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Grillen (Symbolbild)

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    Das Grill-ABC: Satt und sicher durch den Sommer

    Wurst, Steak oder doch Gemüse? Und was ist die beste Zubereitungsform? Endlich startet die Grill-Saison - und damit tauchen die entscheidenden Fragen wieder auf. BR24 hat mit dem Chef der "German Barbecue Association" gesprochen und gibt Tipps.

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    Von
    • Hanna Heim

    In einem Reihenhaus bei München stehen die vier Grills von Uli Wette. Vor 15 Jahren begann alles mit einem roten Kugelgrill, seitdem hat sich aus einem Hobby eine Leidenschaft entwickelt. Wette ist der Vorsitzende der "German Barbecue Association", dem größten deutschen Grillverein. Gerade musste er wegen der Corona-Pandemie die deutsche Meisterschaft absagen – zum Trost grillt er für den BR und gibt Tipps zum startenden Grill-Sommer.

    A wie Anzünden

    Der wahre Grillmeister schwöre auf den Anzündkamin, sagt Wette. Eine metallene Röhre, die es im Baumarkt für etwa zehn Euro zu kaufen gibt und einfach funktioniert: Kohle reinschütten, Anzündwolle darunter platzieren und dann 20 Minuten durchglühen lassen. Kein Wedeln, kein Pusten, stattdessen entspannt alles andere vorbereiten.

    B wie Bier und anderer Alkohol

    Für viele Menschen gehört das Bierchen zum Grillen dazu. Grill-Experte Wette warnt aber davor, sich zu viel zu genehmigen. Nicht nur, weil dann vor lauter Schwips die Würstchen verbrutzeln können, sondern weil es bei deutlich zu viel Alkohol im Blut auch richtig gefährlich werden kann. Umgefallene Grills, verschüttete Kohle, Kohlenmonoxidvergiftung – hat es alles schon gegeben.

    C wie Chlorreiniger

    Schon beim Wort Chlorreiniger verzieht der Grill-Experte das Gesicht. Er rät dazu, den Grillrost dann zu putzen, wenn er noch etwas warm ist – und zwar ohne jedes Putzmittel. Einfach mit einer Drahtbürste abziehen und fertig. Für die Tiefenreinigung empfiehlt Wette, den Grillrost mit nassem Zeitungspapier zu umwickeln und einzuweichen. Am nächsten Tag einfach mit dem Gartenschlauch abspülen.

    D wie Duft

    Der Duft bleibt nicht nur an der Kleidung des Grillmeisters oder der Grillmeisterin hängen, er wandert auch rüber in die gesamte Nachbarschaft. Das kann schnell zu Ärger führen. Der Grill-Experte rät deshalb dazu, die Nachbarschaft immer mal wieder einzuladen. Denn wo es gut riecht, kann man die Freude am Essen auch teilen.

    E wie Elektrogrill

    Wer einen Balkon hat oder auf keinen Fall für Rauchbelästigung sorgen möchte, dem seien Elektro- oder Gasgrills ans Herz gelegt. Zwar sind die bei der deutschen Grillmeisterschaft noch nicht erlaubt, aber deshalb sind es generell keine schlechteren Grills. Das Angebot ist inzwischen ziemlich groß und es lohnt sich, vor dem Kauf im Internet nach Erfahrungsberichten zu suchen.

    F wie Fisch und Fleisch

    Die Herausforderung beim Grillen ist ja, nicht alles in derselben Farbe vom Rost zu holen – nämlich braunschwarz. Ein gutes Lachsfilet ist leicht gemacht und schmeckt nach 20 Minuten auf dem Zedernbrett hervorragend. Fleisch braucht häufig weniger Zeit und schmeckt besonders gut, wenn es einen hohen Fettanteil hat. Bei einem guten Steak entscheiden manchmal zwei Grad Kerntemperatur mehr oder weniger darüber, ob es lecker oder ungenießbar wird. Es lohnt sich also, vorab zu überlegen, was wie viel Zeit braucht und wo auf dem Grill es den besten Platz hat.

    G wie Gemüse

    Salatherzen mit etwas Parmesan und Knoblauch, Pilze aus der Edelstahlform oder rote Zwiebeln mit Honigkern sind schnell zubereitet und richtig lecker. Seitdem immer mehr Vegetarierinnen und Veganer den Grill entdecken, gibt es auch immer mehr tolle Grillrezepte ohne Fleisch.

