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Mehr Homeoffice in Corona-Zeiten: Was sich jetzt ändern soll | BR24

© dpa-Bildfunk Jens Kalaene

Homeoffice (Symbolbild)

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Mehr Homeoffice in Corona-Zeiten: Was sich jetzt ändern soll

Bund und Länder sind sich einig über Vorgaben für mehr Homeoffice in Unternehmen während der Corona-Pandemie. Die Einzelheiten arbeitet das Bundesarbeitsministerium aus. Was darüber bislang bekannt ist.

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Zur Eindämmung der Corona-Pandemie müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten im Homeoffice überall dort ermöglichen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag beschlossen, wie aus ihrem Beschlusspapier hervorgeht. Die Regelung soll bis 15. März gelten.

Die konkrete Umsetzung soll Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) per Verordnung regeln. Ein neues Gesetz ist dafür nicht erforderlich. Das sind die Eckpunkte des Entwurfs, der mehreren Nachrichtenagenturen vorliegt.

Welche konkreten Homeoffice-Vorgaben sind geplant?

Minister Heil will Arbeitgeber verpflichten, Bürobeschäftigten und Ähnlichen Heimarbeit anzubieten, wenn am Ort der Betriebsstätte der Inzidenzwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen überschritten wird. Dann habe "der Arbeitgeber den Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung (Homeoffice) auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen", heißt es in dem Entwurf der Ministerverordnung.

Was gilt, wenn kein Homeoffice möglich ist?

Wo kein Homeoffice möglich ist, sollen dem Entwurf zufolge strikte Abstandsregeln gelten. Nutzen mehrere Menschen ein Büro, müsse für jeden mindestens eine Fläche von zehn Quadratmetern zur Verfügung stehen. In Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten sollten die Arbeitgeber die Belegschaft in möglichst kleine Arbeitsgruppen einteilen.

Könnten die Abstandsregeln oder die Anforderungen an die Raumbelegung nicht eingehalten werden, müsse der Arbeitgeber medizinische Gesichtsmasken bereitstellen - die die Beschäftigten dann auch tragen müssen.

In Corona-Hotspots mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen solle die Belegschaft in Betrieben mit mindestens 50 regelmäßig anwesenden Beschäftigten wöchentlich einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden. Das berichtet das "Handelsblatt".

© BR

Obwohl im Homeoffice viele Ablenkungen lauern, ist die Produktivität seit dem Start der Corona-Pandemie gestiegen. Aber nicht jeder Chef traut dem Arbeiten am heimischen Küchentisch. Welche Art von Kontrolle ist erlaubt?

Wer soll die Einhaltung der Neuregelung kontrollieren?

In vielen Unternehmen ist Homeoffice längst Selbstverständlichkeit, in manchen sieht es der Chef aber gar nicht so gerne. Deshalb soll künftig kontrolliert werden, ob die Arbeitgeber ihrer Pflicht nachkommen, Homeoffice anzubieten. Zuständig sind die Arbeitsschutzkontrollbehörden.

Drohen auch Bußgelder?

Unternehmen, die ihren Beschäftigten ohne wichtigen Grund das Arbeiten im Homeoffice verweigern, sollen nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Bußgeldern von bis zu 5.000 Euro bestraft werden. Zudem müssten sie befürchten, dass ihnen der Betrieb im betroffenen Bereich untersagt wird, berichtete die Zeitung weiter.

Kommt mit der Verordnung das generelle Recht auf Homeoffice?

Nein. Ein solches Recht befürwortet Heil zwar, doch es gibt noch immer Streit mit der Union darüber. Das ursprüngliche Vorhaben von Heil, Arbeitnehmern einen Anspruch auf bis zu 24 Homeoffice-Tage zuzubilligen, ist bei der Union auf Widerstand gestoßen. Ein Gesetzentwurf des Ministers von Ende vergangenen Jahres sieht vor, Arbeitnehmern ein Recht zum Gespräch über Homeoffice mit dem Arbeitgeber zuzubilligen.

Wie reagiert die Wirtschaft?

Aus der Wirtschaft kommt Kritik: "Nur wenige Tage nachdem der Bundespräsident, die Gewerkschaften und die Arbeitgeber einen entschlossenen und gemeinsamen Appell an Unternehmen und Beschäftigte gerichtet haben, schlägt die Politik in einer Art Ersatzhandlung eine Homeoffice-Bürokratie vor", erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände am Dienstag. Eine solche würde in ihrer Wirksamkeit "zweifelsfrei" hinter dem Handeln der Sozialpartner zurückbleiben.

Weiter hieß es, die Ankündigung zu einer "Homeoffice-Verordnung" sei mit Verwunderung zur Kenntnis genommen worden. "Es bleibt abzuwarten, ob sich die Verantwortlichen klar darüber sind, dass sie damit zukünftige gemeinsame Interessen im Rahmen der Sozialpartnerschaft erschweren oder verhindern." Sozialpartnerschaft sei immer wirksamer als "bürokratischer Aktionismus".

Mit Material von dpa, Reuters und afp

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