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Hilfe zur Selbsthilfe: Fränkische Solartechnik für Afrika | BR24

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Charles M. Huber bei einer Schule im Senegal

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Hilfe zur Selbsthilfe: Fränkische Solartechnik für Afrika

Spätestens seit 2015 ist die Bekämpfung von Fluchtursachen ein Thema in der europäischen Politik. Doch konkrete Beispiele, wie das Leben der Menschen vor Ort besser wird, gibt es kaum. Zwei bayerische Engagements im Senegal zeigen, wie es gehen kann.

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Die intensiven Farben und die Lebensfreude der Menschen in Afrika faszinieren Charles M. Huber schon seit langem. Seit über einem Jahr lebt er nun im Senegal.

In Deutschland ist Charles Huber besser bekannt als Henry Johnson, der Assistent des "Alten" aus der gleichnamigen Krimiserie. Er wurde in München geboren und wuchs in Niederbayern auf. Nun hat der frühere Fernseh-Kommissar in der Heimat seines Vaters eine neue Aufgabe gefunden.

Bildung als Mittel gegen Armut

Zunächst gründete Charles Huber in der Großstadt M’bour im Westen des Senegal eine Schule, die mittlerweile seinen Namen trägt, die "Lycée Charles Muhamed". Der Niederbayer will die Zukunftschancen von senegalesischen Kindern verbessern, indem er ihnen eine gute Ausbildung mit auf den Weg gibt. "Sie sollen eines Tages in der Lage sein, sich einzubringen", erklärt er.

1.000 Kinder werden an der Schule unterrichtet. Das Niveau ist höher und die Klassen sind wesentlich kleiner als sonst in dem westafrikanischen Land üblich. Bildung als Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, auf dieses Werk ist Charles Huber stolz. Es sei ein großes Projekt für einen kleinen Verein mit viel Mitteln, viel Geduld und viel Eigenleistung, sagt er. "Ich habe neun Jahre lang persönlich Hand angelegt, damit alles Hand und Fuß hat. Wenn man die Kinder dann sieht, dass die Schule ihren Zweck erfüllt, dann ist man natürlich zufrieden", findet Charles Huber.

Neue Wirtschaftszweige aufbauen

Mit Almosen allein ist den Menschen im Senegal nicht wirklich geholfen, davon ist der Niederbayer überzeugt. Auch Wirtschafts- und Handelsstrukturen müssten sich ändern.

Im Hafen von M'bour sieht man, dass der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle der Menschen ist. Doch die Fischerei bringt immer weniger ein, weil die Meere nach Zahlen der Vereinten Nationen so gut wie leergefischt sind. Viele Senegalesen kämpfen ums Überleben, tausende andere brechen in Richtung Europa auf.

In der Hauptstadt Dakar hat die Kolonialmacht Frankreich tiefe Spuren hinterlassen. Hier trifft afrikanische Tradition auf europäische Moderne. 80 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre alt und sie brauchen eine Perspektive. Die dynamische Metropole bietet durchaus Chancen, auch für ausländische Investoren.

Energie fürs Land

Das Nürnberger Unternehmen Gauff Engineering ist bereits vor Ort und versorgt 300 Dörfer mit Solarenergie. Abib Ndoye ist bei dem fränkischen Unternehmen für Forschung und Ausbildung zuständig und er ist begeistert von seiner neuen Aufgabe. "Elektrizität bedeutet Aufschwung und Entwicklung. Sobald man Strom hat, kann man aktiv werden", erklärt er.

In der Pilotregion Kaffrine im Zentrum des Senegal soll der Gauff-Mitarbeiter die Bevölkerung für das Projekt sensibilisieren. Mehr als die Hälfte der Haushalte auf dem Land hat bisher keinen Zugang zu Elektrizität. Auch das 700-Einwohner-Dorf Ndiaye Counda ist kaum elektrifiziert. Für das Projekt der fränkischen Firma Gauff ist es als eines der ersten an der Reihe.

Der Dorfladen und einige Häuser in Ndiaye Counda haben bereits Solarzellen auf dem Dach. Allen anderen Bewohnern im Dorf erklärt Abib, wie sich ihr Leben verändern wird, wenn sie erst einmal an das Stromnetz angeschlossen sind. Zum Beispiel werden die Kinder auch nach Einbruch der Dunkelheit noch lernen können. Es gibt die ganze Nacht lang Licht. Darüber hinaus muss das Essen in Zukunft nicht mehr über offenem Feuer gekocht werden.

Energie bietet Perspektiven

Für Massamba Pomane ändert sich darüber hinaus noch mehr. Der junge Mann hat in der Hauptstadt Dakar einige Semester Jura studiert bis er das Studium nicht länger finanzieren konnte und zurück in sein Dorf musste. Vier von fünf jungen Menschen im Senegal haben wie er keine Arbeit. Doch Massambas Situation wird sich bald verbessern.

Abib erläutert dem Dorf-Chef und einigen seiner Vertrauten Ausmaße und Funktionsweise der Anlagen "Made in Germany". In einigen Monaten sollen sie errichtet werden. Wenn die ausländischen Fachkräfte nicht mehr vor Ort sind, werden die Anlagen von jeweils zwei einheimischen Mitarbeitern betreut. Massamba Pomane ist einer von ihnen. "Ich hatte schon überlegt, irgendwie ins Ausland zu gelangen, um dort Arbeit zu suchen. Aber dank des Projekts habe ich jetzt eine Perspektive hier im Senegal", sagt er.

Die Investition der fränkischen Firma und die Ausbildung von insgesamt 900 jungen Menschen schafft somit auf Dauer qualifizierte Arbeitsplätze.

Solarenergie als günstige und umweltfreundliche Alternative

Bisher haben einige Bewohner auf dem Land Energie mit Dieselaggregaten erzeugt. Doch die sind schlecht für Umwelt und Gesundheit und sie kosten viel Geld. Auch Kerzen oder Taschenlampen als Lichtquellen in der zwölf Stunden dauernden Nacht sind für die Meisten im Dorf zu teuer.

Solarenergie ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch vergleichsweise günstig. Deswegen sind sich Experten einig, dass die Sonne die Zukunft Afrikas ist. Doch Großprojekte wie das der fränkischen Firma Gauff gibt es noch viel zu Wenige.

"Sich nicht länger als Opfer verkaufen"

Der Ex-Schauspieler und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Charles Huber wünscht sich, dass sich mehr mittelständische Betriebe aus Deutschland im Senegal engagieren. Normalerweise sei Profit zu generieren verpönt in der klassischen Entwicklungspolitik, sagt Charles Huber. "Aber hier gesteht man das jedem zu, der investiert und will sogar, dass er hier Profit generiert. Man will Geschäfte machen und sich nicht weiter als Opfer verkaufen", erklärt Charles Huber.

Auch die Bundesregierung will Investitionen im Senegal und in anderen afrikanischen Ländern stärker fördern. Bislang halten sich die deutschen Unternehmen aber eher zurück. Andere Länder, wie China, die USA oder die Türkei sind da viel aktiver. Die deutsche Wirtschaft läuft so Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.