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Harter Brexit würde Region Dingolfing treffen
© Rudolf Heinz/BR
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Harter Brexit würde Region Dingolfing treffen

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat nach Informationen der "Welt am Sonntag" die Auswirkungen eines harten Brexits berechnet. Demnach wären hierzulande mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Auswirkungen auf regionaler Ebene: Dingolfing und Wolfsburg

Die Wissenschaftler haben in der Studie versucht, den Effekt eines solchen ungeregelten EU-Austritts bis auf Landkreis- und Städteebene in Deutschland herunterzubrechen. Besonders betroffen wären demnach Automobilstandorte wie Wolfsburg und Dingolfing. Denn dort stellten Volkswagen beziehungsweise BMW zusammen mit Kfz-Zulieferern die größten Arbeitgeber. Aber auch ein Technologie-Standort wie Sindelfingen oder das Mittelständler-Zentrum Märkischer Kreis in Westfalen würden demnach besonders leiden.

"Die Beschäftigungseffekte eines harten Brexits würden vor allem an den Automobilstandorten spürbar werden. " Studienautor Oliver Holtemöller, IWH.

Dingolfinger Bürgermeister hofft auf Vorsorge bei BMW

Josef Pellkofer von den Freien Wählern, der Erste Bürgermeister von Dingolfing, zählt darauf, dass das Management von BMW Vorkehrungen getroffen hat, um einen solchen harten Brexit abzufedern. Für die Stadt rechne er mit keinen Auswirkungen: BMW sei ein sehr breit aufgestelltes Unternehmen, so Pellkofer auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks: In Dingolfing entstehe ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität und autonomes Fahren. Der Standort sei sehr innovativ und für die Zukunft sicher aufgestellt. Dennoch würde die Übergangszeit nach einem harten Brexit "sehr, sehr schwierig" werden.

Freie Wähler betonen Bedeutung der Auto-Industrie für Bayern

Grundsätzlich ist Pellkofer aber noch positiv gestimmt: "Ich bin ganz zuversichtlich, dass man das nicht an die Wand fahren wird." Sein Parteifreund Florian Streibl, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag, verweist auf die grundsätzliche Bedeutung der Autobranche für Bayern: "Seien wir ehrlich: Die berufliche Existenz hunderttausender Menschen im Freistaat hängt an den Automobilherstellern und ihren vielen Zulieferbetrieben." Und weiter:

"Das Auto schafft die Mobilität, die wir in einem innovativen Land wie Bayern benötigen – gerade auch im ländlichen Raum. Wer das Auto verteufelt, der missachtet die individuellen Freiheiten unserer Bürgerinnen und Bürger." Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag.

May will nochmalige Fristverlängerung vom britischen Parlament

Die britische Premierministerin Theresa May spielt unterdessen weiter auf Zeit: Sie will nach Informationen von BBC und "Telegraph" das Parlament in London noch einmal um mehr Zeit für Nachverhandlungen mit der EU bitten. Bis Mittwoch will sie dort eine weitere Erklärung über den Stand der Verhandlungen abgeben. Einen Tag später soll über das weitere Vorgehen abgestimmt werden.

Eine Regierungssprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der 27. Februar inzwischen bereits als Datum für eine weitere Erklärung vorgesehen ist. Und auch dann hätte das Parlament noch einmal Gelegenheit darüber abzustimmen, wie es weitergehen soll. Bis zum Brexit blieben dann nur noch 30 Tage.

Opposition spricht von "Friss-oder-stirb-Strategie"

Die Opposition wirft May vor, mit ihrem Zeitspiel die Abgeordneten unter Druck zu setzen: Angesichts des Brexit-Datums 29. März versuche es May mit einer "Friss-oder-stirb-Strategie": Es bliebe dem Unterhaus dann nur noch die Wahl zwischen Mays bereits ausgehandeltem Deal und einem ungeregelten - harten - Brexit.

Ein harter Brexit würde die deutsche Auto-Industrie schwer treffen

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BR24 Redaktion

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B5 aktuell vom 10.02.2019 - 07:02 Uhr