BR24 Logo
BR24 Logo
Wirtschaft

Hockey: Die Angst der Amateursportler vor dem Aus | BR24

© BR / Antonia Böhm

Mannschaftssport in der Krise

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hockey: Die Angst der Amateursportler vor dem Aus

Mannschaftssport ist von der Corona-Pandemie stark betroffen. Wegen des Abstandsgebots lässt er sich kaum ausüben. Außer Teams verfügen über viel Geld und gute Kontakte wie der Fußball. Zu spüren bekommt das etwa der Amateursport Hockey.

Per Mail sharen

Wochenlang konnten Kinder und Jugendliche ihren Mannschaftssport coronabedingt nicht ausüben. Seit dieser Woche organisieren Vereine wie der Hockeyclub Rotweiß München zwar wieder ein Training, allerdings nur in sehr abgespeckter Form: kontaktlos und im Freien.

Ohne Aussicht auf Lockerung fürchten viele Vereine jetzt einen dramatischen Mitgliederschwund, zum Beispiel der Hockeyclub Rotweiß München. Die Auflagen sind hart: hier müssen separate Ein- und Ausgänge geschaffen werden, Abstandsmarkierungen gezogen, Eingangskontrollen aufgebaut werden.

Seit acht Wochen kein Hockey-Training

Es wird Alles gemacht, was nötig ist, um den Kindern und Jugendlichen nach acht Wochen ohne Training den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Das Vereinsleben liegt seit Wochen brach – Platz und Clubterrasse liegen einsam da. Für den Hockey-Vize-Präsidenten Nils Kowalczek ein ganz ungewohntes Bild.

"Normalerweise ist hier einfach wahnsinnig viel los, hier wird rumgetobt, wer kein Training hat, spielt mit anderen Kindern und im Moment ist einfach Totenstille." Nils Kowalczek, Hockeyclub Rotweiß München

Klopapierrolle mit dem Hockeyschläger in der Luft halten

Mit Wohnzimmer-Einheiten und Konditionstraining per Video haben die Trainer versucht, die Kinder und Jugendlichen über die vielen Wochen bei der Stange zu halten. Und mit speziellen Corona-Disziplinen: zum Beispiel eine Klopapierrolle möglichst lange mit dem Schläger in der Luft zu halten.

Jetzt sehen sich die meisten nach Wochen zum ersten Mal wieder. Beim Ankommen gibt es kein Abklatschen, keine Umarmung - dafür Hände Desinfizieren und Abstand halten.

Vor allem Konditions- und Grundlagentraining

Die nächsten Wochen wird das Training wohl so aussehen: kleine Gruppen, kein Körper-Kontakt, dafür viel Grundlagen- und Konditionstraining. Auch die Erklärungen der Trainer wird es nur mit Maske oder genügend Abstand geben, so steht es im Hygienekonzept des Hockeyclubs.

Zweikämpfe oder Reinrutschen ist nicht erlaubt, und natürlich auch kein richtiges Spiel. Dem Ex-Hockey-Nationaltorwart Nils Kowalczek macht genau das Sorgen. "Ja, also das ist jetzt kein Training, wie die Kinder das sonst kennen: Es geht nicht so zur Sache, wie sonst im Hockey. Es ist ein sehr flaches Training."

Trotzdem hofft er, die Kinder damit einfach wieder überhaupt abholen zu können, damit sie auch alle wiederkommen und möglichst keiner verloren geht.

Freude über das Wiedersehen – aber Abstandhalten nervt

Das erste Fazit der Kinder fällt zwiegespalten aus. Viele haben sich gefreut, endlich wieder ein Training zu haben, andere sind genervt vom ständigen Abstand halten.

"Es war halt anders, aber trotzdem hat`s mir immer noch Spaß gemacht," sagt der 10-jährige Moritz. Und Mats meint: "Es war so als wär ich im Käfig." Der sechsjährige Leon möchte aber auf jeden Fall trotzdem wiederkommen, erklärt er am Ende des ersten Trainings, auch wenn das ständige Abstandhalten blöd war.

