Symbolbild: So erkennen Sie Fehler in Ihrer Heizkostenabrechnung
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So erkennen Sie Fehler in Ihrer Heizkostenabrechnung

Die Heizkostenabrechnung für das Jahr 2022 kann teuer werden. Einfach zahlen sollten Betroffene aber nicht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband stellt fest: Jede zweite Rechnung ist nicht korrekt. Er hilft mit praktischen Tipps bei der Fehlersuche.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Es kann ein Schock sein, wenn Bürgerinnen und Bürger in diesen Tagen ihre Heizungsabrechnung für das Jahr 2022 öffnen. Die Summen sind oft weitaus höher, als ohnehin schon angenommen. "Es gibt kaum jemanden, der aus der Nummer rauskommt", sagt auch Gisela Kienzle von der Verbraucherzentrale Bayern. In den sauren Apfel beißen und einfach bezahlen, muss aber nicht unbedingt der richtige Weg sein.

Verbraucherzentrale Bundesverband: Fast jede zweite Rechnung fehlerhaft

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat festgestellt, dass fast jede zweite Rechnung Fehler enthält. Wer die entlarvt, kann unter Umständen bares Geld sparen. Gisela Kienzle macht im Beratungsgespräch daher erst einmal eine Aufschlüsselung der Rechnung. Zuerst kommen die Kosten für das gesamte Haus. Dann die der einzelnen Wohnung. Hier sollten Mieter schauen, ob wirklich der Verbrauch jeder einzelnen Wohnung berücksichtigt wurde, oder ob die Gesamtsumme einfach durch die Anzahl der Wohnungen geteilt wurde. Ist das der Fall, können sich Mieter wehren.

Stimmt der Verteilschlüssel?

Auch wenn aus der Abrechnung ersichtlich ist, dass die Kosten nicht pauschal verteilt wurden, sollten Vermieter überprüfen, ob der Verteilschlüssel stimmt. Das bedeutet, ob die Kosten korrekt auf die einzelnen Parteien umgelegt wurden. Die entsprechende Vereinbarung steht im Mietvertrag und darf vom Vermieter nur zu Beginn einer Abrechnungsperiode geändert werden. Der Mieter muss darüber informiert werden. Es lohnt sich also in den Mietvertrag zu schauen und zu überprüfen, ob die aktuelle Rechnung denselben Schlüssel hat, wie die vom Vorjahr.

Stimmt das Nutzerverhalten?

Gisela Kienzle geht im Beratungsgespräch aber auch auf das eigene Heizverhalten ein: "Wenn zum Beispiel vor einem Heizkörper eine Couch platziert ist, nimmt der Heizkostenverteiler ganz viel Wärme ab." Folglich steigen die Heizkosten, "obwohl Sie frieren im weitesten Sinne."

Vergleichen Sie die Abrechnungssumme mit dem Verbrauch der vergangenen Jahres

Ein Blick auf die Vorjahresrechnung ist auch bezüglich der zu bezahlenden Summe hilfreich, so der Verbraucherzentrale Bundesverband. Selbst wenn die Heizkosten gestiegen sind, sollten sie nicht exorbitant über dem Wert der Vorjahre liegen. Wenn Sie immer gut mit der Energie gehaushaltet haben und Ihre Rechnung plötzlich unverhältnismäßig viel höher ist, sollten Sie sie durch einen Experten prüfen lassen.

Wurden die Vorauszahlungen korrekt berücksichtigt?

Auf der Abrechnung muss ersichtlich sein, in welcher Höhe Sie bereits Vorauszahlungen geleistet haben. Überprüfen Sie, ob diese korrekt berücksichtigt wurden.

