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Steigende CO2-Kosten, üppige Förderung und auch die Jahreszeit sind optimal, um über eine neue Heizung nachzudenken. Vor allem, wenn sie schon etwas älter ist. Wichtig ist, sich rechtzeitig Gedanken zu machen und einen Energieberater einzubeziehen.

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Das ist bei einem anstehenden Heizungstausch zu beachten

Steigende CO2-Kosten, üppige Förderung und auch die Jahreszeit sind optimal, um über eine neue Heizung nachzudenken. Vor allem, wenn sie schon etwas älter ist. Wichtig ist, sich rechtzeitig Gedanken zu machen und einen Energieberater einzubeziehen.

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  • Dirk Vilsmeier

Die Heizsaison ist so gut wie rum. Und es war, so viel lässt sich schon sagen, vor allem nach dem kalten April, keine verbrauchsarme Winterzeit. Auch wenn sich die Kosten möglicherweise in Grenzen gehalten haben, da Brennstoffe wie Öl und Gas phasenweise extrem billig waren.

Kosten fürs Heizen steigen

Das dürfte allerdings eine Ausnahme gewesen sein. In den kommenden Jahren ist absehbar, dass – auch durch die höhere finanzielle Belastung des CO2-Ausstoßes – die Kosten für Heizungen steigen werden, die fossile Brennstoffe nutzen. Hinzu kommt die absehbare Verpflichtung für Vermieter, sich an den CO2-Kosten ihrer Mieter zu beteiligen. Zeit also, über einen Heizungstausch nachzudenken.

Rechtzeitig über Heizungstausch nachdenken

Die wichtigste Eingangsempfehlung dafür ist: Rechtzeitig nachdenken! Besser jetzt, als im kommenden Winter, wenn die Heizung im Januar bei minus 20 Grad ausfällt. Dann nämlich bleiben wenig Möglichkeiten, sich ernsthaft mit dem Projekt auseinanderzusetzen.

Es ist banal. Und trotzdem verpassen offenbar zahlreiche Hausbesitzer den richtigen Zeitpunkt, um über eine neue Heizung nachzudenken. Die stünden dann erheblich unter Zeitdruck, so Peter Schick, der bei der Stiftung Warentest als Projektleiter schon verschiedene Heizungstests geleitet hat.

Wann sollte man über den Heizungsaustausch nachdenken?

Anzeichen für das nahe Ende einer Heizung können beispielsweise steigende Wartungskosten oder ein höherer Verbrauch sein – oder auch ein entsprechender Hinweis von Kaminkehrer oder Wartungsmechaniker. Aber auch das Alter spielt eine Rolle. So ab 15 Jahren sollte man zumindest mal prüfen lassen, wie es um die Anlage steht. Dann ist man auf den Fall der Fälle vorbereitet und weiß zumindest schon einmal, was man will.

Und man habe auch noch Gelegenheit etwas ganz wichtiges Anderes klären, so Schick: "Wenn die vorhandene Heizung noch läuft, dann sollte man in der Situation zunächst mal an die Verbesserung des Wärmeschutzes des Hauses denken."

Gute Dämmung ist die beste Investition – noch vor der Heizung

Vergleichsberechnungen der Stiftung hätten gezeigt, dass ein gut gedämmtes Haus die geringsten jährlichen Gesamtkosten für den Wärmebedarf habe – egal, welches Heizungssystem genutzt wird. "Also erstmal für Wärmedämmung sorgen – und sich dann um die Heizung kümmern", betont Schick.

Ein ordentlich neu gedämmtes Haus braucht nur noch rund die Hälfte der bisherigen Wärmeenergie. Das hat dann auch Einfluss auf die benötigte Heizung, die beispielsweise deutlich kleiner dimensioniert werden kann. Ein Passivhaus, um ein Extrembeispiel für Dämmung zu nennen, braucht gar keine richtige Heizung mehr.