DOSB-Präsident Hörmann: "Sport wird unverzichtbar bleiben"

Vereine werden immer wieder als soziale Tankstellen der Gesellschaft beschrieben. Gerade für Kinder und Jugendliche sowie deren Familien bietet das gemeinsame Sporttreiben einen unschätzbar positiven sozialen Wert.

Und das soll nach Ansicht von Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes auch so bleiben. Die 90.000 Vereine seien und blieben die sozialen Tankstellen des Landes, betont Hörmann. Und: “Wir sind sicher: Der Sport wird gerade nach dieser Krise ein unverzichtbarer Bestandteil unserer gesellschaftlichen Entwicklung bleiben.“

Keine Wettbewerbe in Mannschaftssportarten

Doch im Moment scheint zumindest der Mannschaftssport komplett in den Hintergrund gerückt zu sein. Die Hockeyverbände beispielsweise haben ihren Punktspielbetrieb bis zum ersten August ausgesetzt.

Andere, wie der Bayerische Fußballverband, sogar bis zum 31. August. Sollte die Fortsetzung des Spielbetriebs - etwa durch staatliche Vorgaben - auch dann nicht möglich sein, wird die Aussetzung verlängert. Das bedeutet: In Bayern findet bis zum Ende der Sommerferien Mitte September wohl kein Wettkampf mehr statt.

Und auch, wenn Teamsportarten jetzt mit eigenen Hygiene-Konzepten langsam wieder mit dem Training anfangen: Kontaktsportarten ohne Kontakt, das ist auf längere Sicht wohl schwer umzusetzen.

Angst vor Mitgliederschwund beim Hockey

Für den Sportdirektor des Bayerischen Hockeyverbands und Lehrer Hermann Ellenbeck ist deshalb die größte Sorge, dass die Coronakrise einen dramatischen Mitgliederschwund zur Folge haben könnte. Vor allem Anfänger könnten feststellen – und hätten das auch schon, dass es im Leben auch ohne Hockey geht.

Hinzu komme, dass es nicht ganz einfach sei, das Training so aufzubauen, dass diejenigen die noch kommen auch Spaß daran haben.

"Da gibt`s jetzt schon viele die dann sagen, nach zwei, drei Mal nur Bälle hin und her schlagen oder nur ein bisschen aufs Tor schießen ist ihnen zu wenig und die hören dann auch auf und kommen auch nicht mehr." Hermann Ellenbeck, Sportdirektor Bayerischer Hockeyverband

Fahrplan zurück zur Normalität gefordert

Der Bayerische Landestrainer fordert deshalb einen klaren Fahrplan, wie beispielsweise auch in der Gastronomie, um Schritt für Schritt wieder zu einem richtigen Mannschaftstraining zurückzukommen. Nur so könne man die Spielerinnen und Spieler wieder begeistern.

Dass es im Amateurbereich - im Gegensatz zur Fußball-Bundesliga, wo der Spielbetrieb wieder erlaubt ist - keine echte Perspektive gibt, kritisiert Ellenbeck.

Profisport sieht über Amateursportarten

Es sei ein schlechtes Signal, weil der Kommerz über den Amateursport siege. Im Bundesligafußball könne man sich beispielsweise, im Gegensatz zum Hockey, die sehr teuren Coronatests leisten. Damit setze sich der Sport mit den meisten Umsätzen durch – der Profisport.

Amateursportarten, hätten einfach das Problem, dass sie jetzt hinten dran seien und keine Chance hätten, weiterzukommen, weil es eben keinen Plan dafür gäbe.

Bei Rotweiß hofft man, wie bei vielen anderen Sportvereinen in Bayern auch, dass sie zumindest ihre Mitglieder halten können. Und das möglichst bald wieder ein ganz normales Training möglich ist.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!