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H-Kennzeichen: Wie nachhaltig sind Oldtimer? | BR24

© BR/Hermann Scholz

Wenn ein Auto 30 Jahre alt ist, hat es theoretisch Anspruch auf ein H-Kennzeichen und wird in Steuer und Versicherung billiger. Auch in die Umweltzone darf es einfahren - im Gegensatz zu viel jüngeren Autos. Über die Nachhaltigkeit wird gestritten.

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H-Kennzeichen: Wie nachhaltig sind Oldtimer?

Wenn ein Auto 30 Jahre alt ist, hat es theoretisch Anspruch auf ein H-Kennzeichen und wird in Steuer und Versicherung billiger. Auch in die Umweltzone darf es einfahren - im Gegensatz zu viel jüngeren Autos. Über die Nachhaltigkeit wird gestritten.

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Das berühmte H-Kennzeichen – "H" für "historisch" – ist gar nicht so leicht zu bekommen. Es wird nur an Fahrzeuge ausgegeben, die älter als 30 Jahre sind und strenge technische Kriterien erfüllen. Was viele nicht wissen: Fahrzeuge mit dem H-Kennzeichen dürfen in die Umweltzonen der Städte einfahren – viel jüngere Fahrzeuge dürfen das nicht. Auf den Vorwurf, Oldtimer seien doch "Dreckschleudern" ohne jegliche Abgasreinigung, reagieren Oldtimer-Freunde aber empfindlich: Für sie sind alte Autos nachhaltig.

Oldtimer: Gegen den Wegwerf-Trend

Peter Gorlitt aus Dirlewang im Landkreis Unterallgäu fährt eine Gangster-Limousine. So nennen Fans liebevoll den Citroën 11 CV, gebaut in den 50er Jahren - Star zahlreicher Krimis mit Lino Ventura oder Alain Delon.

Für Gorlitt steckt neben der Freude an alten Autos aber noch etwas anderes dahinter: die Nachhaltigkeit. Zum Beispiel: Statt elektrischer Fensterheber schraubt man die Ausstellfenster mechanisch mit einem Drehgriff auf und zu.

"Ich komme aus der Nachkriegsgeneration, da hat man nichts weggeworfen, sondern alles weiterverwendet. Und so hat man früher die Autos gebaut. Man hat's gebaut und wenn etwas kaputt war, hat man es nicht ausgetauscht, sondern repariert." Peter Gorlitt, Oldtimerfan

Bau eines Autos verbraucht viel Energie

Zwischen 15 und 20 Prozent des CO2, das ein Auto im Laufe seines Lebens in die Umwelt entlässt, entsteht allein schon bei der Produktion. Das spart man sich schon mal, wenn man das Auto so lange wie möglich fährt.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat eigens untersuchen lassen, ob Oldtimer maßgeblich zu den Schadstoffen in der Luft beitragen. Das Ergebnis: Der Beitrag der Oldtimer ist gering. Das liegt zum einen daran, dass sie nicht viel gefahren werden. Insgesamt machen Oldtimer aber auch nur rund 1,5 Prozent an der Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge in Deutschland aus – auch wenn ihre Zahl in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

H-Kennzeichen schützt technisches Kulturgut

Johannes Hölzle, den Vorstand der Oldtimerfreunde Mindelheim, treibt etwas anderes um. Manche benutzten das H-Kennzeichen, um trotz Umweltzonen in die Innenstädte zu fahren, kritisiert er. Für ihn ist das Missbrauch einer wichtigen Regelung.

"Das H-Kennzeichen ist für uns Oldtimer-Freunde natürlich sehr wichtig. Denn es bietet gewisse Ausnahmeregelungen zum Erhalt und zum Betrieb von technischem Kulturgut." Johannes Hölzle, Vorstand der Oldtimerfreunde Mindelheim

Die meisten fahren im Alltag doch die neuen Autos

Ressourcen schonen, nachhaltig Auto fahren – natürlich betonen Oldtimer-Liebhaber, wie umweltfreundlich ihre Lieblinge sind. Ganz so rosig ist die Bilanz aber nicht, räumt Jan Hennen, Vizepräsident des Bundesverbandes Oldtimer-Youngtimer DEUTEV ein.

Zwar seien die Abgaswerte alter Autos teilweise gar nicht so schlecht – früher hat man leichtere Autos gebaut, die dann auch weniger stark motorisiert waren. Außerdem kommen inzwischen die ersten Autos mit Katalysator in die Jahre und werden selbst zu Oldtimern. Tatsache ist aber, dass die meisten Oldtimer-Freunde ihre Lieblinge im Alltag gar nicht nutzen – dafür haben sie neue Autos. Aber trotzdem ist das Erhalten eines alten Autos natürlich nachhaltiger, als es einfach zu verschrotten. Und schöner ist es auch.

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