Diese Heizungen kommen in Frage

Geht es dann um die konkrete Heizung, kommen derzeit vor allem drei Grundtypen in Frage, nachdem Ölheizungen ja eigentlich nicht mehr in Betracht kommen: eine Gasbrennwertheizung, die Erdgas ziemlich effizient nutzt, die Wärmepumpe, die Erd- oder Luftwärme fürs Heizen nutzt, dazu aber zusätzlich auch noch Strom verbraucht – oder ein Heizkessel, der fast klimaneutral Holzpellets verbrennt. Immer häufiger werden diese Systeme noch durch eine Solaranlage ergänzt, die Warmwasser oder Strom erzeugt – oder beides. Hinzu kommen in manchen Gemeinden eine Nah- oder Fernwärmeversorgung. Da wird dann nur noch ein Wärmetauscher im Keller benötigt.

Die jährlichen Betriebskosten dieser Anlagen (jenseits der Nah- und Fernwärme), inklusive der umgelegten Anschaffungskosten, sind sich erstaunlich ähnlich, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Sie liegen bei 2.500 bis 3.500 Euro im Jahr. Allerdings sehr unterschiedlich auf Investition und jährliche Brennstoffkosten verteilt.

Pelletheizungen sind beispielsweise teuer. Sie werden aber vergleichsweise alt. Oder: Systeme ohne solare Unterstützung sind günstiger beim Kauf – kosten aber im Betrieb dann jährlich mehr, weil die kostenlose Unterstützung durch die Sonne fehlt.

Umweltwirkung der Heizungen sehr unterschiedlich

Große Unterschiede gebe es dagegen bei der Umweltwirkung, so Heizungstester Schick. In erster Linie hänge das davon ab, wieviel Erneuerbare Energien in die Wärmeerzeugung eingebunden würden, sei es Wärmekollektoren für warmes Wasser und Heizung oder Photovoltaik für den Strom für beispielsweise eine Wärmepumpe. Fast klimaneutral ist auch eine Holzpellet-Heizung.

Anteil Erneuerbare Energie ist Voraussetzung für Förderung

Das Nutzen von Erneuerbaren Energien ist dabei auch die Grundvoraussetzung für Fördergelder, sagt Henri Lukas, der sich bei der Deutschen Energieagentur damit beschäftigt. Egal, ob die alte Ölheizung ersetzt wird oder ein anderes Heizsystem. Bis zu 60 Prozent der Kosten könnten dann von einem Förderprogramm übernommen werden.

Energieberatung wichtiger Einstieg in die Überlegungen

Genauso wie Peter Schick von der Stiftung Warentest empfiehlt Lukas den Einsatz eines Energieberaters. Der könne fachgerecht prüfen und aufzeigen, ob zusätzliche Wärmedämmung sinnvoll ist, welcher Heizungstyp zum Haus passt und ob es dafür Förderung gibt. Das in der Regel geförderte Honorar amortisiere sich schnell, wenn am Ende das richtige System für Wärme sorge. "Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert diese unabhängige Energieberatung mit 80 Prozent des Beratungshonorars."

In einer solchen Beratung werde zusammen mit dem Bauherrn ein Sanierungsfahrplan erstellt. Damit bekomme der Bauherr einen Überblick darüber, welche Maßnahmen er umsetzen sollte, um auf möglichst niedrige Energiekosten und einen möglichst wirtschaftlichen Weg dorthin zu kommen.

Werden die Maßnahmen aus dem Sanierungsfahrplan umgesetzt, kann es später zusätzliche fünf Prozent Förderung geben. Energieberater wüssten dabei nicht nur über die Programme von KfW und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz Bafa, Bescheid. Sie kennen auch die regionalen und lokalen Möglichkeiten für eine finanzielle Unterstützung beim Heizungstausch. Derzeit werden energetische Sanierungen und neue Heizungen teils üppig unterstützt.

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