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Hightech beim Autoklau: Keyless macht es Dieben leicht | BR24

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Alle 30 Minuten wird in Deutschland ein Auto geknackt und die Diebe haben oft leichtes Spiel, weil sich moderne Autos per Funk öffnen lassen.

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Hightech beim Autoklau: Keyless macht es Dieben leicht

Bei modernen Autos haben Diebe leichtes Spiel. Keyless-Technik ist nicht sicher. Zwar haben die Hersteller nachgerüstet, aber auch die neueste Generation hat Sicherheitslücken, zeigt ein Test von BR und ADAC.

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Der Schlüssel steckt in der Hand- oder Hosentasche und trotzdem lässt sich das Auto wie von Zauberhand öffnen. Das ist chic und wenn man die Hände voll hat auch ziemlich praktisch.

Aber: Für Autodiebe ist das Knacken der sogenannten Keyless-Technologie ein Kinderspiel. Gerade erst hat der ADAC eine Liste veröffentlicht. Von 273 Modellen mit Keyless-Go-Technologie konnten die Fachleute 95 Prozent problemlos öffnen, mit Funktechnik.

Funksignal lässt sich von Dieben leicht abfangen

Bei der sogenannten Keyless-Technik ist kein Knopfdruck nötig, das Fahrzeug öffnet automatisch per Funksignal, sobald der Autoschlüssel in der Nähe ist. Die Täter wissen das und verlängern das Funksignal vom Aufbewahrungsort des Autoschlüssels zum Auto, starten den Wagen und fahren davon.

Das ist möglich, weil die Funkverbindung bei der jüngsten Schlüsselgeneration dauerhaft aktiviert ist. Einige Hersteller haben jetzt reagiert und statten ihre Keyless-Schlüssel mit Bewegungssensoren aus. Das heißt: Die Schlüssel sollen kein Signal empfangen, wenn sie sich in Ruheposition befinden.

Auch neue Keyless-Generation nicht sicher

Doch innerhalb eines gewissen Zeitfensters gelingt Dieben der Zugriff auf den Funkschlüssel nach wie vor, wie ein Test des Bayerischen Rundfunks zusammen mit dem ADAC zeigt.

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Täter beim Keyless-Klau, Originalaufnahme Millionen Autos in Deutschland nutzen eine Keyless-Technologie

Mit einer Funkverlängerung aus dem Elektrofachhandel können wir in unserem Test auch die neueste Keyless-Technologie knacken. Diebe müssen dazu nur schnell genug sein und zuschlagen, ehe sich der vom Autobesitzer abgelegte Schlüssel deaktiviert.

"Wenn die Diebe wissen, BMW, VW, Mercedes, egal welche Marke auch immer, hat jetzt diese Technik verbaut, dann müssen sie sich eben beeilen. Man kann ja quasi das Opfer verfolgen und sofort, wenn er eben den Schlüssel im Haus abgelegt hat, das Fahrzeug klauen. Also diese zwei Minuten reichen ja. Und dann ist es immer noch möglich und klar, die Diebe wissen das auch." Markus Sippl, Leiter der ADAC Fahrzeugtechnik.

320 Millionen Euro betrugen die Versicherungsschäden wegen Autodiebstahls im Jahr 2017 in Deutschland – der höchste Wert seit der Jahrtausendwende. Da die Täter die Autos zerlegen und dadurch mehr Erlös erzielen, ist der kriminelle Gewinn weit höher.

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Teilelager in Polen

Wie im Krimi: Autodieb durch Tracking überführt

Bei einem besonders spektakulären Fall in München hatten die Autodiebe allerdings Pech. Sie schafften es zwar zunächst, die Keyless-Technik zu knacken und das Auto Richtung Osteuropa zu fahren. Der Wagen von Tom Biederstaedt aber war mit einer Überwachungskamera und einem elektronischen Fahrtenbuch ausgestattet. Auf das kann Biederstaedt über seinen Computer daheim zugreifen und diesen Zugriff schaltet er auch für die Polizei frei.

"Dann konnten wir im Prinzip online sehen, wo mein gestohlenes Fahrzeug zu dem Zeitpunkt gerade fuhr. Und das ist ein ganz komisches Gefühl, dass man weiß, es sitzt jemand Fremdes in seinem Auto. Ich sehe das Fahrzeug, kann aber nicht darauf zugreifen. Aber das hat der Polizei sehr geholfen, weil die da sehr schnell reagieren konnte." Tom Biederstaedt, Diebe stahlen sein Auto

Die Münchner Polizei informierte das Lagezentrum im bayerischen Schwandorf über das flüchtende Fahrzeug. Dort sitzen auch tschechische Beamte mit am Tisch und die schickten die brisante Fahndung weiter zu ihren Kollegen in Hradec Kralové in Tschechien.

Nach einer krimireifen Verfolgungsjagd, bei der auch Schüsse fielen, gelang es der tschechischen Polizei, den Autodieb kurz vor der polnischen Grenze zu stoppen.

Dennoch: Der Dieb ist nur ein kleiner Fisch, er hätte für den Autoklau ein paar Hundert Euro kassieren sollen. Die Hintermänner im Osten Europas jedoch, die sind noch frei.

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Bei modernen Autos haben Diebe leichtes Spiel. Keyless-Technik ist nicht sicher. Zwar haben die Hersteller nachgerüstet, aber auch die neueste Generation hat Sicherheitslücken, zeigt ein Test von BR und ADAC.