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Hauptversammlung: BMW wehrt sich gegen drohende EU-Kartellstrafe | BR24

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Hauptversammlung: BMW wehrt sich gegen drohende EU-Kartellstrafe

BMW will die drohende milliardenschwere Kartellstrafe der EU nicht akzeptieren. Bei der Hauptversammlung sagte der Chef des Münchner Autobauers, Harald Krüger, dass die erhobenen Vorwürfe unberechtigt seien.

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In den vergangenen Jahren waren die Hauptversammlungen von BMW fast schon tiefenentspannt. Der bayerische Autohersteller gab Aktionären kaum Grund zur Klage. Doch jetzt ist der Wind deutlich rauer geworden. So sprach ein Vertreter von Deka Investment von einem Keulenschlag, als der Autohersteller vor einem Monat mitteilte, wegen des EU-Kartellverfahrens eine Rückstellung von 1,4 Milliarden Euro bilden zu müssen.

EU vermutet illegale Absprachen bei Abgasreinigung

BMW soll sich mit anderen deutschen Herstellern bei der Abgasreinigung abgesprochen haben und muss nun mit einem hohen Bußgeld rechnen. Konzernchef Chef Harald Krüger hält die Vorwürfe der EU für unberechtigt:

"Was versteht man unter einem Kartell? Zum Beispiel: geheime Absprachen über Preise oder Verkaufsgebiete. Zum Nachteil der Kunden. Das war hier nicht der Fall. Unser Ziel war die zulässige Abstimmung von Industriepositionen. Unserer Ingenieure haben immer die innovativsten Lösungen vorangetrieben. Ein Beispiel: Der erste Diesel in Europa mit Euro 6 Zulassung war ein BMW. Weit vor der gesetzlichen Pflicht." BMW-Chef Harald Krüger

Krüger hat noch einmal bekräftigt, dass man sich - wenn erforderlich - mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Vorwürfe wehren will.

Neue Herausforderungen durch strenge CO2-Ziele

Aber auch ohne das Kartellverfahren steht BMW vor großen Herausforderungen. Die ganze Branche ist im Wandel. So müssen die Hersteller unter anderem in der EU strenge CO2-Ziele einhalten und das geht nur mit alternativen Antriebsformen wie Elektromotoren. Im Gegensatz zu VW fokussiert sich der Münchner Autohersteller nicht nur auf reine Elektroautos, sondern auf mehrere Antriebsformen, vor allem auf Plug-in-Hybride, also Verbrenner- und Elektromotoren kombiniert in einem Fahrzeug:

"Es gibt nicht die eine passende Lösung für alle Anforderungen. Deshalb werden verschiedene Antriebsformen nebeneinander bestehen. Dafür nutzen wir flexible Plattformen. Alles auf eine Karte zu setzen, das ist aus unserer Sicht nicht klug. Entscheidend ist: Wir sind handlungsfähig."

Gewinn und Aktienkurs eingebrochen

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hält diesen Weg zwar für den richtigen, insgesamt ist sie aber mit der Entwicklung von BMW unzufrieden. Auch von anderen Anteilseignern muss sich der Vorstand viel Kritik anhören, nachdem im vergangenen Jahr der Gewinn und der Aktienkurs eingebrochen sind und die Geschäftsleitung zudem davon ausgeht, dass das Ergebnis vor Steuern in diesem Jahr weiter zurückgehen wird. Mittlerweile wird sogar darüber diskutiert, ob Konzernchef Harald Krüger noch der richtige Mann an der Spitze ist. Man habe sich mehr erwartet, meint Bergdolt:

"Herr Krüger muss jetzt zeigen, was in ihm steckt. Er muss das Unternehmen wieder dort hinbringen, wo wir waren und wo alle dachten dass wir sind." Daniela Bergdolt, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Bergdolt zufolge sollte BMW auch mal darüber nachzudenken, ob nicht Deutschland für die Batterieproduktion der bessere Standort ist. Während in der Olypmiahalle Vorstand und Aktionäre über die Zukunft des Konzerns diskutierten, demonstrierten draußen vor der Hauptversammlung, junge Menschen. Sie forderten BMW auf, mehr für Klimaschutz zu tun, anstatt immer nur größere und schnellere Autos zu bauen.

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