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24 Tage Homeoffice: Harte Debatte um Heils Vorschlag | BR24

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Bundesarbeitsminister Heil hat vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer künftig mindestens 24 Tage im Jahr von zuhause aus arbeiten dürfen – sofern das möglich ist. Der Vorschlag löst viel Ablehnung aus. Den einen geht er nicht weit genug – anderen zu weit.

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24 Tage Homeoffice: Harte Debatte um Heils Vorschlag

Bundesarbeitsminister Heil hat vorgeschlagen, dass Arbeitnehmer künftig mindestens 24 Tage im Jahr von zuhause aus arbeiten dürfen – sofern das möglich ist. Der Vorschlag löst viel Ablehnung aus. Den einen geht er nicht weit genug – anderen zu weit.

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Das Homeoffice hat in der Corona-Krise Hochkonjunktur. In der IT-Branche arbeitet schon jeder zweite Beschäftigte von zu Hause aus. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will nun einen Rechtsanspruch auf 24 Tage im Jahr Homeoffice für die Bereiche einführen, in denen das möglich ist. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft lehnt das ab, die Gewerkschaften und die Grünen finden, der Vorschlag geht nicht weit genug.

Homeoffice: Beschäftigte müssen auch auf Pausen achten

Seit März arbeitet Rajko Patz von zuhause aus. Der Verkäufer bei einem US-amerikanischen IT-Unternehmen hat sich ans Homeoffice gewöhnt, weiß aber auch um die Probleme, denn gerade in der Anfangszeit von Corona habe er deutlich mehr als zuvor im Büro gearbeitet. Damit müsse man sich arrangieren.

"Man muss auch schauen, dass man eben nicht nur noch arbeitet, sondern, dass man seine Pausen macht. Dass man mittags mal rausgeht." Rajko Patz, IT-Beschäftigter

Nicht jeder Job eignet sich für Homeoffice

Wie Rajko Patz könnte es bald vielen Arbeitnehmern gehen, wenn es nach Arbeitsminister Hubertus Heil geht. Bei Arbeitnehmern in Bayern sorgt sein Vorschlag für gemischte Reaktionen. Wie eine Umfrage in Kaufbeuren zeigt.

"Bei meinem Beruf geht’s schlecht. Ich bin im Altenheim. Das funktioniert nicht gut." Frau 1
"Das wird nicht in jedem Fall die optimale Lösung sein können. Insgesamt wird wohl die Königslösung die Mitte sein. Das auf der einen Seite die persönlichen Anliegen von Beschäftigten mitberücksichtigt werden, Kinder, Familie, und so weiter. Und auf der anderen Seite aber auch Arbeitgeber." Frau 2

Arbeitgeber lehnen gesetzliches Recht auf Homeoffice ab

Und Vertreter der Arbeitgeber kritisieren den Vorschlag von Arbeitsminister Heil heftig. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft lehnt gesetzliche Regelungen ab. Durch Corona hätten sich die Betriebe mit dem Homeoffice arrangiert, in denen es möglich ist. "Wir haben ein Security-Problem, wir haben ein Organisationsproblem. Wir haben ein Ausstattungsproblem. Das wird ein Bürokratie-Monster ohne jeden Zweck", so der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft Bertram Brossardt. Stattdessen brauche es eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden sei nicht mehr zeitgemäß.

Bei Heils Gesetzesvorschlag sieht Brossardt aber noch weitere Probleme. Nicht jeder habe die entsprechende Ausstattung, um das zu machen, so Brossard. Nicht jeder einzelne könne zuhause die Betriebsgeheimnisse schützen.

DGB Bayern fordert mehr als 24 Tage Homeoffice im Jahr

Dieses Argument lässt der DGB allerdings nicht gelten. Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, hat beim Schutz der Betriebsgeheimnisse keine Bedenken. Ein Arbeitnehmer habe sowieso die Verpflichtung, bestimmte Daten zu schützen, so Jena. Die müsse er dann auch schützen, wenn er mobil oder daheim arbeitet. Das könne man ja auch im Büro nicht sicherstellen, dass niemand Daten weitergebe.

Grundsätzlich begrüßt der DGB Heils Vorstoß. Doch 24 Tage seien zu wenig, so Jena.

Grüne: Keine Strichliste für Homeoffice einführen

Auch die Parteivorsitzende der bayerischen Grünen, Eva Lettenbauer, fordert Homeoffice in noch viel größerem Umfang, als es Heil vorschlägt.

"Der Vorschlag des Arbeitsministers ist zu wenig und längst nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen ein Recht auf Homeoffice, das deutlich mehr Flexibilität ermöglicht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entschieden fördert." Eva Lettenbauer, Landesvorsitzende Bündnis90/Die Grünen Bayern

Sie setzte sich für ein alternierendes Arbeiten von Zuhause und am Arbeitsplatz ein, so Lettenbauer. Statt eine Strichliste der Tage im Homeoffice zu führen, sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr Selbstbestimmung über ihren Berufsalltag bekommen. Mit einem alternierenden Modell blieben Beschäftigte in Kontakt mit ihrem Arbeitsumfeld und könnten gleichzeitig Familie und Beruf besser vereinbaren

Privater Plausch im virtuellen Coffee-Call

Für Arbeitnehmer Rajko Patz fällt sein Fazit zum Home-Office gemischt aus. Man sei natürlich ein Stück weit flexibler im Leben. Man könne auch mal eine Waschmaschine anmachen und dann die Wäsche aufhängen. Dadurch komme man nicht abends nach Hause und habe das Problem, dass man noch die Wäsche machen müsse.

Mit seinen Kollegen verabredet er sich zum virtuellen Coffee-Call, damit der persönliche Kontakt nicht ganz wegfällt. Mindestens bis August nächsten Jahres ist er noch im Homeoffice.

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Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice für 24 Tage im Jahr - das fordert Bundesarbeitsminister Heil. Doch sein Vorschlag stößt auf ein geteiltes Echo. Auch in Bayern wird das "Mobile-Arbeit-Gesetz" kontrovers diskutiert.

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