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Grüner Knopf als Textilsiegel kommt | BR24

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Der Grüne Knopf - das ist ein staatliches Siegel für Bekledungsfirmen, die eine Reihe von sozialen und ökologischen Kriterien bei der Textilproduktion einhalten. Entwicklungsminister Müller gibt den Startschuss dafür.

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Grüner Knopf als Textilsiegel kommt

Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte Entwicklungsminister Müller ein staatliches Gütesiegel für fair produzierte Kleidung angekündigt. Heute hat er das Siegel "Grüner Knopf" für sozial und ökologisch nachhaltige Textilien vorgestellt.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat heute in Berlin das staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf" vorgestellt. Vergeben wird es an Firmen, die eine Reihe von sozialen und ökologischen Kriterien bei der Textilproduktion einhalten. Dazu gehören beispielsweise Mindestanforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie eine hohe Transparenz der Unternehmen. Zunächst soll das freiwillige Siegel am Montag an 27 Firmen übergeben werden, insgesamt haben nach Angaben von Müller rund 70 Firmen Interesse am Grünen Knopf angemeldet. Von ihnen seien 50 derzeit im Überprüfungsprozess. Kleidung und andere Textilien mit dem Grünen Knopf sind ab Dienstag im Handel erhältlich

Staatliches Siegel ist freiwillig

Wer das neue Siegel "Grüner Knopf" haben möchte, muss einen von Prüfern wie dem TÜV oder der Dekra geleiteten Prozess durchlaufen. Das staatliche Siegel ist jedoch freiwillig. Es wird an erste Bekleidungsfirmen vergeben, die ihre Textilien angeblich unter strengen sozialen und ökologischen Standards herstellen lassen, wie zum Beispiel Tchibo. Sie verpflichten sich unter anderem, dass bei der Produktion Mindestlöhne gezahlt werden, Kinderarbeit ausgeschlossen ist und bestimmte Gesundheits- und Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Unglück in Bangladesch war Anlass

Hintergrund ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem vor sechs Jahren mehr als 1.100 Menschen ums Leben gekommen waren. Müller hatte das Unglück als Weckruf für Wirtschaft und Politik gewertet, sich stärker für sichere und faire Arbeitsbedingungen in der Textilwirtschaft einzusetzen. Das neue Siegel soll ein Signal auch an andere Branchen senden.

"Alle haben gesagt, man kann keine komplette Lieferkette bis in den Laden durchzertifizieren. Wir beweisen jetzt am Beispiel von Textilien: Es geht eben doch.“ Gerd Müller, Entwicklungsminister im Interview mit der Augsburger Allgemeinen

Deutschland könne es sich nicht leisten, die Bedingungen in Billiglohnländern auszublenden, so der Entwicklungsminister. Von den 25 Vorreitern, die an diesem Montag vorgestellt würden, seien zwei Drittel Mittelständler oder kleinere Unternehmen. Müller forderte den Bund, aber auch die Kommunen, Kliniken oder Polizeidienststellen auf, sich künftig am Grünen Knopf zu orientieren, wenn sie Arztkittel, Uniformen oder Bettwäsche einkaufen.

"Grüner Knopf" wird auch kritisiert

Müllers Projekt ist nicht unumstritten. Für Thilo Hoppe von "Brot für die Welt" gibt es noch Nachbesserungsbedarf. Er sprach am Montagmorgen im Bayerischen Rundfunk von einem Schritt in die richtige Richtung, "das reiche aber noch nicht". Hoppe sprach sich dafür aus, nicht nur die verpflichtende Bezahlung von staatlichen Mindestlöhnen, sondern existenzsichernde Löhne beim "Grünen Knopf" festzuschreiben.

terre des hommes: Textilsiegel erfasst "nur einen Teil des Problems"

"Das neue Siegel kann nur sehr begrenzt aussagefähig sein, da es lediglich die letzte Stufe der Lieferkette in den Blick nimmt, die Konfektionierung", erklärte Albert Recknagel, Vorstandssprecher von terre des hommes. "Das Problem sind jedoch die oft ausbeuterischen Produktionsschritte davor, nämlich Kinderarbeit im Baumwollanbau, Sklaverei in Spinnereien oder Umweltverschmutzung durch aggressive Chemikalien beim Färben. Wie und wann der Grüne Knopf auch diese Produktionsstufen siegelt, ist unklar.«"

Deutsche Textilbranche: Grüner Knopf "überflüssig"

Die deutsche Textilbranche hält den "Grünen Knopf" für überflüssig und die Kriterien für kaum kontrollierbar. Anderen geht das Vorhaben nicht weit genug. Kritisiert wird unter anderem, dass in der Startphase nur die Arbeitsbedingungen beim Nähen, Färben und Bleichen in den Blick genommen werden, nicht aber beim Weben, Spinnen und der Rohstoffproduktion.

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Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte Entwicklungsminister Müller ein staatliches Gütesiegel für fair produzierte Kleidung angekündigt. Passiert ist aber nichts. Jetzt kommt der Startschuß für den "Grünen Knopf".