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Hoher Besuch bei Airbus in Manching | BR24

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Die deutsche und die französische Verteidigungsministerin besuchen Airbus in Manching.

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Hoher Besuch bei Airbus in Manching

Entscheidungen werden keine fallen. Vielmehr soll mit dem Besuch der deutschen und französischen Verteidigungsministerinnen in Manching das Zeichen gesetzt werden: Die europäische Achse steht. Das ist vor allem für die Mitarbeiter von Airbus wichtig.

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Die Einladung an Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre französische Amtskollegin Florence Parly erging zeitgleich nach der Münchner Sicherheitskonferenz. Der Standort Manching soll durch die Entwicklung neuer militärischer Flugzeuge und vor allem Drohnen gesichert werden. Dass beide Länder hinter dem Projekt mit dem Namen Future Combat Air System (FCAS) stehen, soll der Besuch dokumentieren, vor allem für die Belegschaft vor Ort.

Manching: zwischen Sparplänen und Zukunftsvisionen

In Manching wird um Stellen gekämpft. Im Dezember verkündete Airbus einen Sparkurs, mittlerweile werden auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen. Weltweit will Airbus 34.000 Stellen streichen, rund 2.400 in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte. Das Geschäft sei um 40 Prozent eingebrochen, erklärte CEO Guillaume Faury. Airbus durchlebe damit die größte Schrumpfkur in seiner Geschichte.

In Bayern sind ebenfalls Standorte betroffen: In Ottobrunn bei München sollen 250 der dort insgesamt 2.500 Stellen wegfallen, in Manching bei Ingolstadt 120 von 4.500. Derzeit wird über einen Sozialplan verhandelt.

Das Hauptprodukt in Manching ist der Eurofighter. In der oberbayerischen Stadt werden die Rumpfmittelteile des deutsch-britisch-spanisch-italienischen Gemeinschaftsprojekts montiert. Vorgefertigt werden die Mittelteile bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec Augsburg. Zusätzlich besteht eine Fertigungslinie für die Endmontage des Eurofighters, doch die muss bald eingestellt werden, denn die letzten georderten Flugzeuge werden demnächst ausgeliefert.

Der Eurofighter und sein Nachfolger

Anfang 2019 beschloss das Verteidigungsministerium in Berlin 38 neue Eurofighter zu kaufen. Insgesamt umfasst das Konzept 143 Maschinen. Dadurch sollen alte Eurofighter, die als Jagdflugzeuge konzipiert waren, ausgemustert werden. Jetzt fehlt noch die Zustimmung des Bundestages. Sie wird für November erwartet.

Aussteht aber auch noch der Ersatz der bis zu 90 Kampfflugzeuge des Typs Tornado, deren Betrieb sich ab 2025 wegen hoher Wartungs- und Reparaturkosten nicht mehr lohnt. Technisch könnte auch hier eine Variante des Eurofighters ein Nachfolger werden. Doch der Eurofighter kann keine Nuklearwaffen transportieren, wie bis jetzt die Tornados. Mit dem Träger für amerikanische Kernwaffen hat Deutschland aber einen Fuß bei der Atomkriegsplanung der Nato in der Tür.

Und auch wenn eine Neuentwicklung des Eurofighter das Mitführen von amerikanischen Kernwaffen ermöglicht, muss das Flugzeug erst durch die USA zugelassen werden. Die Amerikaner wollen aber eigene Maschinen verkaufen, und so kündigte die US-Militärzertifizierungsbehörde schon einmal eine längere Wartezeit von bis zu fünf Jahren für eine Zulassung eines neuen Tornadonachfolgers an. Ihr F-18 wäre aber schneller zu haben, da Vorgängermodelle bereits zertifiziert seien.

Im April verkündete Kramp-Karrenbauer, sie wolle sich für einen Mix aus Eurofighter-Neubau und F-18 Kampfflugzeugen entscheiden. Doch die SPD sah sich bei dem Plan von Kramp-Karrenbauer völlig übergangen. Die Entscheidung über den Kauf wurde daraufhin bis 2022/23 zurückgestellt.

Future Combat Air Systems: FCAS

Hinter den vier Buchstaben steckt ein Rahmenabkommen der drei EU-Länder Deutschland, Frankreich und Spanien, das neben einem Eurofighter-Nachfolger auch Drohnen und die Steuerung von Satelliten umfassen soll. Im Juni des vergangenen Jahres haben die drei Staaten dazu ein Rahmenabkommen zum Aufbau unterzeichnet.

Vom Nachfolger des Eurofighters gibt es bis jetzt aber nur ein Modell, dass die deutsche Firma Airbus und die französische Dassault Aviation bereits vorgestellt haben. Bis Ende 2021 planen die Staaten jetzt den Aufbau einer Konzeptstudie. Beteiligt sind neben dem Airbus Standort in Manching auch der Triebwerkshersteller MTU und die französischen Firmen MBDA, Thales und Safran.

Bislang werden für das FCAS acht Milliarden Euro für die Entwicklung und weitere 100 Milliarden Euro für die Beschaffung und den Betrieb veranschlagt. Doch die Entwicklung von Flugzeugen für das Militär übersteigen oft die veranschlagten Kosten. Das Handelsblatt geht schon einmal von veranschlagten 50 Milliarden Euro für die Entwicklung aus.

Entscheidend bei der Berechnung solcher Kosten sind auch die Chancen, irgendwann den Kampfflieger an andere Länder verkaufen zu können. Doch das schaut nach der Pannenserie des Eurofighters nicht gut aus. Schon jetzt haben sich Italien, Polen, Dänemark, Norwegen oder die Niederlande für das Konkurrenzflugzeug F-18 aus den USA entschieden. Bliebe noch Saudi-Arabien, doch da hat die Bundesregierung Exportbeschränkungen verhängt. Und auch andere Staaten schlafen nicht. Auch die Russen, Briten, Chinesen und Türken arbeiten an neuen Maschinen.

Der Besuch des militärischen Luftfahrzentrums von Airbus in Manching soll vor allem ein Zeichen für die Belegschaft setzen und zeigen, dass auch die beiden Ministerinnen an das Projekt FCAS glauben.

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Vom oberbayerischen Manching aus soll heute ein starkes Signal für die europäische Zusammenarbeit ausgehen: Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat mit ihrer französischen Amtskollegin Parly den Airbus-Standort dort besucht.

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