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Wirtschaft

Harter Brexit - werden die Medikamente knapp? | BR24

© picture alliance/dpa

Medikamentenbox mit Tabletten

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    Harter Brexit - werden die Medikamente knapp?

    Ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU hätte schwerwiegende Folgen für die europäische Wirtschaft. Auch in Deutschland könnte es zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln kommen.

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    Theresa May selbst könnte ein harter Brexit besonders hart treffen – und das nicht als Politikerin, sondern als Patientin: Die britische Regierungschefin ist nämlich Diabetikerin. Sie ist angewiesen auf Human-Insulin. Das Problem: Dieses lebensnotwendige Medikament wird zu 100 Prozent importiert, größtenteils aus dem EU-Ausland, etwa aus Deutschland. Sollte ein harter Brexit kommen, rechnen britische Experten mit enormen Lieferschwierigkeiten. Die Folge: Seit Wochen schon hamstern die Briten Medikamente. Und so sind schon jetzt in vielen Apotheken einige Arzneimittel ausverkauft.

    Versorgung der Patienten in Gefahr – auch in Bayern?

    Doch nicht nur in Großbritannien könnte ein harter Brexit schwerwiegende Folgen für die Versorgung der Patienten mit notwendigen Medikamenten haben. Auch in Deutschland wird es – zumindest bei einigen Arzneimitteln – knapp. Apothekerin Martina Fischer befürchtet zum Beispiel, dass sich die sowieso schon angespannte Lage auf dem Markt weiter verschlechtert: „Es könnte sein, dass wir noch größere Lieferschwierigkeiten kriegen, als wir im Moment bei manchen Medikamenten schon haben. Und dass die Patienten nicht ordnungsgemäß versorgt werden können. Das sind die Hauptprobleme, denke ich, dass wir einfach die Medikamente, die notwendig sind, nicht bekommen.“

    Arzneimittel plötzlich ohne Zulassung

    Dabei geht es nicht nur um Lieferengpässe aufgrund von Zollkontrollen oder anderen Brexit-bedingten Verzögerungen. Bei vielen Medikamenten erlischt mit dem Brexit die Zulassung in der EU. Denn was eigentlich als deutliche Vereinfachung im europäischen Arzneimittelmarkt gedacht war, erweist sich jetzt als Problem: In den meisten Fällen werden Medikamente nur von einer nationalen Zulassungsbehörde geprüft und zugelassen, die anderen Zulassungsbehörden übernehmen dann die Zulassungen.

    Rund ein Viertel aller Medikamente wurde bislang in Großbritannien zugelassen. Doch mit dem Brexit gehört das Land nicht mehr zur EU – und die Medikamente sind wortwörtlich über Nacht in der EU nicht mehr zugelassen. Ein riesiges Problem, so Elmar Kroth vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH): „Wir erwarten Folgen in zwei Bereichen: zum einen im Bereich der Zulassungen bei den Medikamenten, bei denen die britische Behörde die Bewertungsaufgaben übernommen hat für andere EU-Mitgliedsstaaten. Und zum anderen im Bereich der sehr komplexen Lieferketten, die wir im Arzneimittelbereich haben. Im Ergebnis können Störungen dieser Lieferketten zu einer Gefährdung der Arzneimittelversorgung in Großbritannien, aber auch in Deutschland führen.“

    Die Leidtragenden dieser Brexit-bedingten Störungen werden letztlich die Patienten sein – und zwar auf beiden Seiten des Ärmelkanals.