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Es sind Schritte aus einem tiefen Tal. Aus der unterfränkischen Wirtschaft kommen nach dem Corona-Schock vom Frühjahr wieder positivere Signale. Aber die aktuellen Konjunkturanalysen der Industrie- und Handelskammer zeigen auch: Der Weg ist lang.

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IHK-Umfrage: Wirtschaft erholt sich langsam vom Corona-Schock

Es sind Schritte aus einem tiefen Tal. Aus der unterfränkischen Wirtschaft kommen nach dem Corona-Schock vom Frühjahr wieder positivere Signale. Aber die aktuellen Konjunkturanalysen der Industrie- und Handelskammer zeigen auch: Der Weg ist lang.

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Nach dem Corona-bedingten Konjunkturabsturz im Frühjahr sind in Unterfranken erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung spürbar. Das ergeben die aktuellen Herbst-Konjunkturanalysen der IHK Aschaffenburg und der IHK Würzburg-Schweinfurt. Es gehe "mit kleinen Schritten aus einem tiefen Tal", heißt es etwa von der IHK Aschaffenburg, die rund 29.000 Betriebe am Bayerischen Untermain vertritt. Und die IHK Würzburg-Schweinfurt teilt mit, dass der "Corona-Schock" des Frühjahrs "tendenziell abzunehmen" scheine. Dennoch sei bei den Unternehmen nach wie vor große Unsicherheit spürbar, wie es weitergeht.

Wirtschaft in Unterfranken: Die Stimmungslage hellt sich auf

Die Analyse beruht auf den IHK-Konjunkturbefragungen, die im vergangenen September durchgeführt wurden. An der Umfrage der IHK Aschaffenburg haben sich 339 Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftszweige und Größenordnungen beteiligt. Bei der IHK Würzburg-Schweinfurt waren es rund 300 Unternehmen.

Ein Indikator für die leichte Besserung ist der IHK-Konjunkturklimaindex, der Lagebeurteilungen und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst. So steigt bei der IHK Würzburg-Schweinfurt der aktuelle Index im Vergleich zur Frühjahrsbefragung um 18 Punkte auf insgesamt 102 Zähler. Am Untermain klettert der Index von zuletzt 83,7 Punkten auf nunmehr 103,9 Punkte. Damit liegen beide Werte knapp über der 100-Punkte-Marke, die für ein Gleichgewicht von optimistischen und pessimistischen Einschätzungen steht.

Folgen des Lockdowns immer noch spürbar

Gut jedes zweite Unternehmen im Bereich der IHK Würzburg-Schweinfurt bezeichnet seine aktuelle Lage als "befriedigend", 31 Prozent berichten von guten, 23 Prozent dagegen von schlechten Geschäften. "Die Geschäfte laufen aktuell wieder besser als im Frühjahr", sagt Elena Fürst, die IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik. Das sei jedoch kein Grund für Entwarnung: "Die mainfränkischen Unternehmen spüren die Folgen des Lockdowns, der vielfältigen Corona-Beschränkungen sowie der Unterbrechungen in den globalen Lieferketten und Absatzwegen nach wie vor sehr stark", so Fürst.

Boom in der Baubranche, Einbruch im Tourismus

Von Branche zu Branche beurteilen die Unternehmen ihre Situation unterschiedlich. Die IHK Aschaffenburg zum Beispiel berichtet von einem Stimmungshoch im Baugewerbe. Einen spürbaren Aufschwung gab es offenbar auch im Dienstleistungssektor und im Handel. In beiden Konjunkturumfragen bewerten Industrie- und Tourismusbetriebe ihre derzeitige Situation immer noch deutlich schlechter als die übrigen Branchen.

Trotz einer verbesserten Gesamtlage befürchten viele Betriebe, dass die Umsätze der regionalen Wirtschaft im Jahr 2020 deutlich hinter den Umsätzen des Vorjahres zurückbleiben werden. Zwar rechnet laut IHK Würzburg-Schweinfurt jedes zweite Unternehmen damit, dass das Vor-Corona-Niveau spätestens bis Ende 2021 erreicht werden könne. Gleichzeitig sieht aber ein Viertel der Unternehmen diesen Punkt noch in weiter Ferne – wenn sie ihn denn überhaupt erwarten.

Gefahr eines erneuten Lockdowns sorgt für Unsicherheit

Der Weg zurück zur wirtschaftlichen Normalität sei lang und von hoher Unsicherheit geprägt, so Elena Fürst von der IHK. Und immer noch gebe es viele Unsicherheitsfaktoren. Zum Beispiel die Frage, wie lange es im Alltag noch Einschränkungen geben und wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Auch die Gefahr eines erneuten Lockdowns lasse viele Unternehmer mit Verunsicherung und Skepsis auf die kommende Monate schauen.

Dies zeige sich auch bei den Investitionsplänen der regionalen Unternehmen: "Die Betriebe wägen hier nach wie vor ab und fahren auf Sicht", so Fürst. Mit 36 Prozent wolle rund ein Drittel der Befragten im Bereich der IHK Würzburg-Schweinfurt in den kommenden Monaten weniger oder gar nicht investieren, lediglich ein Sechstel plane höhere Ausgaben. Dabei soll ein Großteil in Ersatzbeschaffung oder Rationalisierungen fließen.

Kurzarbeit leicht rückläufig

Auch die Personalplanungen sind von Zurückhaltung geprägt, wenn auch nicht mehr so stark wie im Frühjahr. Zwei von zehn Betrieben im Bereich der IHK Würzburg-Schweinfurt planen Stellenstreichungen. Andererseits möchten aber auch sieben von zehn Unternehmen ihre Arbeitskräfte halten. Dabei greifen viele Unternehmen nach wie vor auf das Instrument der Kurzarbeit zurück, wenn auch mit rückläufiger Tendenz.

Ganz ähnlich die Analyse der IHK Aschaffenburg: Hier befürchten 18 Prozent der Betriebe, dass Stellen abgebaut werden müssen. 69 Prozent wollen ihre Belegschaft halten.

Corona: IHK fordert "gut ausbalancierte" Maßnahmen

Angesichts der aktuellen Stimmungslage fordert der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, Sascha Genders, die Unternehmen nicht weiter zu belasten. Die Politik müsse "verlässliche Rahmenbedingungen" schaffen. Nötig seien "gut ausbalancierte Anti-Corona-Maßnahmen" und Spielräume für Investitionen.

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