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Grundsatzurteil: Airline haftet für Kaffee-Unfall | BR24

© ARD/Klaus Hempel

Airline haftet für Kaffee-Unfall

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Grundsatzurteil: Airline haftet für Kaffee-Unfall

Ein Becher mit heißem Kaffee rutscht im Flugzeug von einem Ausklapptisch, ein Mädchen erleidet Verbrühungen. Die Airline findet, sie könne für den Unfall nicht haftbar gemacht werden. Das oberste EU-Gericht fällt ein klares Urteil.

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Ein Becher mit heißem Kaffee kippt auf einem Flug um und ergießt sich über Brust und Oberschenkel eines Mädchens. Die Sechsjährige erleidet starke Verbrühungen. Die Airline verweigerte Schmerzensgeld. Der EuGH urteilte jetzt zugunsten der Familie.

Airline haftet für alle Unfälle

Die Fluggesellschaft verweigerte Schadenszahlungen an die Familie. Die Airline war der Meinung, sie hafte nur für Unfälle, die etwas mit dem Flug zu tun hätten, etwa wenn es zu Turbulenzen kommt. Der Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sah das in seinem Grundsatzurteil anders. Die Luxemburger Richter befanden: Airlines haften automatisch, solange Passagiere einen Schaden nicht selbst verursacht haben. Flugreisende haben bei Verbrühungen durch im Flugzeug umgekippten heißen Kaffee also Anspruch auf Entschädigung.

Betrieb des Flugzeugs unerheblich

Laut EuGH könne die Haftung der Fluggesellschaften nicht davon abhängig gemacht werden, dass der Schaden im Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Betrieb eines Flugzeugs stehe. Allerdings könnten nach dem Luftfahrt-Übereinkommen von Montreal, das für die EU maßgeblich ist, Fluggesellschaften sich aus der Haftung befreien, wenn sie nachwiesen, dass Reisende selbst für den Schaden verantwortlich seien.

Unfallhergang unklar

Ob der Kaffeebecher wegen eines Defekts des Abstelltisches oder durch ein Vibrieren des Flugzeugs wegrutschte, konnte das Gericht nicht klären. Die obersten Richter folgten weitgehend der Einschätzung eines wichtigen Gutachters. Er hatte zuvor argumentiert, dass bei Verletzungen durch plötzlich eintretende Ereignisse an Bord oder beim Ein- und Aussteigen, die Fluglinie haftbar gemacht werden könne. Aber nur solange der Fluggast den Schaden nicht selbst verursacht habe.

Unglückliche Umstände

Hintergrund des Urteils war ein Fall aus Österreich. Dabei ging es um eine damals Sechsjährige, die 2015 mit der inzwischen insolventen Airline Niki mit ihrer Familie von Mallorca nach Wien flog. Eine Flugbegleiterin servierte während des Flugs Getränke. Der Vater nahm von ihr einen deckellosen Becher mit frisch gebrühtem heißen Kaffee entgegen und stellte in auf dem am Vordersitz befestigten Klapptisch ab. Das Mädchen lehnte sich zu diesem Zeitpunkt über die Armlehne an seinen Vater an. Der Kaffee geriet dann ins Rutschen und kippte. Die Sechsjährige erlitt dabei starke Verbrühungen.