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Ifo-Geschäftsklima: Rezession wohl milder als erwartet

Ifo-Geschäftsklima: Rezession wohl milder als erwartet

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich zuletzt wieder etwas aufgehellt. Das zeigt der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als wichtigstes deutsches Konjunkturbarometer gilt. Demnach könnte sich die Konjunktur nicht so schlecht entwickeln wie befürchtet.

Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Firmen in Deutschland zeigen sich zuversichtlicher als noch im Oktober und das quer durch alle Branchen – von der Industrie, über Dienstleister bis hin zum Handel und Bau. Allerdings die aktuelle Geschäftslage schätzen doch einige Betriebe derzeit schlechter ein.

Ifo-Geschäftsklima steigt stärker als erwartet

Der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wohl wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, ist im November überraschend deutlich gestiegen von 84,5 Punkten im Oktober auf jetzt 86,3. Analysten hatten im Schnitt nur einen kleinen Anstieg auf 85,0 Punkte prognostiziert. Außerdem hat das Ifo-Institut den Index für Oktober um 0,2 Punkte nach oben revidiert. Das bedeutet: Es ist nun der zweite Anstieg in Folge.

Volle Gasspeicher und staatliche Hilfen heben Stimmung

Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest haben die gestiegenen Geschäftserwartungen mehrere Gründe. So seien die Gasspeicher voll und es zeichne sich ab, dass Deutschland damit wohl ohne Gasmangel durch den Winter kommen wird. Zum anderen sei nun einigermaßen klar, wie die Bundesregierung der Bevölkerung und auch den Betrieben wegen der gestiegenen Preise unter die Arme greifen wird. Darüber hinaus melden knapp 60 Prozent der Unternehmen, dass sie unter Lieferengpässen leiden – und damit weniger als vor einem Monat. Und auch der Preisdruck hat demnach etwas nachgelassen.

Einzelhandel erwartet passables Weihnachtsgeschäft

War der Einzelhandel zuletzt das große Sorgenkind, hat sich die Einschätzung in der Branche nun deutlich gebessert. Die Ladenbesitzer spüren, dass die deutschen Verbraucher doch konsumfreudiger sind, als die drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten hätten erwarten lassen. So gehen die Händler davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft einigermaßen passabel ausfallen wird, so Fuest.

Industrie ist weniger pessimistisch

Auch von der Industrie geht ein Hoffnungssignal aus. Obwohl die Branche erneut weniger Aufträge verzeichnet und die Geschäfte derzeit schleppend laufen, ist das verarbeitende Gewerbe deutlich weniger pessimistisch beim Blick auf die kommenden Monate. Es gibt allerdings eine Ausnahme: energieintensive Betriebe. Bei ihnen hat sich die Stimmung dem Ifo-Geschäftsklimaindex zufolge weiter eingetrübt.

Dienstleister: Gastronomie weiter im Aufwind

Bei den Dienstleistern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Sie sind unzufriedener mit den laufenden Geschäften, aber zuversichtlicher für das nächste halbe Jahr. Weiter im Aufwind zeigt sich laut Ifo-Präsident die Gastronomie.

Bau verzeichnet erneut weniger Aufträge

In der Baubranche läuft es derzeit merklich besser. Auch für die Zukunft sind die Baubetriebe weniger pessimistisch. Allerdings hat die Zahl der neuen Aufträge erneut abgenommen.

"Erwartungen nicht mehr katastrophal, nur noch düster"

Das Ifo-Institut geht zwar weiterhin davon aus, dass Deutschland in eine Rezession rutscht. Angesichts des gestiegenen Geschäftsklimaindex werde der Einbruch bei der Wirtschaftsleistung aber milder ausfallen als weithin erwartet, so Clemens Fuest. Aus Sicht von LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch gibt es allerdings noch keinen Grund zur Entwarnung: "Wir rücken vor aus der Zone der Untergangsangst in den Bereich normaler Rezessionssorgen. Die Erwartungen waren katastrophal, jetzt sind sie nur noch düster."

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