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Gründerszene Würzburg: Das Potenzial ist da, Investoren sind rar | BR24

© BR/Jochen Wobser

Das Technologie- und Gründerzentrum Würzburg (TGZ)

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    Gründerszene Würzburg: Das Potenzial ist da, Investoren sind rar

    Würzburg ist nicht München oder Berlin, aber in der Mainfranken-Metropole hat sich eine beachtliche Gründerszene entwickelt. Besonders im Bereich der Bio- und Medizintechnologie gibt es erfolgreiche Start-ups. Regionale Investoren sind dagegen rar.

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    "Eine großartige Szene mit großartigen Ideen." Es ist ein selbstbewusstes Statement, mit dem die Initiative "Gründen@Würzburg" ihre Online-Präsenz einleitet. Klappern gehört schließlich zum Gründer-Handwerk und bei "Gründen@Würzburg" laufen die regionalen Fäden zusammen. Aber die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt: Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. In Würzburg hat sich eine beachtliche Gründerszene entwickelt. Es gibt Leuchtturm-Projekte und ein großes Potenzial. Bei regionalen Investoren ist dagegen noch viel Luft nach oben.

    Akteure haben Vernetzung vorangetrieben

    Einer der Hauptakteure der Szene, Dirk Jung, fasst die Entwicklung so zusammen: "In Sachen innovativer Neugründungen hat sich in Würzburg zuletzt überdurchschnittlich viel getan. Wir ernten jetzt das, was wir über Jahre hinweg gesät und an Infrastruktur aufgebaut haben." Dirk Jung ist Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Würzburg (TGZ). 2018 hat er den Job übernommen, zusätzlich zu seinem Engagement als stellvertretender Geschäftsführer des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ).

    "Es war das Ziel, die Gründerzentren in Würzburg besser zu vernetzen, dafür stehe ich in meiner Doppelfunktion", so Jung. Auch die Zusammenarbeit des TGZ mit dem dritten Gründerzentrum vor Ort, dem Zentrum für digitale Innovationen Mainfranken (ZDI), habe sich gut entwickelt. "Jetzt ziehen alle an einem Strang, das war nicht immer so."

    Würzburger Gründerszene als "funktionierendes Ökosystem"

    "Das Ökosystem der Würzburger Gründerszene funktioniert gut, da passiert sehr viel derzeit", meint auch Klaus Walther, Geschäftsführer des ZDI und, gemeinsam mit Dirk Jung, auch für die Geschäftsführung des IGZ verantwortlich. Trotz der Vernetzung der Gründerzentren mit insgesamt rund 10.000 Quadratmetern Fläche für Büros und Arbeitsplätze wolle man "keinen Einheitsbrei" schaffen. Jedes Zentrum habe sein eigenes Profil.

    So ist etwa das IGZ das einzige Gründerzentrum im erweiterten Umkreis, wo Gründer neben Büros auch Laborräume anmieten können. Das IGZ ist klar auf "Life Science" ausgerichtet, also zum Beispiel auf Medizintechnik und Biowissenschaften. In diesem Bereich ist die Würzburger Gründerszene besonders aktiv – auch wegen der Nähe zur Uniklinik, zur Universität oder dem Fraunhofer-Institut.

    © BR/Jochen Wobser

    Das Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken in Würzburg

    "Life Science" als Schwerpunkt in Würzburg

    Das bekannteste Beispiel ist die Pharmafirma Vasopharm, die 1998 als Ausgründung der Medizinischen Fakultät der Würzburger Uni entstanden ist. Seitdem forscht Vasopharm an einem Medikament zur Therapie bei Schädelhirmtraumata. Derzeit befindet sich das Medikament in der dritten klinischen Testphase. Sollte das Mittel auf den Markt kommen, wäre Vasopharm "das erste Unternehmen vom Gründerstandort Würzburg, das ein Medikament bis zur Marktreife durchbringt", sagt Dirk Jung von den Gründerzentren IGZ und TGZ. So etwas habe dann eine zusätzliche Signalwirkung für den gesamten Standort.

