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Das Thema Arbeit war einer der Schwerpunkte bei den jüngsten Bund-Länder-Beratungen über die Corona-Pandemie. Nun treten strengere Regeln in Kraft. Was besagen sie genau?

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Homeoffice-Verordnung: Das gilt jetzt wegen der Corona-Pandemie

Wo es möglich ist, müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ab sofort anbieten, im Homeoffice zu arbeiten. Damit sollen die Infektionszahlen weiter gesenkt werden. Bei Verstößen gegen die zeitlich befristete Verordnung drohen Bußgelder.

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Von
  • Manuel Mehlhorn

Wer bisher noch im Büro arbeiten musste, weil der Arbeitgeber kein Homeoffice zuließ, kann aufatmen: Wenn es die Arbeit im Betrieb hergibt, sind die Arbeitgeber seit 27. Januar dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten zu lassen. So steht es in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die vorerst bis zum 15. März gilt.

Arbeitgeber entscheiden über Möglichkeit zum Homeoffice

Ob die Arbeit im Betrieb nötig ist, entscheidet aber weiterhin der Arbeitgeber. Wenn der jedoch Homeoffice verweigert, obwohl das nach Einschätzung der Arbeitnehmer möglich wäre, sollten dieser sich an den Betriebs-, Personalrat oder im nächsten Schritt an die Gewerbeaufsichtsämter wenden. Das empfiehlt das Bayerische Staatsministerium für Familien, Arbeit und Soziales.

Für den Fall, dass die Arbeit nur im Betrieb erledigt werden kann, sieht die Verordnung klare Regeln für die Arbeitgeber vor. So müssen pro Person mindestens zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen, wenn Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden. In Betrieben ab zehn Beschäftigten müssen die Mitarbeiter in möglichst kleine, feste Arbeitsgruppen eingeteilt werden. Außerdem müssen Arbeitgeber mindestens medizinische Gesichtsmasken für die Mitarbeiter zur Verfügung stellen.

Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 30.000 Euro

Doch wie kontrollieren die Behörden, ob die Betriebe die Verordnung auch einhalten? In Bayern sind dafür die Gewerbeaufsichtsämter der einzelnen Regierungsbezirke zuständig. Arbeitgeber müssen ihnen auf Verlangen Auskünfte und Unterlagen zur Verfügung stellen. Wenn nötig, kann der Betrieb auch vor Ort kontrolliert werden.

Verstöße können notfalls auch mit einem Bußgeld geahndet werden, teilt das Bayerische Staatsministerium für Familien, Arbeit und Soziales auf BR-Anfrage mit. Allerdings sind Sanktionen erst möglich, wenn gegen eine zuvor ausgesprochene behördliche Anordnung verstoßen wurde. Je nach Art und Umfang des Verstoßes sieht das Arbeitsschutzgesetz einen Bußgeldrahmen von bis zu 30.000 Euro vor.

Arbeitgeber und Gewerkschaften begrüßen Homeoffice-Verordnung

Sowohl der DGB Bayern als auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) unterstützen die Homeoffice-Verordnung. Beide sind sich einig: Einen Zwang zum Homeoffice darf es nicht geben, weil diese Arbeitsform nicht in allen Berufen machbar sei. Außerdem seien die Infektionszahlen in den Betrieben sehr gering, sagen VBW und DGB. Die VBW schätzt den Beitrag zum Pandemie-Geschehen in den Betrieben auf "etwas über sechs Prozent".

"Angesichts der aktuellen Pandemielage ist es richtig und wichtig, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten dort, wo es möglich ist, nun Heimarbeit ermöglichen müssen", erklärt der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena. Wo die Arbeit im Homeoffice nicht möglich sei, müssten die Arbeitgeber umso stärker auf die Abstands- und Hygienevorschriften achten, fordert Jena.

Er sieht bei der Arbeit im Homeoffice aber auch ein Problem für die Arbeitnehmer: "Bei mobiler Arbeit verwischen die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf. Viele Beschäftigte beklagen überlange Arbeitszeiten bzw. unbezahlte Arbeit. Dem ist ein Riegel vorzuschieben", verlangt Jena.

25 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiten Mitte Januar von zu Hause

Auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft steht zur weitreichenden Nutzung der Arbeit im Homeoffice: "Wir erneuern unseren Appell, Homeoffice noch stärker zu nutzen", so der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. Die Unternehmen seien sich ihrer Verantwortung bewusst und würden das Homeoffice dort nutzen, wo es möglich sei, so Brossardt.

Allerdings lag die Homeoffice-Quote Mitte Januar erst bei 25 Prozent. Im November waren es sogar nur 14 Prozent. Im ersten Lockdown betrug die Homeoffice-Quote in Deutschland noch 35 Prozent. Experten schätzen, dass maximal 55 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland von zu Hause aus arbeiten könnten.

Homeoffice kann Infektionszahlen deutlich bremsen

Die Forscher des Bonner "Insitute of Labor Economics" haben die Effekte der Arbeit im Homeoffice auf die Covid19-Pandemie untersucht. Ausgehend von der aktuellen Homeoffice-Quote von 25 Prozent würde ihnen zufolge eine dauerhafte Erhöhung der Quote um zehn Prozentpunkte ab Ende Januar dazu führen, dass die Zahl der Neuinfektionen Ende Februar um gut ein Viertel niedriger wäre.

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