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Homeoffice und Streaming: Schafft das Netz die Corona-Krise? | BR24

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Videokonferenzen, Online-Streaming, Festnetztelefonie – weil viele Menschen aktuell von zu Hause arbeiten und den Abend im Internet auf dem Sofa verbringen, sind diese Dienste so gefragt wie noch nie. Halten unsere Telekommunikationsnetze das aus?

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Homeoffice und Streaming: Schafft das Netz die Corona-Krise?

Videokonferenzen, Online-Streaming, Festnetztelefonie – weil viele Menschen aktuell von zu Hause arbeiten und den Abend im Internet auf dem Sofa verbringen, sind diese Dienste so gefragt wie noch nie. Halten unsere Telekommunikationsnetze das aus?

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Den bisherigen Rekord hat der "Deutsche Commercial Internet Exchange" (DE-CIX) am Dienstag vergangener Woche verzeichnet: Mit 9,1 Terabit pro Sekunde erfasste der größte Internetknoten der Welt den bis dahin höchsten Datendurchsatz aller Zeiten. Ein Terabit entspricht 125 Gigabyte. Die Corona-Krise dürfte einer der Hauptgründe für diese Entwicklung gewesen sein. Das Interesse an dem Thema und die Folgen für die Bevölkerung sind seitdem eher noch gewachsen.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Netzkapazitäten ausreichend für alle Firmen Europas im Homeoffice

Ist das schon problematisch für die Telekommunikationsnetze? Nein, teilt ein DE-CIX-Sprecher mit, und die "Kapazitäten können schrittweise ausgebaut werden. Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Home-Office betreiben würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen wird, kann der DE-CIX die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Internetconnection bereitstellen."

Schon die jetzt verfügbaren Kapazitäten würden noch nicht ansatzweise ausgenutzt.

Da die UEFA die für diesen Sommer geplante Fußball-Europameisterschaft um ein Jahr verschoben hat, steht diese Bewährungsprobe in den nächsten Monaten also nicht bevor. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) bewertet die Lage ähnlich: "Zwar steigt der Datenverkehr insgesamt an. Aber neue Lastspitzen werden dadurch bislang nicht erreicht."

Neues Apple-Betriebssystem sorgte für einen der letzten Rekorde

Für einen der bisherigen Rekorde beim Datenfluss hatte im September 2019 Apple gesorgt – mit der Veröffentlichung seines neuen Betriebssystems iOS13. Damals lag der Datendurchsatz bei 7,1 Terabit pro Sekunde. Entsprechende Statistiken über den Internet-Verkehr veröffentlicht DE-CIX permanent im Netz. Danach zeichnet sich mit Blick auf den tage- und monatsweise dargestellten Datendurchsatz ein relativ gleichmäßiges Wellenbild ab.

Telekom, Telefonica, Vodafone sind vorbereitet

Auch die drei deutschen Mobilfunknetz-Betreiber Telekom, Telefonica und Vodafone stehen aktuell nach eigenen Angaben noch nicht vor unlösbaren Aufgaben. "Die Netze der Telekom sind stabil und sie sind sicher. Zwar verzeichnet das Unternehmen insbesondere im Festnetz eine deutliche Zunahme im Bereich des Datenverkehrs und der Menge und Dauer an Telefonaten. Diese sind aber für das Netz nicht kritisch", teilte das Unternehmen mit.

O2-Netz: "Ohne jegliche Einschränkungen"

Nach Angaben der Konzernmutter Telefonica läuft auch das O2-Netz "weiterhin sehr zuverlässig und stabil. Die Kunden surfen und telefonieren ohne jegliche Einschränkungen". Die momentane Nutzungssituation sei insgesamt mit der Nutzung am Wochenende vergleichbar. Vodafone sieht sich ebenfalls gerüstet.

Allerdings sind die Netzbetreiber sehr wachsam, was die aktuelle Entwicklung betrifft. "Spezielle Teams beobachten die Situation Tag und Nacht sehr genau und können zeitnah Maßnahmen auf den Weg bringen, um bei Bedarf gegenzusteuern", so Vodafone auf BR-Anfrage.

Vodafone verweist in diesem Zusammenhang zudem auf weitere Internet-Knotenpunkte ("Peering Points"), die sowohl die Netz-Unternehmen untereinander als auch Anbieter wie Netflix und Amazon betreiben: "Auch diese Knotenpunkte beobachtet Vodafone derzeit sehr genau. Hier sind wir bereits in Abstimmung mit anderen relevanten Unternehmen, um einer möglichen Traffic-Steigerung mit zeitnahen Ausbaumaßnahmen und Lastverteilung auf beiden Seiten mit Hochdruck zu begegnen."

Bundesnetzagentur: "Gravierenden Beeinträchtigungen" nicht erwartet

Die für Sicherheitsfragen in der Telekommunikation zuständige Bundesnetzagentur steht nach eigenen Angaben momentan in engem Kontakt mit den Netzbetreibern. Diese sind nach Einschätzung der Behörden "auf eine Zunahme des Datenverkehrs gut vorbereitet. Die Netze sind derzeit stabil und gravierende Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet".

Im Fall von Überlastungen der Netze, so die Bundesnetzagentur weiter, "steht den Netzbetreibern die Möglichkeit offen, weitere Maßnahmen zum Verkehrsmanagement zu ergreifen".

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