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Homeoffice: Fluch oder Segen? | BR24

© Lisa Hinder / BR

Der Arbeitsplatz zu Hause: Fluch oder Segen?

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    Homeoffice: Fluch oder Segen?

    Homeoffice - Stress auf Abruf oder der Schlüssel zur gesunden Work-Life-Balance? Arbeiten von zu Hause aus ist umstritten. In der Diskussion: das Recht auf Homeoffice gesetzlich zu verankern. Was spricht für, was gegen ein solches Gesetz?

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    Arbeiten von zu Hause aus, das klingt zunächst verlockend. Es gibt aber auch viele kritische Stimmen dazu. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW wäre Heimarbeit bei vier von zehn Jobs grundsätzlich möglich, aber nur jeder achte Arbeitnehmer arbeitet tatsächlich von zuhause – in den meisten Fällen scheitert es laut DIW am Arbeitgeber.

    Was würde ein Gesetz daran ändern?

    Diese Umfrage ist ein Stimmungsbild und nicht repräsentativ. Technisch ist das System bestmöglich geschützt, um Manipulationen zu vermeiden.

    Darum kann ein Recht auf Homeoffice sinnvoll sein

    Zumindest müssten, gäbe es ein entsprechendes Gesetz, dann die Arbeitnehmer ihren Vorgesetzten nicht mehr beweisen, dass die Arbeit von zu Hause genauso produktiv ist wie im Büro. Stattdessen müsste die Chefetage begründen, warum Homeoffice keine Option ist.

    "Ein Recht auf Homeoffice ist notwendig. Denn in vielen Unternehmen hat man das Problem, dass Homeoffice zwar erlaubt ist, aber in der Praxis ist es dann von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich. Es müssen allgemeine Regeln her und Mitarbeiter dürfen nicht die Bittsteller sein." – Nick Kratzer, Soziologe und Arbeitsforscher am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF)

    SPD will Gesetz zum Homeoffice durchsetzen

    Laut einem Strategiepapier der SPD, aus dem verschiedene Medien bereits zitiert haben, planen die Sozialdemokraten einen Gesetzesvorstoß in Sachen Homeoffice: Danach sollen Unternehmen Heimarbeit entweder erlauben oder aber genau begründen müssen, warum Arbeiten von zu Hause für die Firma keine Option ist.

    Arbeitgeberseite: "SPD-Vorschlag undurchdacht"

    Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hingegen hält nichts von der Forderung der SPD nach einem gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice. Er sei "undurchdacht".

    "Es muss der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit überlassen bleiben, wo der Arbeitseinsatz der Mitarbeiter erfolgt. Hinzu kommt, dass nicht alle Tätigkeiten, zum Beispiel in der Produktion oder bei Dienstleistungen, für ortsungebundene Tätigkeiten geeignet sind. Daher ist ein generelles Recht auf Homeoffice für jeden nicht möglich." Bertram Brossardt, vbw-Hauptgeschäftsführer

    Die vbw sieht durch die Digitalisierung zwar durchaus Potenzial, mehr ortsungebunden zu arbeiten. Trotzdem: In vielen Branchen würde der Anteil an Tätigkeiten, die physische Präsenz erfordern, deutlich überwiegen.

    Homeoffice kann zu Burnout führen

    Die Arbeitszeit zu Hause kann schnell ausufern, wenn keine klaren Absprachen mit dem Arbeitgeber zur Erreichbarkeit getroffen wurden. Grenzenloser Stress und ein Nie-abschalten-können sind die Folge – so ein Gegenargument zum Homeoffice.

    Dieses Argument wollen die Sozialdemokraten entkräften. Ihr Vorschlag: Beschäftigte sollten Überstunden auf ein persönliches Zeitkonto einzahlen können. Dieses Guthaben könnten sie dann später in Freizeit umwandeln. Die Arbeitszeitkonten sollen nach den Vorstellungen der SPD sogar beim Unternehmenswechsel übertragen werden können. Neben den Absprachen über bezahlte Überstunden sollten die Arbeitnehmer aber auch beim Thema Erreichbarkeit mit dem Arbeitgeber Klartext reden, rät der Soziologe und Arbeitsforscher Nick Kratzer:

    "Die Arbeitnehmer müssen mit ihren Chefs unbedingt die Erwartungen klären – Wann bin ich erreichbar? Was leiste ich genau? Es muss auch eine neue 'Erreichbarkeitskultur' geben – zum Beispiel muss genau feststehen, über welche Medien kommuniziert wird." Nick Kratzer, Soziologe und Arbeitsforscher am ISF München

    Doch die Beschäftigten können nicht jede Verantwortung auf den Arbeitgeber abwälzen. Auch eine gute Selbst-Organisation sei wichtig und: Zu Hause zu arbeiten sollte eine autonome Entscheidung bleiben und dürfe nicht von der Chefetage diktiert werden.

    "Im Homeoffice muss man für sich selbst einen sehr reflektierten Umgang mit der Erreichbarkeit haben und genaue Zeiten festlegen, in denen man abschalten kann. Außerdem muss Arbeit zu Hause eine gewollte Entscheidung sein, nicht die Vorgabe des Chefs." Nick Kratzer, Soziologe und Arbeitsforscher am ISF München

    Niederlande haben das gesetzliche Recht auf Homeoffice

    In den Niederlanden haben die Arbeitnehmer in Unternehmen ab zehn Beschäftigten seit 2015 das gesetzliche Recht, von zu Hause aus zu arbeiten. Nach wie vor ist aber ein Antrag auf Heimarbeit notwendig. Der Arbeitgeber muss genau überlegen, ob er diesen Antrag ablehnt und aus welchem Grund - denn die Beweislast, dass die Arbeit zwingend im Büro erledigt werden muss, liegt bei ihm. Ob Deutschland wie die Niederlande ein gesetzliches Recht auf Homeoffice bekommt, hängt natürlich nicht allein von der SPD ab. Die Sozialdemokraten müssen jetzt ausloten, welche Vorschläge sie mit den Koalitionspartnern CDU und CSU umsetzen können.