Überprüfen Sie die Preise für Öl, Gas oder Fernwärme

Die Energiekosten sollten sich grob an den Preisrichtlinien von 2021 orientieren. Diese sind laut Verbraucherzentrale Bundesverband für Erdgas: Fünf bis zehn Cent pro kWh; bei Heizöl: 60 bis 90 Cent pro Liter; bei Fernwärme: 90 bis 150 Euro pro MWh und bei Flüssiggas: 50 bis 75 Cent pro Liter. Weichen die Kosten auf der Rechnung stark davon ab, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass nicht korrekt abgerechnet wurde.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat als Hilfe auf ihrer Seite einen Energiepreisrechner eingerichtet, der dabei helfen kann, die korrekten Zahlen zu ermitteln. Damit arbeitet auch Energieberaterin Kienzle: "Ich nehme den Betrag, der auf meiner Rechnung steht, geteilt durch meine Wohnfläche. Und damit habe ich diese Kenngröße Kosten pro Quadratmeter und Jahr."

Bei Flüssiggas und Heizöl Restbestand und Preise einzelner Lieferungen anschauen

Bei mit Flüssiggas oder Heizöl betriebenen Häusern gilt es zu beachten, was auf der Rechnung an Restbestand angegeben ist. Der zu Beginn des Abrechnungszeitraums im Tank verbliebene Kraftstoff muss berücksichtigt werden. Ist der Restbestand mit null Litern angegeben, ist das höchstwahrscheinlich nicht korrekt. Die Kosten müssen zudem nach Lieferung berechnet werden. War die erste Lieferung eines Jahres also besonders günstig, muss zunächst dieser niedrige Preis berechnet werden. Es kann gut sein, dass die hohen Kosten späterer Einkäufe erst im folgenden Jahr auf der Rechnung sichtbar werden.

Sind Reparaturen in die Kosten mit eingerechnet?

Der Vermieter berechnet zu den Heizkosten auch Heiznebenkosten. Diese sind auf der Rechnung einzeln aufgeführt und beinhalten Posten wie den Schornsteinfeger oder Wartungskosten der Heizung. Reparaturkosten an der Heizung dürfen allerdings nicht berechnet werden.

Ist die Dezember-Soforthilfe berücksichtigt?

Mit der Dezember-Soforthilfe will der Staat Bürgerinnen und Bürger entlasten und hat deshalb die Abschlagszahlung für die Heizkosten für Dezember 2022 übernommen. Ob diese Hilfe aber in der Rechnung berücksichtigt wurde, ist auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Denn die Soforthilfe muss zwar in der Abrechnung ausgewiesen sein. Das betrifft aber nur den Gesamtbetrag für die Vermieterinnen und Vermieter, nicht die Entlastung für einzelne Mieter. Mieter können sich aber vom Vermieter die Belege zeigen lassen und so überprüfen, ob die Soforthilfe berücksichtigt wurde oder nicht.

Rechtzeitig Widerspruch einlegen

Wer auf seiner Rechnung Unstimmigkeiten entdeckt hat, sollte rechtzeitig Widerspruch einlegen. Zwölf Monate ab Erhalt der Rechnung sind Verbraucher dazu berechtigt. Der Widerspruch muss schriftlich eingereicht werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat einen entsprechenden Musterbrief auf seine Seite gestellt. Wer sich trotzdem unsicher ist, kann sich bei den Verbraucherzentralen auch beraten lassen.

Adressat des Widerspruchs ist der Vermieter. Dieser gibt einen möglichen Messfehler an die Verwaltung weiter, um eine Korrektur zu veranlassen. Nur: Eine Korrektur einer einzelnen Wohnung bedeutet, dass ganze Gebäude muss neu berechnet werden. "Zahlt einer zu viel, zahlt ein anderer zu wenig. Also muss das ganze Haus je die Heizkosten Abrechnung erneuert werden.", sagt Kienzle. Da die Neuberechnung kostet, versuchen Vermieter oft eine unbürokratische Lösung mit dem Mieter zu finden.

Im Audio: Gebäudeenergiegesetz: Ist Heizen mit Holz künftig noch erlaubt?

Gespaltete Holzstücke liegen gestapelt aufeinander.
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