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Wirtschaft

Bin ich im Homeoffice unfallversichert? | BR24

© pa/dpa/Karl Schöndorfer

Homeoffice: Nicht versichert ist zum Beispiel der Weg in die Küche zum Kaffeekochen.

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    Bin ich im Homeoffice unfallversichert?

    Wer von Zuhause aus arbeitet und sich während der Arbeitszeit verletzt, steht vor der Frage: Wann ist ein Unfall ein Arbeitsunfall? Und vor allem: In welchen Fällen greift der Versicherungsschutz? BR24 klärt auf.

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    Seit Ausbruch der Pandemie arbeiten deutlich mehr Menschen von Zuhause als vorher – und auch nach Corona könnte das Modell Homeoffice bei vielen Berufstätigen zumindest in Teilen bestehen bleiben. Denn im Büro Zuhause arbeitet es sich oft flexibler und konzentrierter, außerdem fallen lange Arbeitswege weg.

    Wenn die eigenen vier Wände zum Arbeitsplatz werden, vermischt sich aber auch zwangsläufig Privates und Berufliches – und das hat Auswirkungen auf den Unfallversicherungsschutz.

    Greift die gesetzliche Unfallversicherung auch im Homeoffice?

    Prinzipiell besteht auch bei einem Unfall während der Arbeit von Zuhause ein gesetzlicher Versicherungsschutz – allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Die zentrale Frage lautet: Hat sich der Unfall bei einer Aufgabe ereignet, die Teil des Berufslebens ist? Oder ist der Unfall bei einer Tätigkeit passiert, die dem Privatleben zuzuordnen ist?

    In welchen Fällen bin ich im Homeoffice gesetzlich unfallversichert?

    Sobald sich der Unfall einen Zusammenhang mit der getätigten Arbeit hat, greift der gesetzliche Versicherungsschutz. In allen anderen Fällen nicht.

    "Als Arbeitnehmer im Homeoffice ist man immer dann gesetzlich unfallversichert, wenn auch tatsächlich Arbeiten, die laut Arbeitsvertrag geschuldet sind, durchgeführt werden. Dann wird man auch im Homeoffice so behandelt, als sei man im Büro." Jörg Kessel, Fachanwalt für Arbeitsrecht

    In der Realität sieht das so aus: Wenn beispielsweise das Laptop beim Verfassen einer E-Mail auf den Fuß fällt oder jemand während eines beruflichen Telefonats stürzt, ist die Person gesetzlich unfallversichert. Bei einer Verletzung auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche, etwa um sich ein Wasser zu holen, sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht versichert.

    Warum sind dieselben Tätigkeiten im Büro versichert, zuhause aber nicht?

    Bei den genannten Beispielen handele es sich um Tätigkeiten, die nicht "ausdrücklich und vollumfänglich dem Arbeitsverhältnis zuzuordnen sind und außerhalb der unfallversicherten Räumlichkeiten des Unternehmens liegen", erklärt Fachanwalt Jörg Kessel.

    "Im Büro sind Sie zum Beispiel dann gesetzlich unfallversichert, wenn Sie sich auf dem Weg vom Schreibtisch zur Kaffeemaschine den Fuß brechen. Dann ist der Ort des Geschehens entscheidend – und der liegt hier eben in den Räumlichkeiten des Unternehmens selbst, wodurch Sie gesetzlich unfallversichert sind", bilanziert Fachanwalt Kessel.

    Im Homeoffice ist also die Tätigkeit ausschlaggebend, bei der der Unfall passiert ist. Im Büro greift die gesetzliche Unfallversicherung aufgrund der Tatsache, dass man sich in einem versicherten Raum befindet.

    Ist der Dienstweg im Homeoffice versichert, wenn man sein Kind zur Betreuung bringt?

    Die gesetzliche Unfallversicherung beginnt nicht erst im Büro, sondern bereits auf dem Weg dorthin. Wer in diesem Zuge noch sein Kind in die Kita bringt, ist gesetzlich unfallversichert. Anders ist das beim Homeoffice – der Weg zur Kita zählt hier nicht als Tätigkeit, die im Arbeitsvertrag festgehalten ist und ist somit nicht versichert.

    Wer trotzdem auch in Zukunft nicht auf Homeoffice verzichten und gleichzeitig kein Risiko eingehen will, hat die Möglichkeit, eine private Unfallversicherung abzuschließen.

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