    Aber schon jetzt gebe es zahlreiche Start-ups – also innovative junge Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial – die am Standort Würzburg für neue Impulse sorgten, so Jung. Zum Beispiel die Lothar Medtec GmbH, die 2018 im TGZ Quartier bezogen hat. Das Start-up ist auf digitale Medizinprodukte spezialisiert. Im Vergleich etwa zu den USA ist dieser Wachstumsmarkt hierzulande noch wenig entwickelt.

    Gründerin kritisiert "zu wenig Dynamik" in Würzburg

    Auch das 2013 aus dem Würzburger Fraunhofer-Institut hervorgegangene Unternehmen Multiphon Optics hat Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Physikerin und Gründerin Ruth Houbertz hat das Start-up mit Produkten für den 3D-Druck im Nanometerbereich zum international erfolgreichen Unternehmen gemacht. Inzwischen hat sich Houbertz aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und arbeitet wieder an einer Neugründung.

    Den Gründungsstandort Würzburg sieht die 57-Jährige allerdings zwiespältig. Einerseits habe Würzburg "eine optimale Lage und ein riesiges Potenzial" an klugen Köpfen. Andererseits findet sie die Szene "zu gemütlich und zu wenig dynamisch". Gerade im Wettbewerb mit Gründermetropolen müsse man "in Würzburg auch mal auf den Putz hauen und größer denken".

    "Überschaubare Gründerszene" als Vorteil?

    Sicher, Würzburg sei nicht Berlin oder München, räumt Gerhard Frank ein. Der Projektleiter des IGZ ist auf Start-ups im Bereich "Life Science" spezialisiert. Aber die Überschaubarkeit der Würzburger Gründerszene habe auch ihre Vorteile. Man kenne und unterstütze sich, viel sei durch persönlichen Kontakt geprägt. Potenzielle Gründer könnten durch "viele niederschwellige Angebote wie Gründerstammtische" rasch in Kontakt kommen mit den Köpfen der Szene. Auch das Angebot an konkreter Beratung sei gut: Unterstützung bei Businessplänen oder wenn es darum geht, seine Start-up-Idee möglichen Investoren zu präsentieren.

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    Das Technologie- und Gründerzentrum Würzburg (TGZ)

    Würzburg fehlt eine "Investorenszene"

    Was regionale Investoren betrifft, ist Würzburg bisher nicht optimal aufgestellt. "Wir haben im Raum Würzburg zwar eine Gründerszene, aber wir brauchen auch eine Investorenszene", sagt etwa Sascha Genders. Der stellvertretende Geschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt ist für die Bereiche Existenzgründung und Unternehmensförderung zuständig. Es sei zwar letztlich nicht entscheidend, ob das Geld für eine Würzburger Gründung auch aus Würzburg komme, so Genders. Aber die Bemühungen, einen regionalen Investorenpool zu schaffen, müssten verstärkt werden.

    Bio- und Medizin-Start-ups brauchen Zeit und Geld

    Denn das Geld in der Region sei ja durchaus da, sagt etwa Klaus Walther vom ZDI. "Aber der Franke an sich ist eben eher zurückhaltend, wenn es darum geht, als Investor in Erscheinung zu treten." Hier müssten die Potenziale besser ausgeschöpft werden und es liefen auch Initiativen, um mögliche Investoren und Gründer besser miteinander zu vernetzen.

    Denn letztlich werden auch die Geldflüsse entscheidend dafür sein, wie sich die Gründerszene in Würzburg weiterentwickelt. Gerade Neuentwicklungen im Bereich der "Life Science" brauchen neben Zeit vor allem viel Geld. Die Corona-Krise sorgt bei Start-ups und Existenzgründern zusätzlich für Druck. Aber die Krise könnte auch eine Chance sein, meint Sascha Genders von der IHK. Denn gerade junge Unternehmen seien in der Lage, manche Folgen der Pandemie – etwa den "Brandbeschleuniger für die Entwicklung der Digitalisierung" – für kreative Konzepte zu nutzen.

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