Ich bin 62 Jahre alt", sagt Krüger "und Bienen sind harte Arbeit". Er lasse es sich nicht nehmen direkt mit seinen Tieren zu arbeiten – müsse aber gleichzeitig Unternehmer und Manager sein: "Mein alter Meister hat zu mir gesagt, du kannst die besten Sachen produzieren, wenn du nicht in der Lage bist, sie zu verkaufen, nützt dir deine ganze Arbeit nix." Zwei Wochen im Monat verbringt Kürger trotz Corona auf Sardinien. Dort könne er wie im Allgäu in pestizidfreier Umgebung produzieren, sagt Krüger, auf Sardienen gebe es aber einen großen Vorteil. Dort habe er zehn Monate Erntezeit im Jahr, in Deutschland nur vier.

15.000 Kunden bestellen Honig und andere Waren Online

Seine Produkte vermarktet Krüger normalerweise direkt, zum Beispiel in einem eigenen Honighaus. Doch Honig, Blütenpollen und andere Waren zu verkaufen ist mit Corona zur Herausforderung geworden. Seine Investition in den Online-Handel bezeichnet er als Rettung und elementare Sache. "Wir haben über 15.000 Kunden, die bei uns regelmäßig bestellen." Durch ausgefallene Märkte, Messen und Weihnachtsmärkte fehlten 70 Prozent des Umsatzes, sagt Krüger. Mit dem Versandhandel habe er aber einen Großteil kompensieren können.

Vorbereitungen aufs Frühjahr in vollem Gange

Seine Verkäuferinnen hat Krüger in Kurzarbeit geschickt. Alle anderen Beschäftigten haben genügend zu tun: Die Imker zum Beispiel arbeiten in der Werkstatt. Sie reparieren alte Rähmchen und Kästen und bauen neue. Wenn es im Frühjahr wieder losgeht, soll für die Bienen alles vorbereitet sein.

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