    H wie Hitzezonen

    Wer wirklich grillen will, der packt nicht einfach Kohle drauf und wartet dann ab. Denn wenn die Kohle im Grill verteilt wird, schafft man verschiedene Hitzezonen, die zu verschiedenen Gerichten passen. Während Gemüse es eher nicht so heiß mag, kann die Bratwurst (übrigens auch die aus Fleischersatz) einiges vertragen – und das Steak wird am besten dort kross, wo es richtig heiß ist.

    I wie Irrtümer

    Einer der größten Fehler ist wohl, eine Alu-Schale zu benutzen. Da können sich laut Grill-Experte Wette Partikel lösen, die sich in der Leber absetzen und langfristig Schäden verursachen. Eine gute Alternative sind das sogenannte "Butcher-Paper" (also Metzgerpapier) oder die gute alte Edelstahlform.

    Nächster Irrtum: Ein großer Grill ist auch automatisch ein guter Grill. Stimmt so nicht – ein Durchschnitts-Durchmesser von 57 Zentimetern hat sich bei vierköpfigen Tischgesellschaften bewährt. Größere Modelle nehmen deutlich mehr Platz weg, sind komplizierter einzuheizen und zu bespielen.

    J wie Junggriller

    Wer die ersten Schritte beim Grillen geht, dem rät der Experte, sich für eine Speise zu entscheiden. Selbst er würde nicht verschiedene Fleischsorten, plus Gemüse und obendrein noch Fisch gleichzeitig grillen wollen, betont Wette. Kurzum: Wer beim ersten Mal gute Würschtl hinbekommt, hat schon einen Schulterklopfer verdient. Die Grill-Saison ist lang genug, um sich zu steigern.

    K wie Kohle

    Zunächst mal: Nicht zu sparsam sein. Es lohnt sich, etwas mehr Geld für einen Sack Kohle auszugeben. Dann sind die Stücke etwa einheitlich groß und mit dem DIN-Zertifikat EN 1860-2 ist sichergestellt, dass kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe enthalten sind.

    Wem Umweltschutz wichtig ist, der sollte auf ein FSC-Logo achten. Denn dann wurden für diese Kohle keine Tropenhölzer verarbeitet. Außerdem sollte man Kohle nicht draußen lagern, sondern trocken, kühl und schattig im Keller oder in der Garage.

    L wie Laufwege

    Steht der Grill zu nah beim Esstisch oder dort, wo Kinder spielen, kann es schnell passieren, dass sich jemand verbrennt oder sogar am Grill hängen bleibt und ihn umwirft. Steht das Gerät allerdings zu weit weg, kann es am Ende zwar in Ruhe auskühlen, aber die Laufwege von der Feuerstelle bis zum Tisch werden lang – und der Grillende fühlt sich womöglich von den anderen ausgeschlossen. Deshalb ist es sinnvoll, sich vorab Gedanken über den perfekten Platz für den Grill zu machen.

    M wie Männer

    Grillen ist keine Männersache. Immer mehr Frauen entdecken das Grillen für sich. Das alte Klischee vom bierbäuchigen Griller sei völlig überholt, erzählt auch Wette. Längst treten bei den deutschen Meisterschaften viele gemischte Teams an.

    N wie Nachtisch

    Ja, den gibt es auch vom Grill. Wette schwört auf Schokolade im Blätterteig. Einfach ein oder zwei Stücke der Lieblingsschokolade mit Blätterteig umwickeln, vier, fünf, sechs Minuten in einer Edelstahlform auf den Grill legen und genießen.

    Oder auch folgende Idee: Einer Erdbeere den grünen Hut abschneiden und mit der geraden Seite nach unten auf einen Butterkeks spießen. Darüber einen Marshmallow stecken, auf den Rost oder in einer Edelstahlform stellen und warten, bis der Marshmallow zerflossen ist.

    O wie Ofen

    Sie wollten angrillen und dann kam doch noch ein Hagelschauer? Oder die Kohle ist viel zu schnell runtergebrannt und jetzt liegen halb gare, kalte Maiskolben auf dem Rost? Im Notfall kann man alles immer noch in den Ofen stellen und fertig brutzeln. Andersrum geht es übrigens auch: Grillmeister Wette hat schon mal einen Kuchen auf dem Grill gebacken – weil sein Ofen kaputt war.

