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Home-Office: Wie Corona die Arbeitswelt nachhaltig verändert | BR24

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Um Coronainfektionen am Arbeitsplatz zu verhindern, ist in vielen Betrieben Homeoffice angesagt. Immer mehr Firmen wollen das ihren Beschäftigten auch für die Zeit nach der Pandemie anbieten. Eine Entwicklung, die auch unsere Städte verändern könnte.

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Home-Office: Wie Corona die Arbeitswelt nachhaltig verändert

Um Coronainfektionen am Arbeitsplatz zu verhindern, ist in vielen Betrieben Homeoffice angesagt. Immer mehr Firmen wollen das ihren Beschäftigten auch für die Zeit nach der Pandemie anbieten. Eine Entwicklung, die auch unsere Städte verändern könnte.

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Von
  • Andreas Schuster

Viele Beschäftigte sind seit dem Frühjahr verstärkt im Homeoffice. Wegen der weiter hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erneut an die Arbeitgeber appelliert, wo immer es gehe, Homeoffice zu ermöglichen. Viele Unternehmen haben offenbar ohnehin gute Erfahrungen damit gemacht, wenn ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuhause arbeiten. Sie bieten ihren Beschäftigten an, auch nach der Corona-Pandemie teilweise im Homeoffice zu bleiben.

Siemens bietet zwei bis drei Tage Homeoffice

Im neu gebauten Siemens Campus in Erlangen sind aktuell rund 90 Prozent der Belegschaft im Homeoffice. Produktion und Fertigung ausgenommen, will der Technologiekonzern seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch für die Zeit nach der Corona-Pandemie ermöglichen, zwei bis drei Tage von daheim aus zu arbeiten. Um herauszufinden, wie viele Kolleginnen und Kollegen das Angebot tatsächlich annehmen, hat Siemens eine Umfrage gestartet. Erste Rückmeldungen lassen auf großes Interesse daran schließen, heißt es.

Novartis lässt Beschäftigte allein entscheiden

Der Schweizer Pharmahersteller Novartis möchte seine Beschäftigten in der Deutschland-Zentrale in Nürnberg komplett allein entscheiden lassen, ob und wie viel sie künftig im Homeoffice arbeiten. "Unser Ziel ist es, den Kolleginnen und Kollegen möglichst viel Flexibilität zu geben", so Personalchef Tobias Glück.

Viele Beschäftigte der 1.000 Kolleginnen und Kollegen am Standort hätten den Wunsch geäußert, auch in Zukunft teils von daheim aus arbeiten zu können. Damit mache sich das Unternehmen auch attraktiver als Arbeitgeber, so Glück.

Homeoffice-Umfrage unter Belegschaft

Ähnlich wie bei Siemens hat Novartis eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie das Homeoffice-Angebot für die Zeit nach der Corona-Pandemie angenommen wird. Konkrete Ergebnisse der Mitarbeiter-Befragung liegen noch nicht vor.

Künftig mehr leere Büros?

Auch wenn Siemens und Novartis aktuell noch nicht genau sagen können, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der Corona-Pandemie wie viele Tage im Homeoffice bleiben wollen: Mit Leerständen im Büro rechnen beide Unternehmen nicht. Vielmehr geht man davon aus, dass sich die Arbeitsabläufe ändern und die Räume künftig anders genutzt werden. So könnten beispielsweise weniger Schreibtische zur Verfügung stehen und die Räumlichkeiten stattdessen verstärkt für Teamarbeit, Besprechungen und Kreatives eingesetzt werden. Der gerade erst in Teilen fertiggestellte Siemens Campus in Erlangen sei entsprechend flexibel gebaut, heißt es.

Bild unserer Städte könnte sich ändern

Durch solche Änderungen in unserer Arbeitswelt könnte sich das Bild unserer Städte spürbar ändern, sagt Georg Glasze von der Universität Erlangen-Nürnberg. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter nur einen Tag in der Woche dauerhaft im Homeoffice bleibt, "dann ist das schon ein Fünftel der Belegschaft, die im Schnitt (im Büro, Anm. d. Red.) wegfällt", so der Geograph. Weil jede Bürofläche ein Kostenfaktor sei, würden die Unternehmen da "sehr genau hinschauen" und die Flächen anderweitig nutzen oder einsparen, so Glasze.

Ähnlich hatte sich zuletzt ARD-Börsenexperte Robert Halver geäußert. In Großstädten stünden gerade viele Bankenhochhäuser leer, weil sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter größtenteils im Homeoffice befinden. Durch diese neue Arbeitskultur sei "zu viel Platz da" und diese Flächen brauche man "auch in Zukunft nicht mehr", so Halver.

Büros und Städte weiter attraktiv

Dass mit dem Angebot zu mehr Homeoffice schlagartig viele Menschen in ländliche Regionen mit günstigerem Wohnraum abwandern, erwartet Geograph Georg Glasze allerdings nicht. "Es gibt viele Argumente, die auch für die Stadt sprechen: die Vernetzung. Die kurzen Wege. All das wird bleiben", so der Wissenschaftler der Uni Erlangen-Nürnberg.

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