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Auch wenn weltweit vor allem die Königsschlösser bekannt sind: Was Ludwig II. an Technik eingeführt hat, prägt Bayern bis heute

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    High-Tech: So führte Ludwig II. Bayern ins Industriezeitalter

    König Ludwig II. war mehr als nur ein Träumer oder Märchenkönig. Er war Wegbereiter des modernen Bayern, führte sein Land ins Technik-Zeitalter. Noch heute profitieren Industrie und Forschung von den Visionen des Monarchen aus dem 19. Jahrhundert.

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    Von
    • Martina Schuster
    • Johannes Thürmer

    Die Welt kennt ihn als Märchenkönig. Doch König Ludwig II. ist mehr als das. Er setzte auf modernste Technik in seinem Königreich und förderte dort ansässige Unternehmen. So entstanden in Bayern etwa das erste fest installierte Kraftwerk der Welt sowie das erste elektrisch beleuchtete Theater in Deutschland.

    Ludwigs Prunkschlitten: Eine technische Sensation

    Im Marstallmuseum in München-Nymphenburg sind Beispiele zu sehen, wie Ludwig II. Bayern in die Moderne geführt hat. So schlummert etwa im Prunkschlitten des Märchenkönigs eine technische Sensation. Das Fahrzeug verfügt über eine elektrische Beleuchtung – vermutlich die erste der Welt. Eingebaut, kurz nachdem Thomas Edison die Glühbirne zum Patent angemeldet hatte.

    "Muss wie ein Ufo ausgesehen haben"

    "Die Batterie war im Kasten unter der Sitzbank untergebracht", erklärt Heinrich Piening von der Bayerischen Schlösserverwaltung. Auf der Rückseite des Fahrkastens gab es einen Schalter und ein Potentiometer, um die Helligkeit einstellen zu können. "Die Birnen waren sehr empfindlich, sie müssen sehr hell gewesen sein." Ein Ölgemälde im Marstallmuseum zeigt, wie das Ganze wohl gewirkt haben muss: Ludwig gleitet durch die verschneite Landschaft des Graswangtals bei Linderhof – im grellen Licht der elektrischen Beleuchtung.

    "Es gibt Beschreibungen, dass der König damit gefahren ist, und das muss wie ein Ufo ausgesehen haben." Heinrich Piening, Bayerische Schlösserverwaltung
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    Das Ölgemälde im Marstallmuseum zeigt, wie Ludwig mit seinem elektrisch beleuchteten Prunkschlitten durch die verschneite Landschaft fährt

    Wie durch ein Wunder hat eine originale Glühbirne dieses Schlittens Revolution und zwei Kriege überstanden. Sie befindet sich mittlerweile in Regensburg, im Haus der Bayerischen Geschichte und ist sogar noch funktionstüchtig.

    Ebenfalls dort: ein Generator aus Ludwigs Schloss Linderhof. Er lieferte seinerzeit den Strom für die Beleuchtung der Venusgrotte, die der König dort bauen ließ – mit allem, was an Technik in dieser Zeit möglich war. Dafür beschäftigte er die bekanntesten Forscher und Ingenieure des 19. Jahrhunderts. Es entstand das erste fest installierte Kraftwerk der Welt. Mitten im Gebirge eine technische Meisterleistung, von der kaum einer seiner Untertanen etwas ahnte. Zu sehen ist von dem Kraftwerk heute fast nichts mehr. Denn in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Maschinen herausgerissen und verschrottet.

    Ludwig II. – ein Vorreiter in Sachen Beleuchtung

    Ludwig II. setzte auf die modernste Technik in seinem Königreich und förderte damit auch hier ansässige Unternehmen, wie Christoph Frank vom Siemens Historical Institute erklärt: "Das hat sich ausgewirkt auf alle Firmen, die im elektrotechnischen Bereich tätig waren. Nicht nur auf Siemens, sondern auch auf die anderen Firmen. Ludwig war mit dieser Beleuchtung seiner Grotte im Endeffekt eine Art Vorreiter." Dieses Beispiel zeige, was möglich sei, "wenn ein interessierter Kunde mit einem Anbieter von technologischen Lösungen zusammenarbeitet. Und es war im Endeffekt eine Demonstration dessen, was technisch machbar ist."

    Das erste elektrisch beleuchtete Theater Deutschlands

    Nur wenige Jahre später ist es wiederum Ludwig, der diese Technologie für die Allgemeinheit einsetzt. Er will das Münchner Nationaltheater elektrifizieren. Nicht mit Kohlebogenlampen, sondern mit den wesentlich leiseren Glühbirnen, wie auf dem Programmzettel der Premiere im Jahre 1885 stolz vermerkt ist.

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    Ein Programmzettel des Münchner Nationaltheaters 1885: Erstmals wird das Theater mit Glühbirnen beleuchtet.

    Ludwig II. will Bevölkerung für neue Technologien begeistern

    Bayern, damals noch überwiegend ein Agrarstaat, soll beim Fortschritt ganz vorne mitspielen. Deshalb gründet Ludwig II. die heutige Technische Universität München und kümmert sich persönlich um die hochkarätige Besetzung der Lehrstühle. Große Forscher beruft Ludwig II. an die Technische Universität. Unter ihnen Carl von Linde, der Erfinder der künstlichen Kühltechnik und Gründer des gleichnamigen Weltunternehmens. Noch heute profitieren viele Branchen von Lindes Erfindung, etwa das Brauwesen. Auf Schloss Kaltenberg leitet ein Nachkomme Ludwigs II. die König-Ludwig-Brauerei: Prinz Luitpold von Bayern. Für den bayerischen Prinzen ist es kein Zufall, dass Ludwig II. Forscher und Erfinder angeworben hat.

    "Er hat erkannt, was man mit Technik machen kann, wo sie zu einem angenehmeren Leben führen kann oder zur Umsetzung von Zielen dienen kann. Da hat er ein extrem gutes Gespür gehabt für das, was man vielleicht machen könnte." Luitpold Prinz von Bayern

    Auch wenn weltweit vor allem die Königsschlösser bekannt sind: Was Ludwig II. an Technik eingeführt hat, prägt Bayern nach wie vor. Einige Unternehmen, die er damals gefördert hat, gehören heute zu den Tragsäulen der bayerischen Wirtschaft.

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