BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Homeoffice: Muss der Chef mir den Arbeitsplatz einrichten? | BR24

© picture alliance/ Oliver Hurst

Muss der Arbeitgeber die Ausstattung für das Homeoffice bereitstellen?

5
Per Mail sharen

    Homeoffice: Muss der Chef mir den Arbeitsplatz einrichten?

    Viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen arbeiten in der Corona-Krise von zuhause aus. Doch was, wenn dort die Büroausstattung fehlt? Müssen Vorgesetzte zum Beispiel für einen ergonomischen Schreibtischstuhl bezahlen?

    5
    Per Mail sharen
    Von
    • Greta Prünster
    • Stefan Kreutzer

    Die Corona-Pandemie hat viele Deutsche überstürzt ins Homeoffice gezwungen. Da musste schon mal improvisiert werden: Der Küchentisch wurde zum Schreibtisch, die Nachttischlampe zur Leseleuchte. Je länger die Krise andauert, umso häufiger kommen bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Fragen auf: Steht mir im Homeoffice ein ergonomischer Stuhl zu? Muss mein Chef mir einen Schreibtisch zur Verfügung stellen, wenn ich selbst keinen habe? Die Arbeitsrechtlerin Dr. Kathrin Bürger klärt die wichtigsten Fragen.

    Heimarbeit in der Corona-Krise ist kein "klassisches Homeoffice"

    Grundsätzlich gilt: Der Arbeitnehmer muss seine Arbeitsleistung von zuhause ordnungsgemäß erbringen können. "Für das klassische Homeoffice ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz zuhause einzurichten, der über alle notwendigen Arbeitsmittel verfügt", sagt Arbeitsrechtlerin Bürger. Dazu zählen demnach sowohl IT-Equipment als auch Büromobiliar. Der Haken an der Sache: Die Heimarbeit infolge der Corona-Krise kann nicht als "klassisches Homeoffice" gewertet werden. Denn beim "klassischen Homeoffice" haben die Beschäftigten keinen Arbeitsplatz im Unternehmen, sie sind immer von zuhause tätig. "Das, was jetzt gerade passiert, ist genau umgekehrt: Die Arbeitnehmer haben einen festen Arbeitsplatz im Unternehmen, sind aber aufgrund der Corona-Pandemie erst mal nach Hause geschickt worden", erklärt Bürger.

    Büroausstattung vom Wohlwollen des Arbeitgebers abhängig

    Für viele Büromöbel-Hersteller entsteht mit dem Homeoffice gerade ein neues Geschäftsfeld. Besonders rückenschonende Bürostühle sind seit Beginn der Corona-Krise gefragt. Wer beispielsweiße einen solchen ergonomischen Stuhl benötigt, soll sich individuell mit seinem Arbeitgeber absprechen, rät Arbeitsrechtlerin Bürger. Manche Vorgesetzte seien durchaus bereit, dafür zu zahlen. Sollte sich der Arbeitgeber weigern, die gewünschte Ausstattung bereitzustellen, bleiben zwei Möglichkeiten: "Dann könnte ich als Arbeitnehmer natürlich sagen, dann möchte ich ab sofort wieder im Büro meine Arbeit ableisten", schlägt Bürger vor. Oder man kann sich den ergonomischen Stuhl aus dem Büro nach Hause holen - und so eine Doppelanschaffung vermeiden.

    Steuerliche Förderung soll möglich werden

    Wenn der Chef oder die Chefin das Homeoffice nicht ausstatten will, könnten Beschäftigte sich die Einrichtung natürlich auch selbst zu kaufen und hinterher versuchen, sie von der Steuer abzusetzen. "Man plant derzeit, die Regelungen für die Versteuerung im Homeoffice anzupassen", sagt Bürger. Aus ihrer Sicht bestehe derzeit allerdings noch keine Möglichkeit, das komplette Equipment abzusetzen. Wichtig in Bezug auf die Einkommenssteuererklärung sei, dass das Homeoffice ein abgetrennter Raum sein muss. Ein Bürostuhl am Esstisch gelte nicht als Homeoffice und sei damit auch nicht von der Steuer absetzbar, erklärt die Arbeitsrechtlerin. Sie empfiehlt Arbeitnehmern, die Rechnungen für Büro-Equipment trotzdem aufzubewahren, für den Fall, dass sich rechtliche Änderungen ergeben.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!