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Mitarbeiterüberwachung im Homeoffice: Was ist erlaubt? | BR24

© Birgit Harprath/BR

Mitarbeiter kontrollieren im Homeoffice

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Mitarbeiterüberwachung im Homeoffice: Was ist erlaubt?

Homeoffice bringt viele Vorteile mit sich – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Allerdings setzt das auch Vertrauen voraus. Ohnehin ist es Arbeitgebern rechtlich kaum möglich, ihre Mitarbeiter im Homeoffice zu kontrollieren.

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Von
  • Birgit Harprath

Homeoffice kann verführerisch sein: Man blickt vom eigenen Schreibtisch aus auf Dinge, die schon lange getan werden müssten. Oder es fällt einem ein, dass keine Butter mehr im Kühlschrank ist und man einmal wieder einkaufen gehen könnte. Oder die Sonne lässt den Schnee glitzern und lädt zum Spaziergang ein. Eigentlich aber sollte man am Computer sitzen.

In Umfragen geben zwar viele Beschäftigte an, effizienter von zu Hause aus zu arbeiten. Und auch viele Arbeitgeber bewerten das Homeoffice so. Einige nutzen es aber auch aus, wenn sie nicht im Büro arbeiten. Wie der Arbeitgeber seine Mitarbeiter kontrollieren kann - und was zu weit geht.

Arbeitsvertragliche Pflichten gelten auch im Homeoffice

Auch im Homeoffice gilt, dass Mitarbeiter ihre Pflichten aus dem Arbeitsvertrag erfüllen müssen. Wenn sie dagegen dauerhaft verstoßen, in ihrer Arbeitszeit einem anderen Job nachgehen, zu lange im Netz privat surfen, dann riskieren sie eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung. Doch dafür braucht der Arbeitgeber Beweise.

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Obwohl im Home-Office viele Ablenkungen lauern, ist die Produktivität seit dem Start der Corona-Pandemie gestiegen. Aber nicht jeder Chef traut dem Arbeiten am heimischen Küchentisch. Welche Art von Kontrolle ist erlaubt?

Grundgesetz garantiert den Schutz der eigenen Wohnung

Der Chef kann sich zwar auf den Weg machen, an der Haustür klingeln und schauen, ob seine Beschäftigten wirklich zu Hause sind. Doch die müssen ihm den Zugang zur Wohnung und den Blick auf den eigeschalteten Computer nicht gewähren. Das Weisungsrecht endet an der Wohnungstür des Mitarbeiters. Darauf macht der DGB Rechtsschutz aufmerksam. Den Schutz der eigenen Wohnung sichert das Grundgesetz in Artikel 13 zu. Anders ist es, wenn der Betroffene den Chef hereinbittet.

Persönlichkeitsrechte müssen beachtet werden

Hausbesuche braucht es zur Kontrolle heutzutage nicht mehr. Über den Computer ist das weniger aufwendig möglich. Die Hersteller von Überwachungssoftware bieten auf dem Markt viele Möglichkeiten an. Doch sollten die Unternehmen vorsichtig sein, diese zur Kontrolle der Beschäftigten zu kaufen und ohne Absprache zu installieren. Der Arbeitgeber muss sowohl das allgemeine Persönlichkeitsrecht seiner Mitarbeiter als auch die Regeln des Datenschutzes beachten.

Wenn die Software nur festhält, ob der Mitarbeiter mit dem EDV-System verbunden ist, sieht der Arbeitsrechtler Wolfgang Däubler darin kein Problem. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel ohne Absprache ein sogenannter "Keylogger" eingebaut wurde. Mit dem lässt sich unter anderem kontrollieren, wenn der User etwas per Tastatur eingibt. Die dauerhafte Erfassung, Speicherung und Auswertung einzelner Arbeitsschritte stellt einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2017 entschieden. Außerdem widerspricht es dem Recht auf Informationelle Selbstbestimmung.

Ausnahme: Konkreter Verdacht des Arbeitgebers

Einzige Ausnahme: Der Arbeitgeber hat einen konkreten Verdacht auf eine Straftat oder eine schwerwiegende Pflichtverletzung. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Mitarbeiter wiederholt von einem Kollegen während seiner Arbeitszeit außerhalb der Wohnung gesehen wird. Kommt es deshalb zu einer Kündigung, dann kann er die eingesetzte Software als Beweismittel vorbringen. Er muss aber nachweisen können, dass es einen konkreten Verdacht gab. Kontrollen ohne Anlass weisen die Arbeitsgerichte in der Regel zurück. Es kann sogar passieren, dass die Ergebnisse der Kontrolle die Pflichtverletzung bestätigen, als Beweismittel aber zurückgewiesen werden.

Lesen von privaten E-Mails nur bedingt erlaubt

Gerade im Homeoffice werden viele den Computer auch nutzen, um privat zu surfen. Ob der Arbeitgeber die Mails lesen darf, hängt laut DGB Rechtsschutz davon ab, ob er die private Nutzung erlaubt hat oder nicht. Wenn er sie generell verbietet, dann verstößt der Beschäftigte gegen dieses Verbot. Den Inhalt geschäftlicher E-Mails dagegen kann sich der Chef auf jeden Fall zeigen lassen, auf Grund seines Direktionsrechtes.

Betriebs- und Personalräte haben ein Wörtchen mitzureden

Bei unrechtmäßigen Maßnahmen zur Überwachung kann ein Betroffener vom Arbeitgeber verlangen, dass er sie unterlässt. Er kann – so vorhanden – sich an den Betriebs- oder Personalrat wenden. Die Leistungs- oder Verhaltenskontrolle unterliegt der Mitbestimmung. Gibt es solch ein Gremium nicht, so rät der Arbeitsrechtler Däubler, sich an die jeweilige Aufsichtsbehörde für den Datenschutz zu wenden. Das geht auch anonym – der Name des Betriebes aber muss genannt werden.

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