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IG Metall gibt sich kämpferisch | BR24

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IG Metall Fahne bei Warnstreiks

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    IG Metall gibt sich kämpferisch

    483 Delegierte, fast 800 Anträge, sechs Plenartage: In Nürnberg findet derzeit der Gewerkschaftstag der IG Metall statt: Es sollen Antworten gefunden werden auf Fragen der Zukunft, ein neuer Vorstand wird gewählt und es wird Bilanz gezogen.

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    In den kommenden Tagen will sich die IG Metall vor allem damit auseinandersetzen, wie in einer sich dramatisch verändernden Arbeitswelt durch Energie- und Mobilitätswende die Arbeitsplätze gesichert werden können.

    "Die Transformation liegt nicht vor uns, die hat bereits begonnen." Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister

    Es werde Bereiche geben, in denen menschliche Arbeit etwa durch die Digitalisierung ersetzt werde. Es gebe aber auch Bereiche, wo die Nachfrage nach menschlicher Arbeit sogar wachse - etwa in der Pflege. "Nur 20 Prozent der Altenpflegerinnen und Altenpfleger sind tarifgebunden" , sagte Heil vor den Delegierten in Nürnberg. Es sei eine "Frage der Vernunft", dies zu ändern.

    Gewerkschaft kämpft gegen Strukturwandel

    Die Kernbranchen der IG Metall wie Fahrzeug- und Maschinenbau stecken laut IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mitten in gewaltigen Umbrüchen, getrieben von der Digitalisierung und der Umstellung auf klimafreundlichere Antriebe. Den Staat sieht er in einer besonderen Verantwortung, dass es dabei gerecht zugeht. Auch die Stahlindustrie oder der Energieanlagenbau sind in der Krise. Ziel der Gewerkschaft sei es, möglichst viele Jobs in Deutschland zu halten und neue Arbeitsplätze dort anzusiedeln, wo alte wegfallen. Zur Mobilitäts- und Energiewende will die Gewerkschaft ein Aktionsprogramm beschließen.

    Umweltschutz und Industrie kein Widerspruch

    Doch zunächst zieht die Gewerkschaft erst einmal Bilanz, will aufzeigen, was sie in den letzten vier Jahren geleistet hat. Der Vorstand der IG Metall trat dazu heute Vormittag vor die Delegierten. Jörg Hofmann, erster Vorsitzender und zuständig für die Tarifpolitik, lobte die erzielten Abschlüsse in allen Branchen. Dass man für die Metaller im Osten bisher nicht die 35 Stunden Woche wie im Westen durchsetzen konnte, "ja, das sei ein Makel". Aber die Gewerkschaft kämpfe weiter darum. Den Klimapakt der Bundesregierung will auch die IG Metall nachbessern. Umweltschutz und Industrie – das ist für Hofmann kein Widerspruch. Allerdings müsse der Staat auch etwas dafür tun, dass den von der Energie- und Mobilitätswende Betroffenen ausreichend Perspektiven geboten werden. Sprich: die Regierung sollte mehr Geld in die Hand nehmen zum Beispiel für Qualifikation oder die Forschung und Entwicklung im Bereich Mobilität.

    "Es kann doch nicht sein, dass die Banken mit Milliarden gestützt wurden und jetzt die Industriearbeitsplätze vernichtet werden, weil dieser Wandel nicht geschultert werden kann durch diese Industrie, wenn sie allein gelassen wird und schon am Thema Bankenfinanzierung oft scheitert. Hier ist staatliches Handeln gefordert, damit Schutz von Arbeit auch zum Primat von Politik wird.“ Jörg Hofmann, IG-Metall-Vorsitzender

    Widerstand gegen Arbeitsplatzverlagerung

    Und auch für die Unternehmen hatte Hofmann eine Botschaft parat: wer jetzt Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagere und das mit dem Strukturwandel verknüpfe, der müsse sich auf Widerstand der Gewerkschaft gefasst machen. Die Streikkassen der IG Metall, so die Bilanz des Hauptkassierers Jürgen Kerner, seien dafür gut gefüllt.

    Warnung vor Kostenentwicklung

    Die Arbeitgeber warnten die IG Metall davor, mit überbetrieblichen Qualifizierungsansprüchen zusätzliche Kosten zu verursachen. Die tariflichen Regelungen zum Thema stammten größtenteils aus dem Jahr 2015 und seien umfassend genug. Sie müssten nur konsequent genutzt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie, Bertram Brossardt. Die künftigen Tarifforderungen müssten sich klar am Produktivitätsfortschritt orientieren und die "fatale Kostenentwicklung" der vergangenen Jahre stoppen.

    Am Donnerstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Nürnberg erwartet.