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IG Metall Nürnberg: Damals, heute und Zukunfts-Herausforderungen | BR24

© Patrick Seeger, dpa-Bildfunk

Die IG Metall Nürnberg im Laufe der Zeit

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    IG Metall Nürnberg: Damals, heute und Zukunfts-Herausforderungen

    Seit Sonntag hält die IG Metall in Nürnberg ihren Bundeskongress ab. Dabei geht es um die anstehenden Herausforderungen der Zukunft - nicht die ersten Probleme, die die Gewerkschaft zu meistern hat.

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    Noch heute ist ihm anzumerken, dass er ein echter Gewerkschafter ist. 1946 begann Horst Klaus seine Lehre zum Maschinenschlosser und wurde damit erst ehrenamtliches Mitglied der IG Metall, 1956 schließlich fest angestellt.

    "Heute ist es viel zivilisierter"

    In der Zeit des Wirtschaftswunders war er gerade Betriebsrat bei Triumph und damals gab es trotz des großen Aufschwungs in der Wirtschaft Grund zu Streiken: Der große Metalleraufstand forderte 1954 mehr Lohn für die Arbeiter. Und dafür streikten die Beteiligten dreieinhalb Wochen. "Das war eine wilde Zeit, wilder als es heute ist", erzählt Klaus. "Heute ist es viel zivilisierter."

    Die ganze Atmosphäre war damals anders, sagt Klaus. So hat sich zum Beispiel das Verhältnis der Betriebsräte zu den Arbeitgebern verändert. Während damals die Betriebsräte so wenig Macht wie möglich zugesprochen bekommen haben, legt man heute auf das Mitspracherecht von Arbeitnehmerseite großen Wert.

    Industrieriesen mussten umdenken

    Die ganze Fürther Straße, erinnert sich Klaus, war voller großer Betriebe: Triumph Adler, AEG, Grundig, Zündapp, Hercules, Mars und mehr. Heute gibt es diese entweder gar nicht mehr oder nicht in dieser Form. Der Wandel der Zeit zwang die großen Industrieriesen zum Umdenken.

    In dieser Zeit - den 80er- und 90er-Jahren – brachen tausende Arbeitsplätze weg. Um die Betroffenen nicht im Regen stehen zu lassen, sorgte die IG Metall Nürnberg für Fortbildungen und versuchte die Arbeiter weiterzuvermitteln.

    IG Metall kämpfte für 35-Stunden-Woche

    Das wohl größte Thema der IG Metall während der Amtszeit von Horst Klaus: die 35-Stunden-Woche. 1984 wurde im großen Stil gestreikt. Auch wenn in Nürnberg nicht wie in anderen deutsche Städten mehr als sieben Wochen die Arbeit niedergelegt wurde – betroffen war die IG Metall in ganz Deutschland.

    "Ich habe zum Beispiel die alte Uhr der Metaller, da steht hinten 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit, 8 Stunden Schlaf und das war die Forderung nach dem 8 Stunden Tag und wir haben dann die Wochenarbeitszeit von 35 Stunden erreicht", so Klaus.

    Lohn ist heute nicht mehr wichtigster Aspekt

    Heute ist Andreas Weidemann Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg. Er hat erlebt, wie es wieder aufwärts ging mit der Nürnberger Wirtschaft. Wie zum Beispiel Continental in den 2000ern in der Stadt ein Werk mit 3.000 Beschäftigten baute und wie sich die Arbeit in den Betrieben selbst veränderte. Viele Arbeitsabläufe wurden automatisiert. Arbeiter hatten plötzlich nur noch Kontroll- oder Bestückungsfunktionen.

    Während früher der Lohn im Vordergrund stand, sind die Themen heute flexiblere Arbeitszeiten, der Wunsch nach mehr Freizeit, mehr Zeit mit der Familie oder Homeoffice.

    Größte Herausforderung steht noch bevor

    Den Wandel in der Zeit hat die IG Metall schon vor große Aufgaben gestellt. Die wohl größte steht aber unmittelbar bevor: der Wandel in der Mobilität – weniger Verbrennungsmotoren, mehr elektrische Fahrzeuge, Entwicklungen im Bereich Wasserstoffantrieb – und die Digitalisierung in Büro und Werkstätten. "Die Frage ist: Wie können wir das gestalten, dass es eben nicht zu Massenarbeitslosigkeit kommt, sondern, dass wir die Unternehmen und Arbeitsplätze erhalten können?", sagt Weidemann.

    Der Plan: Unternehmen müssen umdenken und neue Produkte entwickeln, die Arbeiter brauchen Qualifikation für die neuen Herausforderungen und die Schulungen selbst müssen an die Zukunft und die Bedürfnisse der Betriebe angepasst werden.

    Ein weiterer großer Umschwung steht der IG Metall Nürnberg also bevor, das ist Andreas Weidemann klar. Doch ob die Pläne aufgehen und ausreichen, ist noch ungewiss.