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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Carsten Rehder

Die Corona-Hilfen sollten anders berechnet werden, das fordert der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr.

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IfW-Präsident Felbermayr: Corona-Hilfen sind ungerecht

Der Wille ist da, aber der Weg ist der falsche: Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, fordert im BR-Interview, die Corona-Hilfen sollten anders berechnet werden.

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Von
  • Christine Bergmann

Die Corona-Krise macht vielen Unternehmen sehr zu schaffen, vor allem natürlich in den Branchen, die jetzt im Lockdown ihre Geschäfte schließen müssen. Viele Betriebe beklagen, dass die staatlichen Hilfen zu langsam fließen, oft nicht ankommen. Das könnte zu einem schwerwiegenden Problem werden, wenn die Einschränkungen aufgehoben werden, warnt der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Gabriel Felbermayr, im Interview der Woche auf B5 aktuell. Es werde zwar viel Geld bereitgestellt, aber nicht richtig eingesetzt.

Eigenkapital wird diskriminiert

Die "Rettungsarchitektur", wie sie der IfW-Präsident nennt, ist seiner Ansicht nach ungerecht. Denn die Maßnahmen orientierten sich am Umsatz oder an den Fixkosten und berücksichtigten nicht das Eigenkapital. Er verdeutlicht es an einem Beispiel: Ein Friseur, der seine Gewinne dafür verwendet hat, sein Ladenlokal zu kaufen, hat Eigenkapital gebildet. Aber seine Fixkosten sind niedriger, da er keine Miete zahlt. Sein Konkurrent, der seinen Gewinn allein zum Leben verbraucht hat und den Laden mietet, bekommt höhere Zuschüsse vom Staat.

Damit, so Felbermayr, werde Eigenkapital diskriminiert, und das sei der falsche Weg. Denn Eigenkapital mache Unternehmen widerstandsfähiger, es erlaube "ins Risiko zu gehen" und zu investieren.

Unternehmerlohn berücksichtigen

Deshalb schlägt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel vor, die Hilfen nicht an Umsatz oder Fixkosten zu koppeln, sondern an den Betriebsüberschuss. Denn da seien nicht nur Fixkosten, sondern auch der Unternehmerlohn berücksichtigt. Der werde derzeit nicht ersetzt, weshalb viele Unternehmer ihr Eigenkapital aufzehrten. Das beeinträchtige die Chancen, nach dem Wegfall der Restriktionen wieder durchzustarten.

Strukturwandel begleiten

Neben den akuten Hilfsprogrammen mahnt IfW-Präsident Felbermayr aber auch politische Unterstützung für den Strukturwandel an, der auch nach der Coronakrise weitergehen werde. Er geht davon aus, dass es vor allem im Einzelhandel und in der Verkehrswirtschaft auch langfristige Veränderungen geben wird.

Der Trend zum Onlinehandel oder der Verzicht auf Geschäftsreisen würden bleiben. Hier müsse die Politik vor allem dafür sorgen, dass die Menschen, die in den schrumpfenden Branchen arbeiten, so weitergebildet werden, dass sie anderswo eingesetzt werden können. Dazu brauche es "ganz dringend glaubwürdige und zielgerichtete Bildungsangebote".

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