Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion demonstrieren am Firmensitz von Munich Re und haben Plakate mit der Aufschrift «Munich Re destruction» und «Exit Fossil Fuels now» am Gebäude angebracht.
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Hauptversammlung Munich Re: Forderung nach mehr Klimaschutz

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Hauptversammlung der Munich Re: Forderung nach mehr Klimaschutz

Hauptversammlung der Munich Re: Forderung nach mehr Klimaschutz

Umweltschützer und Aktionäre haben im Umfeld der Hauptversammlung des Münchner Rückversicherers Munich Re mehr Klimaschutz angemahnt. Der Konzern hält sein Engagement in diesem Bereich aber für ausreichend.

Die Aktionäre der Munich Re können sich nicht groß beklagen, trotz zahlreicher Naturkatastrophen hat der Rückversicherer im vergangenen Jahr Milliarden verdient und will die Dividende auf elf Euro je Aktie anheben. Trotzdem gibt es am Tag der Hauptversammlung Kritik am Konzern – aber nicht von den Aktionären, sondern auch von Umweltschützern.

Klimaschützer fordern Ausstieg aus fossilen Energien

Mit Rauchfackeln und großen Bannern haben Klimaaktivisten vor der Konzernzentrale der Munich Re vor der Hauptversammlung demonstriert. Sie forderten den Vorstand auf, aus dem Geschäft mit fossilen Projekten auszusteigen. Ähnliche Kritik kam auch von anderen Seite.

So verlangt Regine Richter von der Umweltorganisation urgewald, dass der Rückversicherer bei seinen Nachhaltigkeitszielen das Tempo erhöht. Auch wenn man sehe, dass etwas geschehe, müsse die Munich Re als "Branchenprimus" vorweg gehen. "Gerade das neue Erschließen von Öl- und Gasfeldern darf nicht passieren, das muss man stoppen, da haben wir noch nichts gesehen bei der Munich Re."

Auch Aktionäre der Munich Re fordern höheres Tempo

Auch dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre geht es hier nicht schnell genug. Die Münchener Rück warne schon seit fast 50 Jahren vor den katastrophalen Auswirkungen der Klimakrise und mahne Gegenmaßnahmen an. Im eigenen Geschäft jedoch sei der Konzern zu zögerlich in seinen Maßnahmen. Die direkten Wettbewerber Swiss Re und Hannover Rück hätten begonnen, neue Öl- und Gasprojekte von der Rückversicherung auszuschließen.

Vorstand der Munich Re verteidigt die Klimastrategie

Der Vorstandschef des Konzerns, Joachim Wenning, dagegen verteidigte bei der Hauptversammlung die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens. Demnach strebt man erst ab 2050 netto null Emissionen im Öl- und Gasgeschäft an. Bei der Umsetzung der Klimastrategie komme man gut voran. Bei der Kapitalanlage habe die Munich Re 2021 die Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu 2019, dem Ausgangsjahr der Bestrebungen, bereits um rund 31 Prozent reduziert. "Uns geht es aber nicht nur darum, bestimmte Geschäfte zu beenden. Wir wollen gleichzeitig neue klimafreundliche Lösungen durch passgenauen Versicherungsschutz ermöglichen."

Munich Re lehnt sofortigen Ausstieg aus fossilen Energien ab

Der Vorstand ist offenbar trotz der aufbrandenden Kritik nicht bereit, an seiner Strategie etwas zu ändern und sofort aus dem Neugeschäft mit Öl- und Gasprojekten auszusteigen. Dabei hat Wenning in seiner Rede vor den Anteilseignern darauf hingewiesen, dass die Unwetterereignisse durch den Klimawandel häufiger und schwerer würden.

Aktionärsschützerin recht zufrieden mit Entwicklung bei Munich Re

Aber trotz des schadensreichen Vorjahres hat die Munich Re ihren Gewinn deutlich steigern können, so dass die Dividende auf elf Euro je Aktie angehoben werden soll. Die Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist voll des Lobes: "Ich bin mit der Entwicklung der Munich Re sehr zufrieden, die Dividende wird erhöht, das Ergebnis ist gut. Aber der Kurs der Aktie, der kann uns nicht gefallen, da muss das Management etwas machen."

Und es gab von den Aktionärsschützern noch einen Kritikpunkt – und zwar die Auswahl des Abschlussprüfers EY. Das Image der Prüfungsgesellschaft hat aufgrund des Bilanzskandals bei Wirecard stark gelitten. Die Munich Re will aber auch hier nichts ändern und hält an EY fest.

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