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Handwerksmesse München: Ist das noch Handwerk? | BR24

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Immer ausgefeiltere Technologien und die Digitalisierung haben auch das Handwerk in den vergangenen Jahren stark verändert. Das ist auch auf der Internationalen Handwerksmesse zu sehen, die heute in München begonnen hat.

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Handwerksmesse München: Ist das noch Handwerk?

Umsatzplus für die Handwerker, Fachkräftemangel, Brexit und neue Technologien. Das sind die Themen auf der Internationalen Handwerksmesse in München.

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Es läuft rund bei den Handwerkern, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Im vergangenen Jahr betrug das Umsatzplus fünf Prozent. Dieses Jahr wird es wohl nicht mehr ganz so dynamisch weitergehen, schätzt der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. Trotzdem könnte das Wachstum vier Prozent betragen. Was ihm Sorge bereite, ist der bevorstehende Brexit:

Wir sind mit mehreren tausend Betrieben direkt im Vereinigten Königreich beschäftigt. Aber wir sind natürlich auch der Zulieferer der deutschen Industrie und von daher wird es Auswirkungen haben.

Der Bundesregierung stellt das Handwerk ein schlechtes Zeugnis aus. Die Kritik: zu viele Ausgaben für sozialpolitische Leistungen, Stichwort Mütterrente. Außerdem solle der Solidaritätszuschlag komplett abgeschafft werden. Hohe Lohnkosten treffen das Handwerk ganz besonders, weil es beschäftigungsintensiv ist. Außerdem solle Bürokratie abgebaut werden. Kritik, die bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier angekommen ist:

Ich nehme die Kritik von Herrn Wollseifer als Ansporn. Als Wirtschaftsminister setze ich mich seit Bildung der Regierung dafür ein, dass wir Bürokratieentlastung betreiben, dass wir die Rahmenbedingungen verbessern. Das Handwerk in Deutschland ist in einer guten Verfassung, wir verdanken ihm viel. Wir müssen aber die Unternehmer unterstützen, wir müssen junge Menschen zur Selbständigkeit ermutigen und da muss und kann die Große Koalition noch besser werden.

Eines der größten Probleme des Handwerks: der Fachkräftemangel. Hier will die Bundesregierung mit dem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz gegensteuern, um so Arbeitnehmer aus dem Ausland zu gewinnen. Dem Handwerk fehlen 250 000 qualifizierte Mitarbeiter, mit der Folge, dass die Betriebe Aufträge ablehnen müssen. Das Problem sei zu wenig Nachwuchs, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Im vergangenen Jahr konnten 17 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, so Wollseifer:

Warum bekommen wir die nicht? Wir haben deutlich weniger Schulabgänger als das noch vor zehn oder 12 Jahren der Fall war, 120 000 weniger. Und wir haben einen hohen Drang ins Studium. Fast 60 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland streben ins Studium, da fehlen uns natürlich viele.

Um die Jugendlichen für eine Ausbildung zu begeistern, können sie auf der Internationalen Handwerksmesse vor Ort Berufe ausprobieren. Dieses Jahr präsentiert sich das Handwerk besonders modern. Mit 3-D-Druckern und digitalen Anwendungen, Computer statt Blaumann. Wollseifer sieht darin eine Chance für die ganze Branche:

Wir räumen auf mit den alten Klischees, dass Handwerk schmutzig ist und schwere Arbeit nur der Fall ist im Handwerk. Das hat sich wirklich in Zeiten der Digitalisierung doch sehr stark geändert.

Mehr Fachkräfte könnte dem Handwerk auch von der Wiedereinführung der Meisterpflicht in vielen Berufen bescheren. Seit 2004 kann sich zum Beispiel jeder als Fliesenleger selbständig machen, auch ohne Meistertitel. Die Folge: die Zahl der Meister und Azubis ist hier zurückgegangen. Jetzt will die Bundesregierung eine Rückkehr zur Meisterpflicht unterstützen, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Ich sehe gute Chancen, dass wir in einer Reihe von Berufen die Meisterpflicht wieder einführen können. Unser Ziel ist es ja, dort, wo sie noch besteht, sie zu erhalten und zu überprüfen, wo es notwendig ist. Auch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, die Meisterpflicht wieder einzuführen. Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des Jahres hier zu konkreten Ergebnissen kommen können.

So könnte es sein, dass die Meisterpflicht schon Anfang des nächsten Jahres in vielen Berufen wieder gilt.

© BR/Karsten Böhne

Fachkräftemangel, Brexit und neue Technologien, das sind die Themen auf der Internationalen Handwerksmesse in München. Über Auftragsmangel kann sich die Branche nicht beklagen.