    P wie Plastikmüll

    Gerade beim Grillen an öffentlichen Grillstellen fällt oft unwahrscheinlich viel Müll an. Mit einer guten Vorbereitung und einigen schlauen Lösungen lässt sich das Problem umgehen. Die Faustregel lautet: Alles, was frisch ist, schmeckt vom Grill noch besser. Wette rät deshalb dazu, nur frische Waren vom Metzger zu kaufen (siehe Z wie Zutaten), die haben dann auch keine vielschichtigen Verpackungen. Außerdem vermeidet man am besten Einweggrills, längst gibt es sehr gute Alternativen aus dem Campingbedarf.

    Q wie Quark und andere Beilagen

    Es muss nicht immer Ketchup sein. Es ist auch schön, eine einfache Kräuterbutter oder guten Kräuterquark zu den Kartoffeln zu servieren. Salate passen immer gut, genauso wie scharfe Öle, frisches Brot (Breznteig am Spieß schmeckt hervorragend) oder gegrillte Süßkartoffelscheiben.

    R wie Richtiges Werkzeug

    Grillprofi Wette benutzt natürlich keine Gabel, um das Fleisch umzudrehen. Sein Werkzeug ist eine sehr lange Grillzange, die er oft auch zusammen mit einem riesigen Paar Schweißer-Handschuhe verwendet. Nichts ist ärgerlicher als ein verdorbener Grillabend, weil die Gabel plötzlich zu glühen begann (siehe auch V wie Verbrennungen).

    S wie Sicherheit

    Eigentlich hätte hier auch "S wie Spiritus" stehen können. Denn der hat "in der Nähe eines Grills nichts zu suchen", sagt Wette. Nicht nur, dass die Stichflamme einem das Gesicht verbrennen kann – sie kann auch bis in die Flasche gelangen und explodieren.

    Generell sollte die Sicherheit beim Grillen immer vorgehen. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass man sich vorab einen Ort sucht, an dem der heiße Rost zur Not auskühlen kann, ohne andere zu gefährden. Besondere Vorsicht gilt bei Gasgrills mit den Flaschen, hier sollte man sich das einmal fachlich korrekt erklären lassen.

    T wie Temperatur

    Echte Profis haben Thermometer für ihre Grills, die ihnen dann über eine App verraten, ob das Steak noch "rare" oder schon "medium" ist. Die Vorstufe davon ist eine Temperaturanzeige außen am Grill, die je nach Gericht immer um die 200 Grad anzeigen sollte. Allen anderen bleiben nur das eigene Bauchgefühl und – unabhängig von der Hitze des Grills – die Hoffnung auf angenehme Außentemperaturen.

    U wie Unterstand

    Wenn es blöd läuft, gibt es trotz des Vorab-Blicks auf den Regenradar doch wieder den Temperatursturz inklusive Platzregen. Ist der Grill da schon eingeheizt, bleibt als Lösung nur ein Unterstand. Bäume sind dafür nicht sonderlich geeignet, weil die Funken in den Blättern Brände verursachen können. Und: Auf keinen Fall in geschlossenen Räumen grillen. Das heißt, die Garage darf zwar genutzt werden, aber nur bei offenem Tor – am besten noch mit Durchzug. Die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung ist zu groß.

    V wie Verbrennung

    Hand oder Arm sind zu nah an den Grill gekommen? Dann heißt es die nächste kühlende Wasserstelle aufsuchen. Brände löschen Sie mit Kleidern oder dicken Decken. Wenn es doch schlimmer ist, nicht zögern und die 112 rufen. Noch ausführlichere Informationen haben wir hier zusammengestellt.

    W wie Wedeln

    Kann man machen, kann aber anstrengend sein und ist wegen der Nähe zum Grill auch nicht ganz ungefährlich. Die bessere Variante, um die Kohle zum Glühen zu bringen, ist der Anzündkamin (siehe auch Anzünden).

    X wie XXL-Steak

    Nicht zu empfehlen. Zum einen, weil von der Größe eines Steaks auch abhängt, ob es am Ende gut schmeckt. Und zum anderen: Je größer das Steak, desto weniger Platz bleibt ja auf dem Rost für andere leckere Sachen.

    Y wie Yak-Wurst

    Gibt es zwar und ist sicherlich eine dieser Spezialitäten – Yak ist allerdings sehr fettarm und deswegen nicht unbedingt für den Grill geeignet. Bleibt also nur Wettes allgemeiner Tipp beim Thema Grillen… Und zwar:

    Z wie Zutaten

    "Je besser die Zutaten, desto mehr Spaß macht es auch, sie zu verarbeiten und am Ende zu essen." Grill-Experte Wette ist der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben, bei denen Herkunft, Haltung und Transportwege eine Rolle spielen.

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