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Ifo-Präsident: Wie wir unsere Wirtschaft vor Corona retten

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Ifo-Präsident Fuest: Wie wir unsere Wirtschaft vor Corona retten

Wegen der Corona-Beschränkungen spricht der Präsident des Münchner ifo Instituts, Clemens Fuest, von einer 90-Prozent-Ökonomie. Im Interview der Woche von B5 aktuell erklärt er, wie seiner Meinung nach der Weg aus der Coronakrise führt.

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Der Leiter des ifo Instituts, Clemens Fuest, stimmt uns darauf ein, dass wir noch lange mit Corona und den Folgen werden leben müssen. In seinem neuen Buch: "Wie wir unsere Wirtschaft retten: Der Weg aus der Corona-Krise" fordert er, regionale Corona-Ausbrüche entschlossen einzudämmen, anstatt die Wirtschaft flächendeckend zu schließen. Er nennt das eine 90-Prozent-Ökonomie.

Staatliche Hilfen müssen weitergehen

Im "B5-Interview der Woche" sagte Fuest, dass die Hilfsprogramme der Bundesregierung noch längere Zeit weitergehen müssen, die Unternehmen würden Hilfskredite oder sogar Eigenkapitalhilfen noch brauchen. Auch Überbrückungshilfen für manche Selbständige, die noch nicht zur Arbeit zurückkehren können, müssten weitergehen, um die Auswirkungen von Corona abzufedern.

Konjunkturprogramme nicht alle zielgenau genug

Mit den Konjukturprogrammen der Bundesregierung ist der ifo-Chef im Großen und Ganzen zufrieden. Allerdings hält er wenig von der Senkung der Umsatzsteuer, das sei zu breit gestreut und koste zuviel Geld - allein in den nächsten sechs Monaten 20 Milliarden Euro. Die Wirkung sei jedoch überschaubar.

Andere Maßnahmen sind viel günstiger und würden bei den Unternehmen ankommen, die die Erleichterungen auch brauchen.

Nach Corona auf Wachstum setzen

Viele Unternehmen haben durch Corona Eigenkapital verloren oder gar Schulden machen müssen. Das werde nach Corona Investitionen hemmen, was wiederum das Wachstum beeinträchtige, so Fuest. Auch Bund, Länder und Kommunen werden seiner Vermutung nach zusätzlich verschuldet sein und ihre Leistungen vielleicht nicht aufrechterhalten, was ebenfalls das Wirtschaftswachstum reduziere. Fuest folgert, dass man Beschäftigung und Wachstum in anderen Bereichen stärker als bisher in den Vordergrund stellen müsse.

Staat muss Beschäftigungshemmnisse beseitigen

Dafür sei es wichtig, Beschäftigungshindernisse vor allem im unteren Einkommensbereich zu beseitigen. Fatal sei beispielsweise, dass ein Geringverdiener, wenn er mit seinem Verdienst nur einen Euro über dem Hartz-IV-Satz liegt, brutto weniger im Geldbeutel habe als der Hartz-IV-Empfänger. Das müsse beseitigt werden.

Außerdem sei die Unternehmensbesteuerung "teilweise feindlich" und höher als im Ausland. Diese Beschäftigungshemmnisse zu beseitigen, koste wenig Geld, das auch wieder hereinkomme, wenn dadurch mehr gearbeitet werde, so Fuest.

Durch Wachstum aus den Schulden, nicht durch Inflation

Der Königsweg in der Krise sei es, "aus den Schulden herauszuwachsen, ohne sie zwingend zu tilgen". Sparen sei dafür der falsche Weg. Keinesfalls dürfe der Staat auf eine Inflation setzen, um so seine Schulden loszuwerden: Denn die Anleger der Staatsanleihen merken sich das, so Fuest, weshalb es beim nächsten Mal teurer werde, weil man den Anlegern dann einen Risikozuschlag zahlen müsse. Das habe unter Umständen massive Auswirkungen, weil die Zinsen ansteigen und die Finanzmärkte kollabieren könnten.

Sozialstaat wichtig, aber Prioritäten setzen

Dass Deutschland einen starken Sozialstaat brauche, hat man laut Fuest in der Coronakrise gelernt. Der Sozialstaat sei eine Versicherung für die Menschen. Allerdings müsse man sich überlegen, welche Teile des Sozialstaats man sich leisten kann, und Prioritäten setzen - allein schon, weil die Sozialausgaben durch den demografischen Wandel steigen werden.

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