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Handwerk rechnet mit Wachstum - fürchtet aber den Brexit | BR24

© BR/Karsten Böhne

Kurz vor Beginn der Internationalen Handwerksmesse in München zeigen sich die Betriebe vorsichtig optimistisch. In diesem Jahr wird es wohl weiter aufwärts gehen allerdings nicht mehr ganz so rasant.

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Handwerk rechnet mit Wachstum - fürchtet aber den Brexit

Kurz vor Beginn der Internationalen Handwerksmesse in München zeigen sich die Betriebe vorsichtig optimistisch. In diesem Jahr wird es wohl weiter aufwärts gehen - allerdings nicht mehr ganz so rasant.

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Wer derzeit einen Handwerker sucht, der dürfte Schwierigkeiten haben, denn die Terminkalender der meisten sind prall gefüllt. Noch profitieren viele Unternehmen auch von Aufträgen aus dem vergangenen Jahr: 2018 konnte die Branche den Umsatz um fünf Prozent steigern. Doch es gebe dunkle Wolken am Horizont, sagt der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke.

Zentralverband: Wenn Anti-Europäer die Oberhand gewinnen, wäre das fatal

Internationale Handelskonflikte würden die Unternehmen verunsichern, genau wie die Europawahl. Wenn Anti-Europäer die Oberhand gewinnen, wäre das fatal. Dazu komme der bevorstehende Brexit. Deshalb geht die Branche davon aus, dass es in diesem Jahr nicht mehr ganz so rasant aufwärts geht.

"Das Handwerk und seine Betriebe sind vielfältig betroffen, in den meisten Fällen mittelbar in der Funktion als Zulieferer für die Industrie. Aber man darf nicht unterschätzen, dass viele Betriebe dienstleistend auf der Insel unterwegs sind, sei es im Bau- oder Ausbaubereich beispielsweise." Holger Schwannecke, Generalsekretär Zentralverband des Deutschen Handwerks

Trotz Brexit-Sorgen: Mehr Jobs im Handwerk erwartet

Neue Hürden könnten Unternehmen davon abhalten, sich in Großbritannien zu betätigen. Trotz aller Unsicherheiten rechnet Schwannecke damit, dass das Handwerk seinen Umsatz in diesem Jahr immerhin noch um vier Prozent steigern kann.

Auch die Zahl der bundesweit rund fünfeinhalb Millionen Beschäftigten der Branche könnte leicht zunehmen, um etwa 25.000 bis 50.000. Dazu müssten aber die Rahmenbedingungen stimmen. Von der Bundesregierung erwartet sich das Handwerk mehr Rückendeckung. Und weniger Ausgaben für Sozialleistungen, Stichwort Mütterrente oder Grundrente.

"Die Regierung gibt das Geld aus als gäbe es kein morgen. Für Renten, für Ansprüche, all das belastet die Beitragszahler und das trifft das Handwerk. Da müssen wir dringend umsteuern und dürfen nicht akzeptieren, dass da weiter Lasten auf den Schultern unserer Betriebe abgeladen werden." Holger Schwannecke, Generalsekretär Zentralverband des Deutschen Handwerks

In Bayern fehlen rund 30.000 Fachkräfte im Handwerk

Positiv sieht Schwannecke hingegen das geplante Fachkräfte-Einwanderungsgesetz. Derzeit fehlen allein in Bayern mindestens 30.000 Handwerkerinnen und Handwerker, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstages, Frank Hüpers. Das neue Gesetz könnte helfen, den Fachkräftemangel zu lindern.

"Das allein wird allerdings das Problem nicht lösen, es werden die Rahmenbedingungen für Zuwanderung verbessert, aber es ist ja nicht so, dass überall auf der Welt qualifizierte Fachkräfte nur darauf warten, dass sie nach Deutschland einwandern können." Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstages

Schraubenschlüssel und Blaumann - das war gestern

Die Internationale Handwerksmesse in München, die am kommenden Mittwoch beginnt, ist zumindest schon mal eine Möglichkeit, um sich weltweit zu präsentieren. Immerhin werden über 1.000 Aussteller erwartet. Das Motto soll provozieren: "Ist das noch Handwerk?" Denn Schraubenschlüssel und ölverschmierter Blaumann - das war gestern, heute sind die Betriebe digitaler und vernetzter, so die Branche. Viele Handwerker setzen auf Hightech.

"Wenn man sieht wie der Orthopädietechniker heute arbeitet, dann könnte man meinen, es ist ein Hightech-Gewerk. Ist es auch, indem er eben 3D-Druck nutzt." Dieter Dohr, Messeveranstalter

Neben dem 3-D-Druck wird auch gezeigt, wie Handwerker und Roboter Hand in Hand arbeiten. Und wer gerade baut oder modernisiert ist auf der Live-Baustelle richtig. In nur fünf Tagen wird auf der Messe ein Haus aufgebaut. Die Besucher können an geführten Rundgängen über die Baustelle teilnehmen und so aus erster Hand erfahren, worauf es beim Hausbau ankommt. Am kommenden Freitag besucht dann Bundeskanzlerin Angela Merkel die Messe.