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Homeoffice: Flexibilität kann auch belastend sein | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Mann im Home-Office

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Homeoffice: Flexibilität kann auch belastend sein

Früher war klar: Ein Arbeitnehmer hat zu bestimmten Zeiten am Arbeitsort zu sein. Im Zuge der Digitalisierung ist diese Vorgabe aufgeweicht, in vielen Berufen ist Homeoffice möglich. Die Flexibilität kann sich aber negativ auf die Psyche auswirken.

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Rund 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten bereits regelmäßig außerhalb ihres Unternehmens, sind mit ihrem Computer übers Internet an die Firma angebunden. Knapp die Hälfte davon arbeitet häufig von zu Hause aus, die anderen beim Kunden oder beruflichen Partnern.

Eine Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat ergeben, dass diese Beschäftigten stärker psychisch belastet sind als Menschen, die ausschließlich an ihrem Arbeitsplatz tätig sind. Dem stellvertretenden Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder, zufolge zeigt sich das an vermehrten Fällen von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Schlafstörungen.

Höhere Belastung, aber weniger Fehltage

Rund drei Viertel der Tele-Arbeitenden (73,4 Prozent) berichten über Erschöpfung, bei den klassischen Arbeitnehmern (auch "Inhouse-Arbeitende" genannt) sind es mit 66 Prozent deutlich weniger. Ein Unterschied, der sich auch in anderen Bereichen zeigt: Tele-Arbeitende haben mehr mit Wut und Verärgerung zu tun, mit Nervosität und Reizbarkeit, mit Lustlosigkeit, Selbstzweifeln und Schlafstörungen.

Das schlägt sich allerdings nicht in Fehlzeiten nieder, ganz im Gegenteil. Beschäftigte, die ausschließlich in ihrem Betrieb arbeiten, fehlten demnach 11,9 Tage – Tele-Arbeitende nur 7,7 Tage. Das WIdO geht davon aus, dass sie sich ihre Arbeitszeit anders einteilen, dass sie also im Krankheitsfall weniger arbeiten und diese Arbeitszeit später nachholen.

Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen

Der Befragung zufolge verlegt jeder Dritte häufig die Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende – und hat dann am Tag mehr Zeit, zum Beispiel für die Familie. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten mit Homeoffice geben an, dass sie mehr Arbeit bewältigen können, drei Viertel sagen, dass sie konzentrierter arbeiten. Die WIdO-Zahlen zeigen aber auch, dass es ihnen schwerer fällt, von der Arbeit abzuschalten als den Arbeitnehmern, die in ihrer Firma arbeiten.

Das gilt auch für den Urlaub – jeder vierte Tele-Beschäftigten denkt auch dann manchmal an die Arbeit, bei den Inhouse-Beschäftigten ist es nicht mal jeder Siebte. Der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Schröder zieht daraus den Schluss, dass "der private Rückzugsraum und die Zeit für Erholung schrumpft".

Gesund digital arbeiten

Das WIdO mahnt Unternehmen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement vorzuhalten und sich regelmäßig mit den mobil arbeitenden Mitarbeitern auszutauschen. Es gehe in Zeiten des Fachkräftemangels um "Mitarbeiterpflege" und darum, sich um die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu kümmern.

Computer ersetzen Menschen

Digitale Technik kann die Arbeit des Menschen erleichtern – aber eben auch ersetzen. In der Logistik beispielsweise fallen schon jetzt Arbeitsplätze weg, das trifft gerade geringqualifizierte Mitarbeiter. Dafür entstehen neue Berufe wie Data Scientist, Web Designer oder Architekt für Virtual Reality. Je nach Branche ist das Risiko, wegrationalisiert zu werden, unterschiedlich hoch. Das WIdO nennt Beispiele: Fertigungsberufe wie z.B. Buchdrucker haben demnach mit 89 Prozent ein hohes Automatisierungspotenzial, der journalistische Beruf mit 20 Prozent ein geringeres und soziale Dienstleistungsberufe wie die Erziehung und Betreuung von Kindern können gar nicht von Computern ausgeübt werden.

Für die Studie hat das Wissenschaftliche Institut der AOK im Frühjahr rund 2.000 Beschäftigte zwischen 16 und 65 Jahren befragt.

© BR

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