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IG Metall erwartet von Regierung milliardenschwere Investitionen | BR24

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Jörg Hofmann, IG Metall: "Gewerkschaft als Gegenmacht gegen das blinde Wirken der Marktgesetze"

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IG Metall erwartet von Regierung milliardenschwere Investitionen

Die Metall-Gewerkschaft stellt sich für die Zukunft auf. In seiner Grundsatzrede forderte der Vorsitzende klare Vorgaben der Politik. Schwerpunkte sind der Handelsstreit zwischen den USA und China, Klimawandel und Digitalisierung.

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Sein schlechtes Wiederwahlergebnis vom Vortag war IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zu Beginn des Sitzungstages noch eine Anmerkung wert. "Das hat mich schon getroffen", sagte er und sprach von einem Denkzettel. Hofmann war bei seiner Wiederwahl beim Bundeskongress der IG Metall in Nürnberg von 91 auf 71 Prozent abgestürzt. Dabei habe es in seiner bisherigen Amtszeit doch viele Erfolge gegeben: Eine Beschäftigtenumfrage etwa, aus der die Themen auch aufgegriffen worden seien, und nicht zuletzt eine "klasse Tarifrunde".

Den knapp 500 Delegierten sagte der IG-Metall-Chef zu, Kritik und Fragen gemeinsam zu besprechen. Die spendeten Hofmann dafür stehend Applaus und setzen darauf, dass er Wort hält.

Zukunftsreferat zu Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel

Weiter ging es dann mit der geplanten Tagesordnung. Hofmann hielt sein Zukunftsreferat. Das stand ganz im Zeichen der Herausforderungen durch Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel. Eine Verteidigungsrede für das Zukunftsmanifest der IG Metall, das am Ende einstimmig angenommen wurde. Hofmann warnte vor einer Wiederbelebung des Klassenkampfes, die von der Politik Chinas und des US-Präsidenten Donald Trump ausgelöst werden könne. Dagegen brauche es eine entschlossene Politik der EU.

"Wir wollen ein soziales und ökologisches Europa und einen eigenständigen europäischen Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir müssen den europäischen Binnenmarkt strategisch ins Zentrum rücken, damit wir nicht zwischen chinesischem Staatskapitalismus und amerikanischen Deals zerrieben werden." Jörg Hofmann, IG Metall

Es brauche eine Politisierung der IG Metall, meint Hofmann. Denn die anstehende, vielschichtige Umbruchphase erfordere es, die Regierenden zum Handeln zu bewegen.

Milliardenschwere Investitionen erwartet

Von der Bundesregierung erwarte die IG Metall neben milliardenschweren Investitionen auch eine Politik, die auf soziale Gerechtigkeit achtet statt strikt auf eine schwarze Null im Bundeshaushalt.

"Wir haben mit Milliarden öffentlicher Mittel den Finanzsektor vor Pleiten gerettet. Jetzt geht es um Menschen und Arbeitsplätze und eine zukunftsfähige Industrie. Hier ist staatliches Handeln mehr als geboten, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn man eine starke Industrie auch in Zukunft will." Jörg Hofmann, IG Metall

Bei der Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeit sieht Hofmann die Gefahr, dass zwischen einfachen Tätigkeiten und höherqualifizierten Jobs polarisiert wird. Daher müsse die Entlohnung guter Arbeit im Zentrum stehen und nicht die Dividende. Arbeitnehmern, die Fabriken oder auch Entwicklungsabteilungen in Billiglohnländer verlagern wollen, machte Hofmann eine Kampfansage.

Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzabkommen

Besorgt zeigte sich der IG Metall-Chef über die Auswirkungen des Klimawandels. Er bekannte sich ausdrücklich zum Pariser Klimaschutzabkommen, wonach bis 2050 die Treibhausgase auf null gesenkt werden sollen. Zugleich wandte sich Hofmann gegen eine Spaltung der Gesellschaft im Streit um angemessene Klimaschutzmaßnahmen. Von den IG Metall-Delegierten kam viel Zustimmung.